Ist ein Pastor der tatsächliche Grund für das Zerwürfnis zwischen den USA und der Türkei ?- (Meinung)

Befinden sich die Vereinigten Staaten und die Türkei auf einer Strasse ohne Wiederkehr, oder ist NATO-Blut doch dicker als es derweil den Anschein macht? Die Türkei verspürt gegenwärtig wie es sich anfühlt auf der anderen Seite zu stehen.

Auf der Seite von den von Washington geächteten Staaten, die anhand von Sanktionen und Kriegen ins Chaos gestürzt werden.

Ankara realisiert allmählich das die Scheidung von den Amerikanern nicht ohne Schmerzen und Einbußen von statten gehen wird, und einen ultimativen Preis einfordert. Wenn dies wirklich beabsichtigt ist.

Gegenwärtig zeichnet sich das “Worst/Best Case Scenario noch nicht ab”. Der Austritt aus der Nordatlantischen Handelsorganisation (NATO) steht zwar im Raum, jedoch ob Ankara wirklich in der Lage ist diesen unumkehrbaren Schritt zu gehen ist fraglich, und ob es das überhaupt wirklich möchte ebenso.

Schließlich bewahrte dieser Status die Türkei davor auf George W. Bushs “Achse des Bösen” zu landen, und der arabische Frühling zog ebenfalls an der Türkei vorbei. Sprich die USA sahen aufgrund vom geographischen und militärischen Nutzen des nahöstlichen Brückenkopfs  davon ab, das Land mit Terroristen zu überfluten oder direkt zu intervenieren.

Im Großen und Ganzen sorgte der NATO-Status dafür, nicht selbst unter die Räder zu geraten. Die Türkei ist ein wichtiger Partner für die USA, zur Aufrechterhaltung ihrer Hegemonie im Nahen Osten.

Ohne den US-Militärstützpunkt in Incirlik, wäre so manches militärische Abenteuer der Amerikaner in der Region nicht in diesen Ausmaßen möglich gewesen. Das entscheidende hierbei ist das Schicksal der Geographie. Angrenzend an Syrien (900km) den Irak, den Iran und in direkter Nachbarschaft von Israel, ist es ein Leichtes von der Türkei aus in der Region Krieg zu führen.

Die Inhaftierung des evangelischen Pastors, Andrew Brunson, ist nur die Spitze des Eisberges und nicht der tatsächliche Grund für das Gebaren der USA. Der Mikrokosmos der Geopolitik, Syrien, und die damit zusammenhängende Reinkarnation russisch-türkischer Beziehungen, hat die Amerikaner letztlich dermaßen verstimmt.

Im vierten Jahr des importierten Syrien-Konflikts 2015 fingen türkische F16 Jets ein russisches Kampfflugzeug über syrischem Luftraum ab. Die Türkei die seit dem Ausbruch des Krieges ihre Grenze nach Syrien zum Schlupfloch für Jihadisten aus aller Herren Länder umfunktionierte, schickte gemeinsam mit den USA gewissen NATO-Staaten und Golfmonarchien diverse Terroristen-Fraktionen ins Rennen um die Assad Regierung zu stürzen.

Aus Sicht der Amerikaner lief zu diesem Zeitpunkt alles nach Plan in Syrien. Ein selbsternanntes Kalifat hatte sich im Osten breitgemacht, und mehrere strategische Städte wurden von bis an die Zähne bewaffneten Terroristen besetzt.

Und dann feuert  die Türkei auch noch einen russischen Kampfjet vom Himmel. Besser konnte es nicht laufen. Ganz nach Drehbuch! Erwartungsgemäß reagierte Moskau mit Vergeltungsmaßnahmen, und die diplomatischen und ökonomischen Beziehungen zwischen den jeweiligen Regierungen wurden auf Eis gelegt.

Damals waren die russischen Streitkräfte noch nicht voll in Syrien involviert, und die syrische Regierung war überfordert mit dem stetigen Zufluss an ausländischen Jihadisten.

