Ukraine-Krieg: USA und NATO sitzen auf dem Trockenen. Waffenarsenale leergefegt. Kiew sieht düsteren Tagen entgegen. (Op-Ed)

Ein Tag in der Ukraine, ist ein Monat oder mehr in Afghanistan.“ Diese Aussage traf, Camille Grand, Sicherheitsexperte beim European Council on Foreign Relations, jüngst gegenüber der US-Tageszeitung, New York Times (NYT), als er den Artillerieverschleiß der jeweiligen Kriegsschauplätze miteinander verglich.

Die vagen Innuendos betreffend der andauernden Abnutzungsschlacht, müssen allmählich den ungefilterten Tatsachen weichen. Kurzum der unentwegte raffgierige Schrei nach unendlicher letaler Hilfe, wird zeitnah im tosenden Kugelhagel verhallen, weil die westlichen Waffenschieber schier auf dem Trockenen sitzen. Zur Vergegenwärtigung der sich daraus ergebenden Lieferprobleme erörterte die NYT:

„Im vergangenen Sommer verfeuerten die Ukrainer in der Donbass-Region alltäglich 6000 bis 7000 Artilleriegeschosse, so ein NATO-Vertreter. Die Russen dagegen 40 000 bis 50 000 Granaten.

Zum Vergleich. Die USA produzieren monatlich nur 15 000 Geschosse.“

Do the math!

Mark F. Cancian, Berater für den Think Tank Center for Strategic and International Studies (CSIS), kalkuliert, dass die Aufstockung der Produktionskapazitäten für unabdingbares Kriegsgerät, wahrscheinlich Jahre beanspruche:

Falls man die Produktion von 155 mm Mörsergranaten ankurbeln will, werden vier oder fünf Jahre ins Land ziehen, ehe die Endprodukte verfügbar wären,“ so Cancian.

Trotz der rapide zum Erliegen kommenden Arsenale, autorisierte die Biden Administration für 2022 über 1,1 Millionen Haubitzengranaten, die an Kiew gehen sollen. Angesichts der darbietenden Knappheit, wird die tatsächliche Anzahl gelieferter Einheiten wahrscheinlich weitaus geringer ausfallen. Nichtsdestotrotz ergäbe die 1 Million heruntergebrochen auf das russische Pensum, lediglich einen kurzatmigen zwanzigtägigen Feuersturm. Mit anderen Worten die Russen verfeuern binnen 20 Tagen so viele Geschosse, wie die USA für weniger als ein Jahr Krieg vorsahen . Gleichwohl der britische Geheimdienst doch mehrfach prädizierte, dass dem Kreml schon längst die Munition und Waffen ausgegangen sein sollten.

Also wenn Uncle Sam bereits ins Straucheln gerät, was meinen Sie wie es bei den europäischen NATO-Vasalen ausschaut? Richtig, ebenso brach, wie es die NYT in ihrem Artikel schildert. Es ist schlichtweg ein halsbrecherischer Drahtseilakt die geplünderten Waffenarsenale der NATO aufzufüllen und zeitgleich die Ukraine am Tropf zu halten. Ein offensichtlich nicht zu bewältigendes Unterfangen.

Seit dem Start der speziellen Militäroperation betonte Russland nachdrücklich, dass die Entnazifizierung und Demilitarisierung der ukrainischen Junta das Hauptziel der Mission sei. Und wenn man sich die Verluste der Ukrainer vergegenwärtigt, die sich laut Von der Leyen auf über 100 000 gefallene Soldaten belaufen sollen, scheint es für Moskau wie am Schnürchen zu laufen.

Frenetisch zelebrierte Geländegewinne, die aus taktischen Rückzügen der Russen resultieren, können nicht über das eigentliche Wesen dieses Krieges hinwegtäuschen. Es ist eine blutige unerbittliche Abnutzungsschlacht. Last Man Standing. Und für die Ausrottung des jeweiligen Feindes, bedarf es den ständigen Kontakt. Sprich die kontinuierliche Verwicklung in Kampfhandlungen. Aus Sicht Moskaus ist die suizidale Aufopferung der Ukrainer schier begrüßenswert. Solange der russische Fleischwolf täglich 300 bis 1000 Ukrainer verschlingen kann. Go on!

Die 9 zu 1 Unterlegenheit in Sachen Feuerkraft, offenbart das Ungleichgewicht des militärischen Kräftemessens. Die Russen verfeuern 50 000 Artilleriegranaten nicht spaßeshalber. Ergo werden allerhand militärische Ziele erfasst. Objekte und Truppen. Ferner verheißt dieses Verhältnis, dass sich Kiew im Hinblick auf die Verluste der Gegenseite hinreichend Mumpitz zusammenspinnt.

