Es brodelt im von der Türkei kontrollierten Norden Syriens- Das Jihadisten-Sammelbecken steht kurz vor der Implosion

Das an der Türkei angrenzende Gebiet im Norden Syriens, das seit dem Ausbruch des importierten Konflikts von der Erdogan-Regierung ins Auge gefasst worden ist um das türkische Territorium völkerrechtswidrig zu expandieren, ist seit dem Untergang diverser Jihadisten-Verbände im ganzen Land der einzig verbliebene Rückzugsort für salafistisch/wahabitisch ideologisierte Terroristen. Die News-Website Al-Monitor  (ALM) thematisierte dies in einem ihrer Artikel. Seitdem die syrische Armee kontinuierlich Gebiete von bewaffneten Oppositionellen zurückerobert und anschließende Evakuierungen tausende von Terroristen in Gebiete spülen, die unter dem Banner der fragwürdigen “Euphrates Shield“Operation von der Türkei erobert worden sind, verkommen diese Regionen zu Jihadisten-Reservaten. Offenbar scheint die prekäre und ernsthafte Risiken in sich bergende Lage, Ankara nicht zu beunruhigen, so Al-Monitor.

Seit dem 9.März seien ungefähr 70 000 Militante samt ihren Familien aus Ost-Ghouta expelliert worden um in der von der Türkei kontrollierten Al-Bab-Azaz- Jarablus Triangel unterzukommen, oder im von türkischen Truppen unter “Beobachtung” stehenden Idlib, ansässig zu werden.

Neben den Jihadisten und Familienangehörigen der Fraktionen, Hayat Tahrir-al-Sham, Ahrar al-Sham und Faylaq al-Rahman sollen 48 000 Personen aus Kreisen der Jaish al-Islam, darunter 8000 Kämpfer transferiert worden sein, so ALM.

Einem UNO-Bericht zufolge seien 48 222 Personen der aus OSt-Ghouta expellierten Jihadisten-Verbände,  nach Idlib verfrachtet worden und 7395 sollen nach Jarablus gegangen sein. Die jüngsten Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) lauten das 67 000 Menschen aus den Ortschaften Zamalka, Arbin, Jobar, Harasta und Douma nordwärts gezogen seien. Die aus Ost-Ghouta verbannten Jihadisten und ihre Familien die sich in Bussen in den Norden begaben, sollen derweil in Zeltlagern, Moscheen, Schulen oder unvollendeten Gebäuden unterkommen. Türkische humanitäre Hilfsorganisationen kündigten an sie würden Zeltlager in der Umgebung von Idlib errichten. Mitglieder der Jaish al-Islam sollen in einem Camp in Jarablus verweilen.

In den vergangenen ein und halb Jahren sind Zehntausende Militante aus Aleppo, Homs, Hama, dem ruralen Damaskus und der  Libanon-Syrien Grenze, in verschieden Teilen von Idlib ansässig gemacht geworden. In der Niederlassung dieser Terroristen-Gruppierungen- in Landesteilen die unter der Kontrolle oder dem Einfluss der Türkei stehen, sehen einige ein Taliban/Al-Qaida-Emirat in seiner Entstehung. Einige Beobachter merkten an, das die Grenzprovinzen der Türkei sich in ein türkisches Peschawar (Pakistan) verwandeln würden, so Al-Monitor.

Die News-Website warf in ihrem Artikel die interessante Frage auf was die Türkei gedenkt mit diesen Haufen von Jihadisten anzustellen? Einige Gruppierungen seien zwar unter dem Namen der syrischen Nationalarmee organisiert worden, und fungierten als Milizen der türkischen Armee. Doch wohin werden sich die angezüchteten Militanten begeben, wenn die syrische Armee diese Region zurückerobern wird. Die Forderung an die Türkei die Kontrolle über Afrin an die Assad-Regierung zu übergeben, wies Ankara zurück und deklarierte das es entscheide wann es Afrin verlassen werde, und wem die Kontrolle übergeben werden soll. Die Türkei sagt das es keine Besorgnis hinsichtlich dieser Gruppierungen gäbe, da sie sie kontrollieren würde.

Al-Monitor warf ein Licht auf die eigentlichen türkischen Absichten mit dem Jihadisten-Pool vor der Haustür. Sieht Ankara diese Terror-Verbände als temporäre Elemente, um der Türkei ihre Präsenz in Syrien zu begünstigen? Oder gedenkt die Türkei das sie diese Verbände erneut aufbieten könnte, um das syrische “Regime” zu bekämpfen falls die Bedingungen es erfordern würden? Oder wird die Türkei den Stecker ziehen, und die Unterstützung zu den Terror-Verbänden einstellen, sobald sie ihre Partnerschaft zum Iran und Russland konsolidiert? Hat die Türkei von den Erfahrungen anderer Länder gelernt, die ähnliche Situationen überlebten? Die Unklarheit über die potenzielle Ballung von Jihadisten an der türkischen Grenze, setzt sich solange fort, wie die Türkei ihre Unentschlossenheit demonstriert, hieß es.

