USA geht die Munition aus. Bereits ein Drittel des Gesamtarsenals von Javelin-Raketen an Kiew geliefert. Stinger-Raketen-Produktion keine Erhöhung möglich. Wer zahlt für die Waffenpakete? Laut Lend & Lease Act, die Ukraine.

Seit Wochen reißt die öffentliche Debatte über „unendliche“ Waffenlieferungen an die Ukraine nicht mehr ab. Der Bellizismus ist allgegenwärtig und geprägt von einem exaltierten Aktionismus, der offenbar schneller von der Realität eingeholt wird, als den kriegstreibenden Elementen genehm ist.

Denn augenscheinlich trübt der Größenwahn das strategische Denken ungemein. Wodurch unausgegorene Schlachtpläne und davon herleitend unrealistische Kriegsausgänge ins Auge gefasst werden. Die Selbstüberschätzung war noch nie ein guter Ratgeber. Und im Krieg gewinnt meistens Derjenige, dessen Versorgungslinien, Waffen und Munitions-Nachschub und Truppenverstärkungen, fortwährend gesichert sind.

Im Ukraine-Krieg haben die USA schnell die Führungsrolle übernommen und die Zielsetzungen klar festgelegt: Regime Change in Moskau und ein militärischer und ökonomischer Kollaps der russischen Föderation. Für diese waghalsige Mission-Impossible, hat sich die Biden-Administration vorgenommen, seinem stellvertretenden Himmelfahrtskommando nachdrückliche Feuerkraft zu verleihen. Doch die Supermacht stößt bei diesem Vorhaben, bereits jetzt an ihre Grenzen, wie das Nachrichtenportal, Bloomberg, kürzlich berichtete. In einem am 14. April online publizierten Artikel heißt es:

„Pentagon Beamte sagen, dass Kiew alltäglich eine Wochenration Antipanzermunition-Lieferungen verfeuert. Des Weiteren gehen ihnen die einsatzfähigen Flugzeuge aus, da russische Luftschläge und Kampfverluste ihre Opfer fordern. In Mariupol und anderen Gebieten, neigen sich die Munitionsbestände dem Ende zu.

Dies stellt westliche Länder vor die Qual der Wahl, der Ukraine weitere Lieferungen zukommen zu lassen, oder mit begrenzten Ressourcen sparsam umzugehen, die sie etwaig für die eigene Verteidigung brauchen.“

Eine Abnutzungsschlacht verschlingt Unmengen von Munition und Militärgerät. Insbesondere unsere Politiker, scheinen solche Faktoren mitnichten in Betracht zu ziehen. Wie viel sind wir und andere Länder überhaupt in der Lage zu liefern? Und noch wichtiger, wie schaut es mit der Waffenproduktion aus? Die sich weitaus komplexer gestaltet, als derweil allenthalben kolportiert wird.

Beispielsweise haben die USA bereits ein Drittel ihres Gesamtarsenals von Javelin-Antipanzerraketen, der Ukraine in den Rachen geworfen. Doch wo die herkommen, gibt es kaum welche mehr. Bloomberg dazu:

Die USA lieferten bislang ein Drittel ihres Gesamtarsenals von Antipanzerraketen vom Typ Javelin. Sie können nicht einfach mehr liefern, ohne ihre eigenen Waffenkammern schwer zu erschöpfen. Und es braucht Monate, wenn nicht gar Jahre ,um die Produktion signifikant zu erhöhen.

Also der größte Waffenproduzent der Erde kommt ins Straucheln, und entgegen der allgemeinen illusionären Auffassung die USA pflückten Kriegsgerät von den Bäumen, vermag er nicht seinen Proxy langwierig aus der Patsche zu helfen. Uncle Sam läuft nämlich Gefahr gegenüber anderen Weltmächten militärisch ins Hintertreffen zu geraten, wie das Portal folgendermaßen in Aussicht stellte:

Aus demselben Grund ist der Krieg in der Ukraine eine ernüchternde Vorschau auf die Probleme, mit denen sich die USA in einem Konflikt mit Russland oder China konfrontiert sähen. Zöge Washington gezwungenermaßen in Ost-Europa oder im Westpazifik in den Krieg, würde es sein Arsenal von Raketen und präzisionsgelenkter Munition und andere entscheidende Ressourcen, in Tagen oder Wochen aufbrauchen. Es müsste wahrscheinlich schwere Verluste von Panzern, Flugzeugen, Schiffen und anderen Gütern hinnehmen, die hochentwickelt, aufwendig und schwer zu ersetzen sind.

Da der Schwerpunkt der amerikanischen Ökonomie nicht länger auf der Produktion liegt, sind die USA nur noch ein Schatten ihrer Selbst, was die letale Übersättigung von Kriegsschauplätzen angeht. Eine blitzartige Wiederaufrüstung, wie zu Weltkriegszeiten, ist in weite Ferne gerückt. Die Produktion von Stinger-Raketen, die in der Ukraine verfeuert werden sollen, kann beispielsweise nicht erhöht werden, weil schier die Fachkräfte fehlen, wie Bloomberg umriss:

„Während des ersten Weltkriegs, führten die Offensiven von 1914 zu einer „Granaten-Knappheit“, da die europäischen Kombattanten ihre Arsenale erschöpften. Machen Sie sich auf eine „Granaten-Knappheit“ gefasst, wenn ein Krieg zwischen Großmächten wütet.

