Nachwirkungen des US-Abzugs aus Syrien- Mattis wirft Handtuch- Trump behauptet Syrien, Russland Iran nicht erfreut

Donald Trumps überraschende Bekanntgabe eines womöglich rasanten Abzugs aller in Syrien stationierter US-Soldaten, hat den gesamten Politapparat in Washington in Aufruhr versetzt.

Man hat es nicht für möglich gehalten, jedoch der US-Präsident scheint wirklich das Sakrileg zu begehen und mit gewissen hegemonialen US-Ambitionen zu brechen.

Überparteiliche Protagonisten verurteilten Trump aufs Schärfste für die vermeintliche Beendigung der Besatzung Syriens, und attestierten düstere Aussichten für die Nah-Ost-Region und darüber hinaus.

Hochrangige Beamte des Pentagons rebellierten gegen Trumps Entscheidung, wie die US-Tageszeitung NewYorkTimes laut Southfront mitteilte.

Joseph Votel der General des US-Central Command, und Trumps Gesandter für die Anti-ISIS-Operation in Syrien, Brett McGurk, sollen sich ausdrücklich gegen den Abzug ausgesprochen haben, so unbenannte US-Beamte gegenüber dem Blatt.

Angesichts der über sich ergehenden “Blasphemie” den kürzeren als Amerikaner ziehen zu müssen, und dem “Feind” das Feld zu überlassen warf der US-Verteidigungsminister, Jim Mattis, das Handtuch.

Der “Mad-Dog” versuchte seinen Präsidenten vergebens zu bekehren, strickstens von dem Abzug aus Syrien abzusehen. Mattis begab sich laut der NYT ein letztes mal zum Weißen-Haus um Trump umzustimmen und führte zu diesem Zeitpunkt bereits einen Brief mit sich, in dem er seinen Rücktritt erklärte.

Nachdem er von dem Commander in Chief zurückgewiesen wurde, bat er seine Gehilfen im Pentagon darum 50 Kopien seines Rücktrittschreibens im Gebäude zu verteilen.

“Meine Ansichten Alliierte mit Respekt zu behandeln und zusätzlich scharfsichtig wegen beiden zu sein, malignen Akteuren und strategischen Konkurrenten, sind stark verwurzelt, “ schrieb Mattis.

“Da sie das recht dazu haben über einen Verteidigungsminister zu verfügen dessen Ansichten bezüglich dieser und anderer Angelegenheiten sich besser mit ihren decken, glaube ich das es richtig für mich ist von meinem Amt zurückzutreten.”

Demütig zieht der Mad-Dog von dannen. Im Februar fällt der Vorhang, bis dahin bleibt er de facto Pentagon-Chef. Mattis Beweggründe für seine Resignation rührten wahrscheinlich nicht nur von Trumps Abzug aus Syrien her.

Indes ordnete der US-Präsident ferner an, das in Afghanistan stationierte Truppenkontingent um die Hälfte zu reduzieren. Was James Mattis ebenfalls gehörig gegen den Strich gehen dürfte.

Demnach ist aus Sicht des alteingesessenen Falken seine Resignation die logische Konsequenz. Er gehört halt zum alten Eisen in Washington, das nicht aus seiner Haut kann. Endlose Kriege wurden ihm in die Wiege gelegt, Frieden und Kapitulation liegen ihm nicht so, wie aus seinem Background hervorgeht.

Die amerikanischen Mainstream-Medien entpuppten sich wie eh und je als Verstärker für kritische Stimmen, die ohnehin erwägen jede halbwegs hoffnungsvolle und eigenwillige außenpolitische Anstrengung Donald Trumps zu untergraben.

Seit dem Bekanntwerden des vermeintlichen US-Rückzugs ist eine ungebremste mediale Hysterie zu vermerken, die sich ausschließlich damit befasst potenzielle Horror-Szenarien heraufzubeschwören.

Diesbezüglich werden allerhand Expertenmeinungen angeführt und visuelle Darbietungen ausgestrahlt. “Assad würde gewinnen, Russland expandieren, der Iran Syrien übernehmen, die ISIS wiedererstarken, Israel in Gefahr geraten, der Nahe-Osten ohne die US-Phalanx implodieren,” so der Kontext der gegenwärtigen Medienschelte.

Donald Trump hat indes erneut durch offenkundige Diskrepanz auf sich aufmerksam gemacht. Seine einleitenden Worte zum US-Abzug und die wiederholte Behauptung die ISIS geschlagen zu haben, widerrief er einen Tag später mit einem verstörenden Tweet.

“Russland, Iran, Syrien und viele andere sind nicht erfreut darüber das die USA abziehen, entgegen was die Fake News sagen, denn jetzt müssen sie die ISIS und andere die sie hassen ohne uns bekämpfen. Ich baue das mit Abstand mächtigste Militär in der Welt. Wenn ISIS uns trifft sind sie dem Tode geweiht,” so Trump.

Fortwährend ist es ziemlich schwer nachzuvollziehen was den Commander in Chief antreibt, solche dissoziierenden mit schizophrenen Zügen behafteten Äußerungen von sich zu geben.

Nach Trumps Auffassung sollen Russland, der Iran und Syrien angeblich betrübt darüber sein, das die Amerikaner ihre gegen jedes Recht der Welt verstoßende Besatzung Syriens und ihren Alibi-Krieg gegen die ISIS beenden wollen.

Wer mit der Realität vertraut ist der weiß zu einem das die USA die ISIS nur als Vorwand nahmen um sich in Syrien einzunisten, und zum anderen das der Islamische Staat neben der Al-Qaida ein von Washington begünstigter Akteur ist, der den Sturz der Assad-Regierung realisieren sollte.

Bekanntlich hat Trump eine Vorliebe für das Fernsehen, und soll sich überwiegend auf diesem Weg seine Weltsicht zusammenschustern. Wenn wirklich der letzte US-Soldat Syrien verlassen hat, kann Trump sich mit einer Packung Popcorn im Weißen-Haus zurücklehnen und die Syrer in Damaskus, Aleppo und landesweit zelebrieren sehen.

Vielleicht dämmert ihm dann das keiner bezüglich des US-Abzugs auch nur eine Träne vergießt. Aber bis dahin hat er seine eigene Aussage längst wieder vergessen, oder behauptet auf seine Angaben angesprochen das er so etwas nie geäußert habe. Weiß Gott was er sonst noch rhetorisch im Petto hat, oder senile Anfälle er haben wird.

Gewiss ist das er den innenpolitischen Gegenwind (Russiagate, Mueller-Untersuchung, ein bevorstehender Government-Shutdown) mit einem außenpolitischen Sturm vorerst übertüncht hat.

Der US-Wahlkampf hat längst wieder begonnen. Mit dem Abzug aus Syrien und Afghanistan erfüllt er sein Wahlkampfversprechen, und gibt seiner Base einen weiteren Grund ihn wiederzuwählen.

Verf.R.R.

Please follow and like us:

Kommentar verfassen