Kreml erwähnt mit keinem Wort Kernwaffeneinsätze. Wohingegen kollektiver Westen am Rad dreht. False Flag imminent? Desensibilisierung für präventiven Erstschlag? (Op-Ed)

Das nukleare Säbelrasseln nimmt mittlerweile ohrenbetäubenden Lärm an. Und entgegen der trügerischen Auffassung, der Kreml stünde unmittelbar davor alle Register zu ziehen, suggeriert das ausufernde atomare Innuendo des kollektiven Westens, dass eher Letzterer das Ende aller Tage herbeisehnt.

Als Liz Truss, die Premierministerin mit der kürzesten Amtszeit in der britischen Geschichte, unmittelbar vor ihrem sechswöchigen Einzug in die Downing Street No. 10 im Rahmen des parteiinternen Auswahlverfahrens gefragt wurde, ob sie imstande sei einen Nuklearkrieg loszutreten, erwiderte sie wie aus der Pistole geschossen: „Ich bin bereit dazu.“ Für jene Aussage erntete sie von versammelter Torie-Wählerschaft eifrigen Beifall.

Ebenso unverblümt drückt sich derweil der geistig umnachtete und dennoch das Oval-Office okkupierende US-Präsident aus. Joe Biden warnt seinen russischen Amtskollegen unentwegt davor den roten Knopf zu drücken und kombiniert sein radioaktives Gebrabbel neuerdings mit theologischer Schwarzmalerei, wie etwa die Johannes Offenbarung verheißen lässt. Laut dem „Führer der Freien Welt“ sei das „Armageddon“ so imminent, wie lange nicht mehr. Insgesamt verfeuerte das Weiße-Haus in jüngster Zeit unzählige verbale Warnschüsse, die anlässlich aus dem Kontext gerissener und verklärter Aussagen des russischen Präsidenten erfolgt sein wollen.

So mancher westlicher Politiker und Medienschaffender, tendiert dazu in Putins Ansprachen allerhand Bereitwilligkeit zur Eskalation hineinzulesen. Verhält es sich wirklich so, oder reagieren einige ohnehin voreingenommene Meinungsmacher schier über?

Bei näherer Betrachtung Putins angeblich jüngster „nuklearer Drohung“, sucht man als objektiver Beobachter vergebens nach der allenthalben verschrienen Explizität. Das russische Staatsoberhaupt verlor kein Wort über den Einsatz von Kernwaffen. Er erinnerte seine vor Wut schäumenden „westlichen Partner“ lediglich daran, dass alle „notwendigen Maßnahmen ergriffen“ würden“, um Russland zu verteidigen.

Zumal auch hierzulande einige politische Entscheidungsträger der festen Überzeugung sind, den Russen geriete „die Kampfmoral“ abhanden und gingen zeitnah „Munition und Waffen aus“, schließt man etwaig auf substanzlose Einschätzungen, die prädizieren das der Kreml angesichts einer „bevorstehenden Niederlage“ gewillt sei, die Ultima Ratio zu ziehen. Die vorwiegend auf Wunschdenken fußenden Assessments, zielen womöglich mitunter darauf ab den Kriegsschauplatz Ukraine für eine strahlenverseuchende False-Flag zu bestellen. Der angeblich von russischer Seite aufgedeckte Plan des Selensky-Regimes eine schmutzige Bombe zünden zu wollen, nährt diese Vermutung ungemein.

Russland weist bislang alle „unhaltbaren“ Vorwürfe den dritten Weltkrieg vom Zaun brechen zu wollen kategorisch zurück, und insistiert sich strikt an seine nukleare Doktrin zu halten. Die über die nukleare Abschreckung hinaus folgende vier Szenarien voraussetzt, um einen Atomschlag durchzuführen.

. Der Erhalt vertrauenswürdiger Informationen über einen Angriff mit ballistischen Raketen gegen Russland

. Der Einsatz nuklearer und anderer Massenvernichtungswaffen gegen Russland.

. Die Beeinträchtigung von Objekten, derer Ausfall eine Unterbrechung der Reaktionsfähigkeit der Nuklearkräfte zufolge hat.

. Eine gegen Russland gerichtete Aggression unter Einsatz konventioneller Waffen. Falls die bloße Existenz des Staates bedroht ist.

Also ehe Moskau sich genötigt sieht in einigen NATO-Entscheidungszentren Europas Atompilze hochzuzüchten, muss noch Einiges passieren. Ferner sollte die fahrlässige Unterschätzung der Russen umgehend ein Ende finden. Wir haben diesen Fakt in unseren themenbezogenen Artikeln mehrfach angemerkt. Nur weil Russland es im Gegensatz zur US-amerikanischen Kriegsführung eher gemächlich angehen lässt, heißt dies nicht das Ersterer nicht in der Lage dazu ist, Kiew dem Dresden oder Rakka der unmittelbaren Nachkriegstage nachzuempfinden. Güte nie mit Schwäche verwechseln, lautet das unerlässliche Kredo.

