Crunch-Time für Kiew. Die Solidarität des Westens, wird von Ernüchterung eingeholt. Ukrainische Regierung entrüstet über rationale Evaluierung von außenpolitischem Schwergewicht. (Op-Ed)

Für die „Vorbild-Demokratie“ ohne politische Opposition und Medienlandschaft, geht es in die entscheidende Phase. Allmählich dämmert es dem Westen, dass der ukrainische David auch noch so viele Steinschleuder-Magazine verfeuern kann. Im Großen und Ganzen bleiben es Schüsse in den Wind, die dem russischen Goliath kaum etwas anhaben können.

Das gebetsmühlenartig rekapitulierte Mantra, die „Russen seien schlagbar“, nährte sich bislang ausschließlich von der Behauptung, dass der Kreml eigentlich intendierte das ganze Land zu unterwerfen, doch der „Heldenmut“ der Ukrainer diesen Blitzkrieg vereitelt hätte.

Was die westlichen Kriegspropagandisten hingegen bis dato außen vor lassen ist, welche Quelle ihnen gesteckt haben soll, dass die Russen ursprünglich die Einverleibung der gesamten Ukraine ins Auge fassten. Zwar wird diese Absicht fortwährend in den Raum gestellt, um unbedeutende Pyrrhussiege des Selenskyj-Regimes groß aufzublähen und diesen einen trügerischen Siegercharme zu verleihen, doch die von den Dächern pfeifenden Spatzen sind nirgends auszumachen. Oder es heißt „diese Informationen basieren auf Einschätzungen anonymer Quellen.“

Mit anderen Worten, es handelt sich um an den Haaren herbeigezogene anekdotische Fernanalysen, die des Wahnsinns fette Beute sind und wenig mit der Realität zu tun haben.

Weniger emotional ergriffene Experten, die vermögen abwägendere Evaluierungen der Konfliktsituation zu kommunizieren, merkten seit Kriegsbeginn beharrlich an, dass sich die Anzahl der entsendeten russischen Truppen für keine indikative Aussagekraft hergibt. Moskau angedichtetes Vorhaben, die gesamte Ukraine im Eiltempo einnehmen zu wollen, sei Hannebüchen so der widersprechende Tenor.

Der ehemalige UN-Waffeninspekteur und Geheimdienstoffizier, US-Veteran, und Militärexperte, Scott Ritter, etwa betonte in mehreren Interviews nachdrücklich, dass es eine Traumvorstellung sei ein Land in der Größe der Ukraine mit lediglich 200 000 Soldaten einzunehmen. Doch diese Truppenstärke sei hinlänglich, um strategische Manöverkriege auszufechten. Wobei kleinere Regimente an mehreren Frontlinien Stellung beziehen, um die Truppen des Feindes zu binden. Ritter insistierte darauf, dass der Kreml von Tag Eins mitunter jene Strategie verfolgte. Diesbezüglich argumentierte er, dass man Millionenstädte, wie Kiew oder Odessa, auf keinen Fall mit jeweils nur 40- oder 30 000 Mann besetzt. Der Militärexperte dazu:

„Was haben die Russen vor? Ich habe es Ihnen gesagt. Sie wollen Leute in Kiew binden. Es stehen Hunderttausend Soldaten in Kiew bereit, die wenn man sie nicht bedroht als Verstärkung nachrücken. Also rückt man von Belarus mit 40 000 Mann ein, und hält 100 000 in Schach. In Odessa befinden sich 80 000 Mann. Also entsendet man 30 000 Mann von der Krim und bedroht Odessa. Währenddessen lässt man Marineschiffe vor der Küste patrouillieren und die dortigen Truppen sitzen fest. Im Donbass sind 100 000 Mann stationiert und man möchte nicht, dass diese sich freimachen und auf Kiew reagieren, also bindet man sie. Man schickt die Milizen aus Donetsk und Luhansk über die Grenze, wo mit die heftigsten Kämpfe stattfinden, und man greift sich diese Leute und verwickelt sie in den Nahkampf, um ihre Manövrierfähigkeit zu unterbinden. Daraufhin nutzt man diesen Vorstoß, um eine Landbrücke zwischen der Krim und russischem Territorium herzustellen, sodass die Bewegungsfreiheit der Truppen gewährleistet ist. Mariupol war der Schlüssel dafür. Mariupol musste fallen. Es ist die einzige Stadt, um die die Russen kämpften. Fragen Sie sich mal warum? Weil es die einzig Wichtige ist. Alle anderen Städte sind unwichtig. Eine Stadt wie Kiew, mit einer Einwohnerzahl von 3,1 Millionen, nimmt man nicht mit nur 40 000 Soldaten ein. Das wird nicht geschehen. Ebenso wird man nicht in der Lage sein, mit 50 000 Soldaten eine Stadt wie Charkiw einzunehmen, wo 1,6 Millionen Menschen leben. Dies wird nicht passieren. Doch mit 50 000 Soldaten nimmt man eine Stadt wie Mariupol ein, indem man sie umzingelt und bombardiert. Was geschehen ist. Auf diese Weise wurde die Stadt eingenommen. Eine extrem grausame Situation, doch militärisch notwendig. Diese Phase nennt man die Vorbereitung des Schlachtfelds.

Offenbar hat der Westen diesen Köder willentlich geschluckt. Die allmählich verhallenden Siegesbekundungen, scheinen diese Annahme zu bestätigen.

Im Osten der Ukraine, nehmen die Kampfhandlungen mehr und mehr Blitzkrieg-Charakter an. Während in Kiew, Charkiw und Odessa gebundene ukrainische Truppenverbände weiterhin in Schach gehalten werden und ihren Kameraden im Donbass und Luhansk nicht zur Hilfe eilen können, kollabieren Kiews Verteidigungslinien im Minutentakt.

Selbst der ansonsten so zuversichtlich klingende Präsident der Ukraine, musste unlängst zähneknirschend einräumen, dass die Russen im Osten „deutlich überlegen sind“. Doch jene ab und an temporär aufflammende Räson, wird kontinuierlich von einer fatalen Selbstüberschätzung überschattet. Von der blauäugige WEF-Rookies und Young Global Leaders beeindruckt sein mögen, doch nicht geopolitische Dinosaurier, die sich als Architekten des „Großen Schachbretts“ einen Namen gemacht haben.

Wie etwa Henry Kissinger, außenpolitisches US- Schwergewicht und Mentor vom WEF-Direktor, Klaus Schwab. Ersterer trat unlängst als Gastredner beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Erscheinung und warnte davor, den Konflikt noch länger hinauszuzögern. Der 98 jährige ehemalige US-Außenminister meint, dass der Westen Gefahr liefe eine direkte Konfrontation mit Russland ausfechten zu müssen, wenn die Kampfhandlungen nicht in den kommenden zwei Monaten zum Erliegen kämen. Kissinger:

„In den kommenden zwei Monaten sollten Verhandlungen aufgenommen werden, ehe sich Unruhen und Spannungen manifestieren, die nicht so leicht zu überstehen sind. Idealerweise sollte die Trennlinie eine Rückkehr zum vorherigen Status Quo sein. Den Krieg über diesen Punkt hinaus fortzusetzen, würde sich nicht mehr um die Freiheit der Ukraine drehen, sondern wäre ein Krieg gegen Russland selbst. “

Neben kompromissbereiten territorialen Konzessionen, als Ergebnis fruchtbarer Friedensverhandlungen, riet Kissinger der Ukraine dazu, sich wieder auf einen „neutralen Status“ zurück zu besinnen.

Vor acht Jahren, als der Gedanke aufkam die Ukraine in der NATO aufzunehmen, schrieb ich in einem Artikel, dass das ideale Ergebnis eine Ukraine wäre, die eine Rolle als neutraler Staat bekleiden könnte. Als eine Brücke zwischen Russland und Europa. Ich denke nicht das dieselbe Möglichkeit jetzt noch besteht, doch diese sollte als Endziel begriffen werden,“ so der Geostratege.

