„Der Kreml militärisch schwer in Bedrängnis.“ Weswegen drängen USA und BRD dann auf Waffenstillstand? (Op-Ed)

Eine Kriegspartei, die ihrem Gegner schwer zusetzt und das Momentum für sich verbuchen kann, ist normalerweise eher weniger an einer Waffenruhe interessiert. Denn weshalb sollte man der Gegenseite Zeit einräumen ihre Wunden zu lecken und nachzurüsten. Sollte man nicht ebendieses Zeitfenster nutzen, um den Druck aufrechtzuerhalten?

Seit Tagen lassen Mainstream-Airwaves verlautbaren, das ukrainische Truppen an mehreren Fronten Boden gut machten und den Russen das Fürchten lehrten. Manche zeitgenössische Putin-Verächter behaupten gar, dass die Kriegswende zum greifen nahe sei.

Hingegen wollen die Bestrebungen des Westens, den „wahnsinnigen Machthaber Russlands“ und seinen Verteidigungsminister an die Strippe zu bekommen, um eine Feuerpause zu erbitten, nicht so recht mit der westlichen Version der Kriegsgeschehnisse korrespondieren.

Ob es eine Absprache zwischen Washington und seinem deutschen Vasalen gegeben hat, kann an dieser Stelle nur spekuliert werden. Doch am 13.5 vermeldeten mehrere Mediengruppen, dass sowohl der US-Verteidigungsminister, Loyd Austin, als auch der deutsche Bundeskanzler, Olaf Scholz, Telefonate mit Moskau führten, um auf einen Waffenstillstand zu „drängen“. Austin bat sein russisches Pendant Nachsicht mit den ukrainischen Streitkräften zu haben, und Scholz Putin.

Der Wortlaut der jeweiligen Meldungen, von wegen man hätte den Kreml „aufgefordert“ die Waffen ruhen zu lassen, kann keineswegs darüber hinwegtäuschen, dass es in unbefangenen Militärkreisen als Zeichen der Schwäche gilt, den Kontrahenten anzuhauen, damit dieser die Kampfhandlungen temporär einstellt.

Allem Anschein nach will man Moskau zum Narren halten und die erbetene Waffenruhe dafür nutzen, die auf den Weg gebrachten Waffenpakete sicher ans Ziel zu bringen. Salopp ausgedrückt: Russland soll sich gemächlich zurücklehnen, während die NATO-Gegnerschaft ihre Stellvertreter militärisch aufmöbelt. Und das ohne schmale Zugeständnisse unterbreitet zu bekommen. Aus Jux und Tollerei. Weswegen sollte die angeblich selbst limitierende Kriegspartei dem zustimmen?

Es heißt das Selenskyj-Regime brächte den Russen momentan schwere Verluste bei und verbuche kontinuierlich große Geländegewinne. Weswegen erpicht es dann auf eine sofortige Feuerpause? So gäbe man Moskau hinreichend Zeit strategisch umzudenken, nachzurüsten und härter zurückzuschlagen. Von einem militärischen Standpunkt aus betrachtet, macht dies überhaupt keinen Sinn. Es sei denn man ist die in Bedrängnis geratene Seite, die angesichts der Misere natürlich eine Time-Out herbeisehnt, um aufatmen und die dahingeraffte Kampfmoral und erschöpften Waffenbestände halbwegs wieder aufstocken zu können.

Unlängst wurde in der RT-Sendung, Crosstalk, über die aktuelle Kriegssituation in der Ukraine diskutiert. Wobei der norwegische Politikwissenschaftler, Glenn Diesen, das unorthodoxe Vorgehen als „Gewinner“ Waffenstillstände einzufordern beanstandende und seine Mutmaßung kundtat, dass die USA erwägten ihre Waffenlieferungen an die Ukraine, sicher über die Bühne zu bringen.

Man kann doch nicht in der einen Woche sagen, dass man vorhat Waffen im Wert von $50 Milliarden in die Ukraine zu schaffen, und in der nächsten einen Waffenstillstand einfordern, damit diese Waffen die Frontlinie erreichen,“ konstatierte Diesen.

Die laut seiner Auffassung wahren Beweggründe dafür, sieht er in dem Kriegsverlauf selbst. Der sich für Kiew, entgegen der kolportierten Heldengeschichten, ziemlich abnutzend gestalten soll. Mit Blick auf den Hauptkriegsschauplatz im Osten des Landes prognostizierte der Politikwissenschaftler:

„Es schaut so aus, als würden die Frontlinien kollabieren. Daraus könnte sich ein Schneeballeffekt entwickeln. Denn mit jeder weiteren kollabierten ukrainischen Verteidigungslinie, werden tausende russische Soldaten und Donbass-Kämpfer wieder verfügbar gemacht. Die anschließend weiter vorrücken können. Scheinbar ist der entscheidende Wendepunkt des Krieges, in den kommenden zwei Wochen erreicht.“

Taktische Rückzüge und aufgeriebene Bataillone der russischen Seite, werden vom Westen glorifizierend und heroisierend als Ebenbürtigkeit wenn nicht gar Überlegenheit der ukrainischen Seite porträtiert. Doch ernüchternd betrachtet, handelt es sich schier um unbedeutende Pyrrhussiege, die mitnichten ins Gewicht fallen.

Wohingegen die Russen im Donbass offenbar ein um die andere Region unter ihre Kontrolle bringen. Nach der Eroberung von Mariupol erfolgte die blitzartige Einverleibung der strategischen Stadt Popasna, in der sich ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt befindet. Im Oblast Luhansk, wo nunmehr umzingelte ukrainischen Truppen in der Stadt Sewerodonezk ausharren, ist ebenfalls Hopfen und Malz verloren. Und übrigens die sogenannte Schlangeninsel im schwarzen Meer, ist nach einem kurzatmigen Gefecht wieder unter russischer Kontrolle. Wobei die ukrainische Armee angeblich Todesopfer und Materialverlust, wie ein gescheitertes Selbstmordkommando zu beklagen hatte.

Alles in Allem scheint es um die Widerstandsfähigkeit der ukrainischen Streitkräfte, wohl doch nicht so gut bestellt zu sein. Mitunter geht die sogenannte feministische Außenpolitik dem fatalen Trugschluss auf den Leim, man habe es mit einer Intervention á la Irak oder Libyen zu tun. Und die reflexartigen als „Putin-Versteher“ oder „russischer Agent“ abtuenden ad hominem Ergüsse, sobald jemand daran erinnert, sind der Sache nicht dienlich.

Mit einer rosaroten Brille die imminenten Konsequenzen des eigenen Handelns auszublenden, wird die Probleme nicht aus der Welt schaffen. Solange der Westen sich wie ein verzogener Bengel aufführt und Moskau Sicherheitsgarantien verwehrt, wird diese Abwärtsspirale fleißig weiter rotieren.

Kompromisse haben für beide Seiten schmerzvoll zu sein, nicht nur für eine. Und mehr Waffen werden die Abnutzungsschlacht lediglich länger hinauszögern und nicht vorzeitig beenden. Das Durchhaltevermögen der Ukrainer, ist streng limitiert. Das vergessen bisweilen Viele, beziehungsweise seit Kriegsausbruch.

Aut.R.R.

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