In den Weltkriegen des letzten Jahrhunderts, sicherte der unvergleichliche Produktionsstandort Amerikas letztendlich den Sieg. Doch das Arsenal der Freien Welt heutzutage wieder aufzustocken, wird etwaig nicht so leicht sein.

Die amerikanisch ökonomische Führung, basiert nicht länger hauptsächlich auf der Produktion. Maschinenwerkzeuge-und Fachkräftemangel und spärliche Produktionskapazitäten, könnten eine Wiederaufrüstung zu Kriegszeiten verlangsamen. Beispielsweise sind die USA nicht in der Lage für die Ukraine, die Produktion von Stinger-Raketen schnell hoch zu fahren, da die dafür notwendige Arbeitskraft schier nicht mehr existiert, “ so das Portal.

Schlussfolgernd wurde die gegenwärtige Realität in zwei Sätzen verpackt:

„Die strategischen Waffenarsenale Amerikas sind kleiner, als man sich vorstellt. Teilweise wegen Produktionsbeschränkungen und teils weil das Pentagon das Gros des $750 Milliarden Militärhaushalts in die Bemannung, Gesundheitspflege und andere Dinge als Kugeln und Bomben steckt.“

Was sagt uns das? Nicht weniger als, dass das sogenannte „Arsenal der Demokratie“ streng limitiert und nicht für langatmige Konflikte ausgelegt ist.

Doch die Waffenlieferungen an die Ukraine haben ihren Preis. Wer zahlt eigentlich für die letale Hilfe aus den USA? Angesichts der vorgegaukelten Solidarität könnte man glatt dem Irrtum erliegen, dass die milliardenschweren Waffenpakete Geschenke seien. Nun Washington hat mit seiner Reaktivierung des historischen „Lend & Lease Acts“ bereits festgelegt, wer dafür aufkommen wird. Die Ukraine.

1941 verabschiedeten die USA das besagte Gesetz, um ihren Alliierten gegen Nazi-Deutschland militärisch unter die Arme zu greifen. Im zweiten Weltkrieg erhielt Großbritannien unter dem Lend-Lease-Act, Waffen von den USA. Die dafür fälligen Zahlungen waren 2006, 61 Jahre nach Kriegsende, noch nicht vollständig getilgt. Die chinesische Tageszeitung Global Times sieht in dem Lend & Lease Act eine Schuldenfalle für die Ukraine. Das Blatt schrieb am 10.5 auf seiner online Sparte: „

„Das Gesetz erlaubt den Vereinigten Staaten das militärische Lend & Lease-Programm zu verwenden, um den Transfer von Waffen, Ausrüstung, Medikamenten und Nahrungsmitteln an die Ukraine zu beschleunigen. Es wird erwartet, dass das empfangsbereite Land die Kosten später übernimmt.“

Überdies zitierte das Blatt einen Kommentar von dem Militärexperten, Song Zhongping, wie folgt:

„Dies wird eine schwere Fußfessel für die Ukraine sein. Die Ukraine wird für die verschiedenen Waffen und Ausrüstung, die sie künftig von den USA erhalten werden, sowohl das Kapital, als auch die Zinsen zahlen. Die USA sind ein Geschäftsmann. Sie werden keine Verlustgeschäfte machen.“

Die Global Times wittert hinter dem Lend & Lease-Programm maligne Intentionen Washingtons:

“ Das Lend & Lease-Programm ist nicht billig, und die böswillige Absicht Amerikas ist offensichtlich. Die Ukraine dabei zu unterstützen bis zum letzten Tropfen ukrainischen Blut zu kämpfen, indem sie sogenannte militärische Hilfe leisten und zukünftige Generationen zur Kasse bitten um für die amerikanischen Munitions-, Ausrüstungs- und Lebensmittellieferungen zu zahlen,“ so das Blatt.

Wichtige Faustregel. Auch als Stellvertreter im Krieg, gibt es nichts umsonst. Eine Logik die das Selenskyj-Regime offenbar noch nicht vollends begriffen hat. Jedwede Ausweitung des Konflikts, wird die Ukraine teuer zu stehen kommen, und abhängiger denn je machen. Souveränität sieht anders aus.

Erst neulich thematisierte der FOX-News Kommentator, Tucker Carlson, die schwindelerregenden Hilfspakete für die Ukraine und sprach der US-Regierung ihr Orientierungsvermögen ab. Fazit: Washington schere sich mehr darum Kriege auszuweiten, als um die Grundbedürfnisse der eigenen Bevölkerung.

Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die „Putin muss ausgeschaltet werden“- Chöre verhallen werden. Je mehr Kriegstage ins Land ziehen, desto tiefer muss Uncle-Sam in die Tasche greifen, um mächtig vorzustrecken. Vor dem Hintergrund der oben dargelegten Informationen ist eine Neuauflage des Afghansitan-Szenarios unwahrscheinlich. Und make no mistake. Washington geht mitnichten davon aus, dass die Ukraine je wieder liquide sein wird. Darum geht es nicht, sondern darum eine fortbestehende Abhängigkeit zu schaffen. Ad Infinitum! Sozusagen als weiterer Hinterhof von Uncle Sams Imperium.

Aut/Übers: R.R.

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