Aus dem Artikel geht hervor das aufgrund der Evakuierung aus Ost-Ghouta neue Risiken entstanden seien. Demnach könnten die Spannungen zwischen rivalisierenden Terroristen-Gruppierungen eskalieren, da neue Jihadisten-Verbände in der Region eintreffen. Dies an und für sich würde der Türkei strake Kopfschmerzen bereiten, so ALM.

Die meisten aus Ost-Ghouta expellierten islamistischen Terror-Fraktionen standen ohnehin schon untereinander im Clinch. In Zusammenstössen nach 2016 bekämpften die HTS und Faylaq al-Rahman gemeinsam die Jaish al-Islam, die den einzigen Korridor mit Zugang zu Ost-Ghouta kontrollierte. Inzwischen prallen die HTS und Faylaq al-Rahman auch aufeinander, obwohl Qatar beide Terroristen-Fraktionen finanziell unterstützt. Nun bekämpfen sich die Al-Qaida Ableger HTS und Ahrar al-Sham in Idlib. Um die HTS anzufechten, die vor Ort die dominierende Kraft ist, haben sich die Gruppierungen  Ahrar al-Sham, die Nureddin Zenki Brigade und Shuqur al-Sham vereint, um die Syrische Befreiungsfront zu formieren, hieß es. Die Zusammenstösse zwischen der neuen Fraktion und der HTS in Maarat al-Numan, Jabal al-Zawiya und Hon Seyhun sollen beispiellose Ebenen erreicht haben.

ALM zufolge sei die unerwünschteste Organisation in Idlib die Jaish al-Islam, die erhebliche Probleme mit anderen Verbänden haben soll, die vermutlich in Verbindung mit Saudi-Arabien stehen. Während den harten Verhandlungen zur Entscheidung in welchen Gebieten in Idlib wer untergebracht werden sollte, sei die Spannung spürbar gewesen. Als Abhilfe ist die Türkei während den Verhandlungen davon überzeugt worden, Jarablus als alternativen Zielort freizugeben. Elemente der Ahrar al-Sham , Faylaq al-Rahman und HTS sollen problemlos in der von der Türkei kontrollierten Euphrates Shield Region untergekommen sein, doch von den ankommenden Militanten der Jaish al-Islam sollen die Türkischen Soldaten die leichten Waffen konfisziert haben, die ihnen die Russen nach den Verhandlungen ließen.

Al-Monitor wies darauf hin das die Jaish al-Islam im Norden des Landes nicht präsent ist, und es bevorzöge in den Süden transferiert zu werden. Stattdessen ist sie an die Grenze der Türkei abgeschoben worden. Eine Stellungnahme in den sozialen Medien von der Jaish al-Islam listete drei Probleme zwischen ihr und der Türkei auf : Die Ursprünge der Jaish al-Islam gehen auf die salafistische Schule zurück- eine ultrakonservative Sparte des Islams die generell in der Türkei denunziert wird; die Gruppierung verweigert sich der Kontrolle von anderen Kräften zu unterwerfen, inklusive der Türkei; und sie stellt eine Bedrohung für die Alliierten der syrischen Regierung Iran und Russland dar.

Obwohl die Ahrar al-Sham und die HTS gewaltsam von der Jaish al-Islam angefochten werden, haben sie ebenso Salafismus in ihren ideologischen Wurzeln, der Konflikt geht eigentlich um saudischen Wahabismus. Obgleich der politische Anführer der Jaish al-Islam, Mohammed Alloush, in Istanbul residiert, wird er nicht als von der Türkei kontrolliert eingestuft, aufgrund seiner Verbindungen zu Saudi-Arabien. Alloush verkündete jüngst das seine Gruppierung sich nicht an Konflikten in Idlib beteiligen würde, so Al-Monitor.

Laut ALM würde eine logische Analyse der Lage verlauten lassen, das eine Evakuierung von neuen Militanten nach Idlib lediglich bedeute, das die dortig operierenden in ihrer Rivalität um die Macht ringenden bewaffneten Gruppierungen, ihre Ränge verstärken. Die Standpunkte der HTS und Faylaq al-Rahman seien generell bekannt, es sei hingegen nicht klar welche Position die Jaish al-Islam beziehen werde, da sie in Ost-Ghouta mit der HTS kooperierte. Ob sie dasselbe in Idlib tun wird?

Sie könnte sich für einen praktischen Ausweg entscheiden, und sich in die von der Türkei formierte Syrische Nationalarmee einschreiben, so die News-Website.

Die Türkei kontinuiere ihre Umarmung von Jihadisten-Gruppierungen und schätze sich als einen fairen Sponsor ein. Die Türkei versuche sogar die Terroristen zum moderaten Islam zu konvertieren. Jedoch würden es radikale Elemente generell bevorzugen unabhängig zu bleiben, wenn sie in die moderate Richtung gedrängt werden. Dies ist ein endloses Spiel das die Türkei mit den Radikalen da spielt, und die Türkei scheint es zu genießen.

Verf.R.R. Quelle: Al-Monitor

 

 

 

 

 

 

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