Das Blatt wendete sich im September desselben Jahres. Der Präsident der russischen Föderation, Vladimir Putin, verkündete während der Generalversammlung der Vereinten Nationen 2015, das die initiierte Anarchie im Nahen-Osten zu einem Ende kommen muss, insbesondere in Syrien.

Während die halbe Welt darüber grübelte wie der Islamische Staat aus “heiterem Himmel” auftauchte und die USA nur vorgaben ihren kreierten Trojaner zu bekämpfen, machten die Russen Nägel mit Köpfen und hämmerten alles was nach Terroristen roch und aussah aus dieser Welt.

Der Wendepunkt war erreicht. Von nun an eroberte die syrische Armee und ihre Verbündeten, die verlorenen Städte und Gebiete zurück. Nach dem Verlust der strategischen Stadt Aleppo und dem anschließenden Exodus von Terroristen, wurde der Türkei bereits klar das die Sache in Syrien noch nicht gegessen war.

Die USA flirteten derweil mit ihrem altgedienten Alliierten den Kurden und besetzten östlich des Euphrats immer mehrere Gebiete, was den türkischen NATO-Alliierten etwas verstimmte.

Man könnte meinen um den USA subliminal einen auszuwischen hat Ankara sich 2016 besonnen, und demütig den ersten Schritt auf Russland zu gemacht.

Eine öffentliche Entschuldigung für das illegitime Abfangen des russischen Kampfjets, ebnete den Weg für die Reanimation der türkisch-russischen Beziehungen. Dies schmeckte den USA natürlich nicht, die lieber gesehen hätten das mit dem Vorfall eine weitere Eskalation einhergeht.

Ankara ging noch weiter und stimmte einer gemeinsamen Kooperation mit Russland und Iran zu, die unter dem “Astana-Format” beschlossen wurde. Die daraufhin etablierten Deeskalationszonen, ebneten den Weg zur Rückeroberung diverser Regionen.

Solange sich dies nur in Gebieten abseits des Nordens abspielte, schien sich Ankara damit abzufinden das Damaskus eine großen Teil des Landes wieder unter seine Kontrolle bringen wird.

Da sich nun die Jihadisten aus dem Norden verabschieden müssen, platzen viele der Ambitionen die mit Einverleibung des syrischen Nordens zu tun haben, aber dies ist eine andere Geschichte.

Der Lärm um die US-Unterstützung für die kurdischen Syrisch Demokratischen Kräfte (SDF, YPG, PYD, YPJ) wurde allmählich lauter. Ankara prangerte zu etlichen Anlässen die Kooperation mit “kurdischen Terroristen” an, und forderte von seinem NATO-Alliierten diese Aktivitäten zu revidieren.

Als die SDF mit Hilfe der US-geführten Koalition das IS-Kalifat in Rakka dem Erdboden gleichmachten und anschließend die Ruine übernahmen, manifestierte sich allmählich der Gedanke das die USA ein kurdisches Autonomiegebiet anstreben, wie im benachbarten Irak.

So hatte sich das die AKP-Regierung wahrscheinlich nicht vorgestellt, auch wenn sie zur Erstarkung kurdischer Milizen viel beigetragen hat. Doch einen weiteren kurdischen Staat an seiner Grenze, kann man der koalierten türkisch konservativen Partei MHP nicht verkaufen.

Wissend das die kurdische Sache genügend Potenzial in sich birgt um die gesamte Region ins Chaos zu stürzen, setzten die USA das Gerücht von einer aus kurdischen Milizen formierten Grenzkraft in die Welt.

Diese Einheit sollte an der syrischen Grenze zur Türkei patrouillieren, und für Sicherheit sorgen. Ankara nahm den Knochen dankend an, und fiel in der von YPG-Kräften  besetzten Stadt Afrin ein.

Washington lieferte seinen NATO-Alliierten den Grund schlechthin, um direkt militärisch zu intervenieren.

