Die Taliban back im Business… Was kommt nach Machtübergabe an Terror-Miliz? Saudi-Arabien- 2.0? (Op-Ed)

Seit ihrer „Machtübernahme“ haben die Taliban ihre Hals über Kopf von Dannen gezogenen Kriegsgegner nachdrücklich brüskiert. Uncle Sam anhand einer Militärparade, auf der ergatterte Kriegstrophäen präsentiert wurden, unter die Nase zu reiben, dass die Terror-Miliz nunmehr im Besitz von US-Militärgerät im Wert von ungefähr $30 Milliarden ist, kann als bildgewaltiger Schachzug gewertet werden.

Derartige martialische Inszenierungen dürften den Finger auf die Wunde legen und in US-Militärkreisen nie dagewesene Schamgefühle hervorrufen. Im Internet kursierten vor einigen Tagen nicht verifizierte Bilder und Videos, die angeblich zeigen wie US-Soldaten in aller letzter Minute Kriegsgerät außer Gefecht setzen und untauglich machen. Im Militärjargon nennt man diese von Verzweiflung zeugende Aktion „Scorched Earth“. Wenn der Befehl dazu erteilt wird, heißt es, dass der Feind unmittelbar davor steht einzurücken und demnach so wenig wie möglich Kriegstrophäen überlassen werden sollten.

Doch bei $30 Milliarden kommt einiges an Waffen zusammen und sofern dürfte man nicht allzu viel verbrannte Erde hinterlassen haben. Die abrupte Evakuierung und Flucht aus Kabul hat aufgezeigt, dass die Amerikaner viel mehr damit beschäftigt waren das VIP-Personal, wie CIA-Operateure und hochrangige Militärs außer Landes zu schaffen. Nach dem offiziellen Narrativ sei in der afghanischen Hauptstadt ein unkontrolliertes Chaos ausgebrochen, da die amerikanische nachrichtendienstliche Gemeinschaft das Unheil nicht kommen sehen haben will.

Diesen Schuh wollte sich der Geheimdienstapparat jedoch nicht anziehen und wies die Schuldzuweisungen kategorisch zurück. Vielmehr soll die amtierende US-Regierung sämtliche dahingehenden Warnungen in den Wind geschlagen haben. Man wollte schier nichts davon wissen, dass die unweigerliche Übernahme durch die Taliban imminent sei, so der nachrichtendienstliche Tenor.

Auch wenn das Weiße Haus erwägt den Schwarzen Peter der vaporisierten afghanischen Armee, ihrer Regierung, der Trump-Administration, oder ihrem eigenen Geheimdienst zuzuschieben, nähren einige Entscheidungen Washingtons eher den Verdacht, dass Ersterer die Dramaturgie in Kabul bewusst orchestriert hat.

Beispielsweise wären die US-Kräfte am Internationalen Flughafen von Kabul nicht ins Hintertreffen geraten, wenn Washington nicht bereits im Juli den abrupten Abzug von der Bagram Luftbasis angeordnet hätte . Stünde dieser US-Stützpunkt noch weiter zur Verfügung, um den Evakuierungsprozess durchaus entspannter abzuwickeln , wären die chaotischen Zustände in Kabul weitgehend vermieden worden und die 13 US-Soldaten, die bei dem Bombenanschlag am Flughafen in der afghanischen Hauptstadt unnötig draufgingen, wahrscheinlich noch am Leben.

Ferner steht der schwerwiegende Vorwurf im Raum, dass die Biden-Regierung die afghanische Luftwaffe sabotiert habe, indem die ausschließlich von amerikanischen Mechanikern durchführbare Instandhaltung der Fluggeräte verwährt wurde und man gleichzeitig US-Luftschläge gegen Taliban-Ziele auf das minimalste reduzierte. Ohne das notwendige Know-How, um das überlassene Militärgerät handhaben und reparieren zu können, ist jede Armee untauglich. Sei sie auch noch so von Kampfeswillen und Mut erfüllt.

Diese und andere Gesichtspunkte deuten auf eine ungeschickt eingefädelte Machtübergabe hin. Es sieht ganz so aus, als ob Washington diesen Kollaps wollte. Wie gesagt die Taliban haben dankend angenommen und unterdessen bereits ein Regierungskabinett zusammengestellt. Wie sich von selbst versteht ausschließlich aus Männern bestehend und mit Taliban-Akteuren bestückt.

Darunter gar Vertreter des berühmt berüchtigten Haqqani-Netwerks. Zielpersonen die ganz oben auf der FBI-Most-Wanted-Liste stehen. Wie etwa der soeben ins Amt berufene afghanische Innenminister,  Sirajuddin Haqqani, der Sohn des Gründers der gleichnamigen Terroristen-Gruppierung. Dessen Kopfgeld das FBI jüngst von 5 auf $10 Millionen erhöht hat.

Solche Personalentscheidungen sollten den geflohenen Koalitionskräften signalisieren, dass die nunmehr Afghanistan beherrschenden Schergen kaum an einem Imagewandel interessiert sind. Nicht einmal an einer scheinheiligen medial transportierten Scharade. Nein solche Moves sind in your face! Ohne Sentimentalität!

Auch hierzulande versuchen Politik und Medien das Debakel am Hindu Kusch, weitestmöglich zu relativieren. Mitunter vernimmt man Untertöne, die erwägen der heimgekehrten Terror-Herrschaft positives abzugewinnen. Von wegen es sei etwaig halb so schlimm und die Taliban hätten dieses und jenes beteuert. Menschen und Frauenrechte zu wahren. Bla Bla Bla. Messe Menschen nicht an ihren Worten, sondern an ihren Taten.