In dieser Momentaufnahme des Krieges, ist es nach unserem Dafürhalten kaum vorgegriffen von einer etwaigen Entmilitarisierung der NATO zu sprechen. NATO-Waffenarsenale erschöpft; Produktionskapazitäten kaum aufstockbar. Keine rosigen Aussichten für die Unterhaltung eines jahrelangen Krieges. Wohingegen Moskau entgegen allen nachrichtendienstlichen Fantastereien offenbar auf Bergen von Munitionen zu sitzen scheint. Der Einsatz von Kriegsgerät aus Sowjetbeständen, macht sich scheinbar bezahlter, als sich so mancher befangener „Militärexperte“ eingestehen will. Etwaig verfügen die Russen über Milliarden Artilleriegeschosse und noch mehr. Die Stalinorgeln spielen dieselbe tödliche Melodie, wie im zweiten Weltkrieg. Unnachgiebig. Und solange das Material seinen letalen Zweck erfüllt, kann es ruhig aus der Steinzeit stammen.

Ein weiterer Aspekt ist ebenfalls bemerkenswert. Der Ukraine-Krieg hat wenig mit Modern Warfare am Hut. Abgesehen von der Drohnen-Komponente und dem Einsatz hochentwickelter Überwachungstechnologie, handelt es sich um einen klassischen Krieg. Grabenkämpfe, Artillerie-Duelle, Manöver etc. Viele US-Militärexperten sagen, dass die US-Army und NATO-Verbände diese Art von Kriegsführung kaum mehr schulen. Verkürzte Crashkurse zur Ausbildung ukrainischer Soldaten in Großbritannien etwa, produzieren nur weiteres Kanonenfutter. Dementsprechend ist die Resilienz Kiews kaum mehr geboten.

Hinzu kommt die andauernde Eradikation der kritischen Infrastruktur. Stück für Stück nimmt Russland dem Selenskyj-Regime seine Fähigkeit Himmelfahrtskommandos zu entsenden . Ein offenbar bewusst von Russland erwünschter langsamer schmerzvoller Prozess, der etliche geopolitische Umwälzungen mit sich bringt.

Wie gesagt, womöglich wittert der Kreml seine einmalige Chance der NATO eine blutige Nase zu verpassen und sie in die Knie zu zwingen. Nach der Auflösung des Warschauer Paktes, hätte das sogenannte Verteidigungsbündnis eigentlich nachziehen sollen. Doch die Perestroika und damit einhergehende Chancen Russland zur amerikanischen Kolonie zu schlagen, ermutigten Uncle Sam die NATO-Osterweiterung unermüdlich voranzutreiben. Der Plan Russland zu unterwerfen scheiterte. Putin übernahm das Zepter und macht seither keinen Hehl daraus bei Überschreitung gewisser Grenzen die Waffen sprechen zu lassen. Tschetschenien und Georgien, sind ein Manifest für den Tatendrang des russischen Staatsoberhauptes.

Fast Forward. Tausende Warnungen Moskaus vom kollektiven Westen in den Wind geschlagen später, befinden wir uns in einem Krieg inmitten Europas. Unprovoziert? Überfallen? Mitnichten! Eher heraufbeschwört und forciert. Machen wir uns nichts vor, auch wenn insbesondere hiesige Medien und Regierungsvertreter ihre Audienz vom Gegenteil überzeugen wollen. Es ist eine reine Farce, die der Öffentlichkeit minutiös aufgebrummt wird.

Erst neulich besuchte ein Welt-Reporter den ob seiner mit Nazis sympathisierenden Aussagen aus Deutschland abberufenen ehemaligen ukrainischen Botschafter, Andrij Melnyk, und joggte mit Letzteren gemeinsam durch Kiew. Während des Dialogs behauptete Melnyk, dass die Rückeroberung der annektierten Gebiete einschließlich der Krim, ausschließlich von westlichen Waffenlieferungen abhinge. Dann stünde der unweigerliche Sieg bevor, so Melnyk. Ohne seinen halluzinierenden psychedelischen Astralreisen ihren amüsierenden Glanz rauben zu wollen, hätte man ihm dennoch nahelegen müssen, dass Munition und Waffen nicht auf den Bäumen wachsen. Und demnach die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Capice? Also fadenscheinge Heldengesänge und damit verknüpfte Forderungen das Unmögliche möglich zu machen, werden nichts an dem tatsächlichen Kriegsverlauf und Ausgang ändern.

Melnyk, der für unsere andauernde Twitter-Sperrung vermutlich mitverantwortlich ist, scheint hingegen nicht so siegessicher zu sein. Schließlich ließ er seine Familie in Deutschland zurück. Den rechten Sektor, Svoboda, Asow, Das Fundament der Zukunft und andere rechtsextreme ultranationalistische Kräfte, die offenkundig Morddrohungen aussprechen, im Nacken zu sitzen zu haben, wird bei der Entscheidung keine untergeordnete Rolle gespielt haben. Darüber hinaus schwärmte Melnyk von der Bewaffnung der Zivilbevölkerung, obgleich laut Kriegsrecht Zivilisten legitim als militärische Ziele einzustufen sind, sobald sie sich an Kampfhandlungen beteiligen. Insofern ist seine ungemein einstudiert wirkende Bestürzung über „Zivilopfer“, scheinbar nicht für voll zu nehmen.