Im Nachhinein betrachtet könnte man davon ausgehen das der US-Flirt mit den Kurden mit der Türkei abgesprochen war, um den Syrien-Konflikt erneut eskalieren zu lassen.

Assad gewinnt diesen Krieg. Dies war eine weitere Maßnahme, um das unvermeidliche doch noch zu konterkarieren. Die nur einmal in der Öffentlichkeit angesprochene kurdische Grenzkraft, wurde nie wieder von den Amerikanern erwähnt.

Inmitten dieser Turbulenzen bekundete die türkische Regierung auch noch ihr Interesse an russischen Waffen. Insbesondere das S-400 Luftabwehrsystem hat es Ankara angetan. Einzelne Einheiten des hochentwickelten Systems sollen für die Türkei bereits in Produktion gegangen sein. Dieser Vorstoß veranlasste Washington die Auslieferung des F-35 Jets an die Türkei, vorerst auf Eis zu legen.

Die Äußerungen Ankaras nicht auf den Sanktionszug gegen den Iran aufzuspringen, um weiter zu guten Konditionen iranisches Öl zu erhalten, ist ein weiterer Punkt der den Amerikanern zuwider ist.

Washingtons Plan die Erdöleinnahmen des Irans zu nullifizieren hängt davon ab, ob alliierte Länder mitspielen. Sprich diese den Import von iranischem Erdöl einstellen. Die Trump Administration ließ diesbezüglich verlauten, das man sich nicht davor scheue Länder zu sanktionieren die die Geschäfte mit Teheran nicht einstellen. Dies gilt offenbar auch für die Türkei.

Pastor Andrew Brunson war lediglich der kleine Tropfen der das Fass zum Überlaufen brachte, und nicht der Hauptgrund für das Zerwürfnis zwischen Washington und Ankara.

Gestern ließ die Sprecherin des Weißen-Hauses, Sarah Huckabee Sanders, verlauten das unabhängig davon ob die Türkei zur Besinnung kommt und Brunson freilässt, man die Strafzölle und Sanktionen aufrechterhalten werde.

Somit untermauerten die USA das der Pastor nur Nebensache ist. Sanders hob hervor das die gegen die Türkei erhobenen Strafzölle auf Aluminium und Stahl Maßnahmen zur Wahrung der nationalen Sicherheit seien. Wow die Türkei ist also eine Gefahr für die nationale Sicherheit der USA? Ein NATO-Alliierter? Im Ernst?

Der US-Präsident Donald Trump ließ mit einem Tweet den türkischen Lira den Bach runter gehen.

Was die Türkei mit dem Importstopp diverser amerikanischer Waren beantwortete, darunter das Flagschiff von Apple das I-Phone. Auf lange Zeit wird Ankara den Druck Washingtons, jedoch nicht standhalten können.

Der ehemalige US-Diplomat und Analyst, Jim Jatras, ist ebenfalls der Auffassung das der inhaftierte Pastor nicht der Grund für die amerikanische Haltung vis a vis der Türkei ist. Jatras gegenüber RT:

Eins ist gewiss Trump und Erdogan sind zwei engstirnige Charaktere und von Nazismus geplagt. Ob und inwiefern dies Auswirkungen auf die Lage haben wird, wird sich zeigen. Womit die Türkei den USA einen Strich durch die Rechnung ziehen würde, wäre der komplette Abzug aus Syrien, die Schließung der Incirlik-Basis und der Austritt aus der NATO. Davon sind wir jedoch noch weit entfernt.

Der US-Präsident legte via Twitter nochmal nach und bestätigte nochmals das es für die Freilassung Brunsons kein Entgegenkommen geben wird. Ferner bezeichnete Trump den der Spionage und Beihilfe zum Terrorismus verdächtigten Pastoren, als “großartige patriotische Geisel”. Man werde die Türkei weiter beschneiden so,Trump

 

Verf.R.R.

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