Was bis dato in der Ukraine an russischen Waffen zum Einsatz kam, widerspiegelt bei weitem nicht das verfügbare Arsenal. Da wären beispielsweise Hyperschallraketen oder thermobare Waffen, die in Nullkommanix ganze Wohnsiedlungen dem Erdboden gleichmachen. So gehen übrigens die US-Streitkräfte vor. Es regnet eines guten Tages Flugblätter, auf denen geschrieben steht, dass Zivilisten 48 Stunden haben um zu fliehen. Und nach Ablauf des Ultimatums wird ohne Rücksicht auf Verluste eine Marslandschaft hergerichtet. Siehe die jüngsten Exempel, Mosul im Irak und Rakka in Syrien.

Die andauernde luftgestützte Dezimierung der Strom und Wasserzufuhr in der Ukraine, entfaltet noch nicht gänzlich seine Wirkungskraft. Es bedurfte lediglich ein paar Dutzend Marschflugkörper und Kamikaze-Drohnen, um 40% des ukrainischen Stromnetzes lahmzulegen. Nichtsdestotrotz will der kollektive Westen auch jene Machtdemonstration als ein Zeichen von Schwäche sehen. „Weil der desperate Putin auf dem Schlachtfeld keine Chance mehr hat, muss er so vorgehen“ so einige unglaubwürdige Verlautbarungen inkompetenter „Militärexperten“. Was hingegen mitnichten die Tatsache entkräftet, dass Russland offenbar ohne viel Aufhebens die kritische Infrastruktur im Nachbarland vollständig ausradieren könnte.

Vor diesem Hintergrund erschließt sich schier nicht weswegen Russland überhaupt in Erwägung ziehen sollte eine taktische Nuklearwaffe einzusetzen. Darüber hinaus hält die zweitgrößte Atommacht offenbar nichts mehr vom Gleichgewicht des Schreckens ( Mutual assured destruction (MAD). Die erst neulich veröffentlichte nationale Verteidigungsstrategie der USA, hält sich die Präventivoption offen konventionelle Angriffe nuklear zu vereiteln. Der Erstschlag ist selbstverständlich weiterhin fest verankert.

Washington strebt nicht erst seit gestern eine nukleare Vorrangstellung an, derer Gelingen hingegen von geographischen Umwälzungen abhängt. An dieses Vorhaben ist ein Plan geknüpft, um das Vermögen zu erlangen den ultimativen Erstschlag durchzuführen, sodass Russland keine Zeit mehr bleibt vergeltende Atomraketen auf Kurs zu bringen. Demzufolge ist eine Positionierung von Kernwaffen unweit der russischen Föderation unabdinglich. Das alternative online Portal, Southfront, wies unlängst darauf hin, welches Land neben der Ukraine dafür infrage käme.

„Hinter diesem Plan steckt eine Geschichte. Und die Entscheidung diesen umzusetzen, scheint ungefähr 2006 getroffen worden zu sein. Als die beiden prestigeträchtigsten akademischen Journale mit dem Schwerpunkt nationale Sicherheit, Foreign Affairs und National Security, vorschlugen ( wenngleich äußerst taktvoll) das Konzept ( eigentlich Metastrategie) des “ Gleichgewicht des Schreckens“ (M.A.D.) ( das nukleare Waffen nur existieren, um den dritten Weltkrieg zu verhindern) zu verwerfen und durch die neue US-Metastrategie der nuklearen Vorherrschaft zu ersetzen, die besagt das Amerika Kernwaffen gebrauchen wird, um einen nuklearen Krieg, den dritten Weltkrieg gegen Russland zu gewinnen. Ursprünglich sollten die Raketen in der Ukraine positioniert werden. Doch zumal dies immer unwahrscheinlicher erscheint, wird voraussichtlich Finnland ( die zweit nächstgelegene Nation zum Kreml ) diese Funktion übernehmen ( sollte der türkische Präsident Finnland in der NATO willkommen heißen. Was die folgenreichste Entscheidung sein wird, die er je traf.)

Der Kreml achtet seit Kriegsbeginn pedantisch darauf nukleare Drohgebärden auszusparen. Wohingegen der NATO-Kosmos augenscheinlich allerhand Anstrengungen unternimmt, um die Öffentlichkeit für Kernwaffeneinsätze zu desensibilisieren.

Uncle Sam will den Krieg, der nur Verlierer hervorbringt, unbedingt für sich entscheiden. Ein Grund mehr für Russland, die aktuelle nicht einvernehmliche europäische Sicherheitsarchitektur umzustrukturieren. Moskau wird in seinem Hinterhof keine Nuklearraketen tolerieren und alles in seiner Macht stehende tun, dies zu unterbinden. Und wer diese kompromisslose Einstellung nicht nachvollziehen kann, der sollte die Ursachen der Kubakrise nachschlagen.

Aut./Übers. : R.R.

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