In Anbetracht Kiews politischer Konstellation, ist die ukrainische Bevölkerung schier bedauernswert. Selenskyj betonte mehrmals, dass die Waffen nicht gestreckt würden, ehe der letzte Ukrainer gefallen ist. Augenscheinlich wird der selbstzerstörerische Kollisionskurs vorerst beibehalten und unweigerlich mit der totalen Vernichtung der Ukraine aufwarten.

Es ist fünf nach zwölf die Luftschlösser einzureißen und zur Besinnung zu kommen. Die unmittelbare Aufnahme von Verhandlungen ohne illusorische Vorbedingungen, sollte augenblicklich vonstatten gehen. Jedwede Hinauszögerung hat umso negativere Auswirkungen auf die zukünftige physikalische Grenzziehung . Welche Überbleibsel dann noch als „Ukraine“ gelten, wird sich zeigen. Doch gewissenhaft kann prognostiziert werden, dass die blaugelbe Gloria ihr Dasein lediglich als rump State erfüllen wird. Die Gretchenfrage hierbei ist welches Ausmaß die unaufhaltbare Schrumpfung letztendlich annehmen wird. Und wenn, wie weiter oben beschrieben, der große Manitu und sein Kriegerstamm bereits unverhohlen anmerken, dass sie waffentechnisch sehen müssen wo sie bleiben und der Gegner dagegen haushoch überlegen ist, werden die territorialen Einbuße voraussichtlich immens sein. Time will tell!

Aut.R.R.

5 Kommentare

  • „Die unmittelbare Aufnahme von Verhandlungen ohne illusorische Vorbedingungen, sollte augenblicklich vonstatten gehen.“ – Ein hehrer Wunsch oder doch nur Traum? Ist es überhaupt möglich, sich mit Faschisten zu „vertragen“? Gern wird behauptet, man könne mit ihnen nicht einmal reden. Der Hintergrund dürfte der sein, dass Faschisten derart ängstliche Menschen sind, dass sie auch zur Verdeckung dessen so aggressiv agieren. Worte, auch ihre eigenen, können sie nicht achten, sind Schall und Rauch, wenn sie denn nur ihrer Aggressivität im Wege stehen.
    Ich halte es für einen weiteren Fehler Putins zu meinen, man könnte das Ukro-Geschwür eindämmen, etwa nur im Donbass. Nein, Hitler ließ auch bis zum letzten Mann, ja Kind, der letzten Patrone kämpfen. Die Aggressivität richtet sich nicht nur nach außen, sondern wird – letztlich – zur Selbstzerstörung führen (müssen).
    Und die Ukraine kann in diesem Zerfall als ein Modell für die – kapitalistische – Welt gelten, deren Untergang, den Putin gedanklich vielleicht auch noch nicht erfasst hat.
    Sozialismus statt Barbarei.

  • Der Autor des Artikels offenbart seine Inkompetenz. Nirgendwo kann er darlegen woher seine Zahlen überhaupt kommen sollen. Alleine die angeblich 60.000 Artilleriegrananten pro Tag von russischer Seite kann er nicht adäquat belegen. Auf was feuern die Russen denn angeblich die ganze Zeit und wenn es permanent diese zehnfache Feuerkraft gibt, warum müssen diese sich zurückziehen. Mit wieviel Haubitzen wird denn geschossen, wieviel Mann bedienen diese und wie sieht die Logistikhandhabung hierfür eigentlich aus?
    Von ukrainischer Seite wird nicht nur NATO—Kaliber 155mm verschossen, sondern auch andere Kaliber. Desweiteren liefern nicht nur die USA Munition, sondern auch die anderen Staaten (die USA haben angeblich 20% ihrer Bestände bislang geliefert). Die NATO und andere assoziierte Staaten (Finnland, Schweden, Taiwan, Südkorea und Japan) können prinzipiell noch jahrelang Munition liefern, wahlweise kann natürlich auch die Munitionsproduktion hochgefahren werden. Das müssen eben nicht die USA sein, sondern eben auch andere Staaten. Alleine Finnland kann nach NATO—Beitritt einen Teil seiner Bestände leerräumen. Diese haben aus NVA—Beständen riesige Mengen neben den Haubitzen erhalten.
    Da heulen die Russen rum, weil sie mittlerweile auch im Inalnd beschossen, auf der Krim und Donetsk beschossen werden und dann so eine billige Propaganda.

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