Bei manchem verwöhntem Gör im Kiewer Machtapparat, kam Kissingers bodennahe Beurteilung des Kriegsverlaufs überhaupt nicht gut an. Mehrere aus dem Dunstkreis der ukrainischen Regierung, regten sich künstlich auf, über die erquickende Ehrlichkeit . Doch den Vogel schoss mal wieder der enge Berater des offiziellen ukrainischen Staatsoberhaupts ab. Alexey Arestowitsch, ein offenkundiger Fanboy der islamistischen Terrororganisation „ISIS“, verlor seine Beherrschung und schweifte ins Obszöne ab, um seine Zurückweisung zu unterstreichen.

Fickt euch mit diesen Vorschlägen, die ein wenig um ukrainisches Territorium feilschen, ihr dummen Bastarde. Scheiße, seit ihr verrückt? Unsere Kinder verrecken, Soldaten fangen Bomben mit ihren Körpern ab. Und die wollen uns erzählen, wie wir unsere Gebiete opfern sollen. Dies wird niemals geschehen,“ so Arestowitsch.

Entgegen der insbesondere in Deutschland verfochtenen Auffassung, die USA als Nation stünde einhellig hinter Washingtons Mission Creep in der Ukraine, scheiden sich die Geister hinsichtlich des Grades der Unterstützung. Die wohl am meisten von Leitmedien-Organen zitierte Tageszeitung der Welt, die New York Times, schaffte jüngst ein narratorisches Gegengewicht, mit einer weitaus plausibleren Analyse des Ukraine-Konflikts. Was zweifelsohne als Abfall der überschwänglichen Solidarität zu werten ist. In einem dieser Stimmung Ausdruck verleihenden Editorial-Artikel, wird sowohl die fehlende Selbstreflexion des Selenskyj-Regimes, als auch der Biden-Administration aufgeworfen. Die NYT:

Doch während der Krieg sich fortsetzt, sollte Herr Biden Präsident Wolodomyr Selenkskyj und seiner Bevölkerung klarmachen, dass es eine Grenze gibt, inwieweit die USA Russland konfrontieren, und das das Aufgebot von Waffen, Geld und politischer Unterstützung begrenzt ist. Es ist unerlässlich das die Entscheidungen der ukrainischen Regierung auf einer realistischen Einschätzung ihrer Mittel basiert und darauf wie viel Zerstörung die Ukraine noch ertragen kann.

Sich mit dieser Realität auseinanderzusetzen mag unangenehm sein, doch es ist keine Beschwichtigung. Regierungen sind verpflichtet sich daran zu halten und nicht einem illusorischen „Sieg“ nachzueilen.

Hinter dem vorgespielten Heroismus und der Bekundung zum Märtyrertum steckt raffgieriges Kalkül. Selenskyj und seine Getreuen können mit Verhandlungen nichts anfangen, denn die Geldhähne fließen nur solange die Waffen sprechen. Die Ukraine ist ein schwarzes Loch, was monetäre Zuwendungen anbelangt. Für was die vom Westen überwiesenen astronomischen Summen letztlich aufgewendet werden, bleibt ein Geheimnis. Genauso verhält es sich mit den Waffenlieferungen. Einige Herrschaften werden sich die Taschen prall füllen Und da wo die Patte herkommt, gibt es reichlich mehr.

Wir prognostizieren, dass Selenskyj & Co schröpfen was das Zeug hält und eines guten Tages in einer Nacht und Nebelaktion Reißaus nehmen werden. Mit sämtlichen geplünderten Reichtümern im Gepäck. Siehe das Schicksal des ehemaligen afghanischen Präsidenten, Aschraf Ghani, der sich mit $169 Millionen in die Vereinigten Arabischen Emirate absetzte. Cheers.

Aut.R.R.

Kommentar verfassen