Joe Biden behauptete unlängst, dass die US-Intervention das Ziel erreicht hätte, den Status Afghanistans, als Exil für den globalen Terror, zunichte zu machen. Die Al-Qaida am Hindu Kusch sei Geschichte, so der US-Oberbefehlshaber.

Nun die Entwicklungen vor Ort erzählen eine andere Story. Erst neulich haben die Taliban in der Provinz Nangahar eine Empfangsfeier inklusive Parade, für den heimkehrenden Al-Qaida Kommandeur und angeblich engen Vertrauten Osama Bin Ladens, Amin al Haq, geschmissen. Laut afghanischen Lokalmedien seien seit dem Abzug der Amerikaner dutzende hochrangige Al-Qaida-Funktionäre nach Afghanistan zurückgekehrt. Unten ist ein nicht verifizierter Videoausschnitt zu sehen, der veranschaulichen will wie Al-Haq in der Stadt Jalalabad zelebrierend willkommen geheißen wird.

Des Weiteren haben die Taliban an einem unbekannten Ort in Afghanistan eine Militärparade organisiert, auf der die hauseigene Selbstmordattentäter-Brigade Schaulaufen und ihr mörderisches Equipment vorführen durfte. Also Selbstmordfahrzeuge , Westen und andere Gegenstände die in Suizid-Missionen zum Einsatz kommen.

Im Widerspruch zu dem naiven Wunschdenken der sogenannten westlichen Wertegemeinschaft, die sich erhofft, dass Afghanistan nicht wieder in einen sicheren Hafen für Terroristen verwandelt wird, stehen die oben angeführten Handlungen der Taliban.

In Anbetracht dieser Gemengelage drängt sich die Kardinalfrage auf, weswegen der Westen und allen voran die Amerikaner den Taliban so extravagant entgegenkommen? Steckt hinter dieser vorgespielten Ohnmacht etwa perfides Kalkül? Wiegen etwa ökonomische Interessen vor, die zu Kriegszeiten hinten angestellt werden müssen?

Im März waren die Taliban überraschenderweise als Ehrengäste auf einem von den USA vermittelten Meeting zwischen Repräsentanten der Staaten, Turkmenistan, Afghanistan, Pakistan und Indien geladen. Diese vier Länder beteiligen sich an dem TAPI-Pipeline-Projekt. Der Schwerpunkt des Treffens lag darauf Übereinstimmung von den Teilnehmern abzugewinnen. Dahingehend, dass neben einer Verpflichtung zu einem Nichtangriffspakt auf die Infrastruktur des Projektes, überdies eine aktive Rolle bei der Gewährleistung für die Sicherheit der Pipeline und anderer Entwicklungsprojekte erforderlich würde.

Der Investigativ-Journalist Kit Klarenberg schrieb hierzu:

“ Die Intervention der Taliban zielte offensichtlich darauf ab Finanzinstitutionen, die seit langer Zeit abgeschreckt sind in das Bestreben zu investieren wegen der echten Bedrohung dessen Zerstörung durch Aufständische, zu versichern, dass die Pipeline in guten Händen sei, sobald sie wieder fest im Sattel sitzen. Wenn sie erfolgreich sein sollten, kann die Konstruktion beginnen und den Höhepunkt eines drei Jahrzehnte langen Versuchs in seiner Entstehung markieren.“

Solange Konfliktparteien unentwegt für Spannung sorgen, werden ausländische Investoren eher abgeschreckt sein Geld fließen zu lassen. Insofern könnte die Machtübergabe an die Taliban mit dem Gedanken verbunden sein, vorerst Ruhe in Afghanistan einkehren zu lassen, um die Infrastruktur für diverse Energie-Projekte hochzuziehen.

Es wäre nicht das erste mal, dass die USA auf die Taliban setzen, um Afghanistan zum Transitland für Gas und Öl umzufunktionieren. Unmittelbar nach der Machtübernahme der Islamisten-Fraktion 1996 umwarb Washington seinen neuen Verhandlungspartner, um eine durch Afghanistan laufende Pipeline für Öl und Gaslieferungen aus Zentralasien zu bauen. Washington schwebte damals vor, ein Saudi-Arabien 2.0 aus dem Boden zu stampfen. Ein hochrangiger US-Diplomat äußerte seinerzeit:

„Die Taliban werden sich wahrscheinlich wie die Saudis entwickeln. Es wird Aramco geben, Piepelines, ein Emir, kein Parlament und eine Menge Scharia-Gesetze. Doch damit können wir leben.“

Diese Gedankengänge fassen ganz treffend zusammen, wie es um das Mindset der US-Außenpolitik im Nahen Osten bestellt ist. Wahrscheinlich hat diese Zielsetzung nie an Aktualität eingebüßt und ist immer noch der Leitfaden für Washington.

Also es ist mit Höchstspannung zu erwarten, wie der Westen mit den Taliban umspringen wird. Denn Letzterer macht offensichtlich überhaupt keine Anstalten einen moderateren Weg einzuschlagen. Doch wie der oben zitierte US-Diplomat es formulierte seien Menschenrechte etc. zweitrangiger Natur, solange es in dem bestimmten Land etwas zu holen gibt.

Und in Afghanistan gibt es einiges zu holen. Neben der angestrebten Rolle als Energie-Transitland, sitzt das Land am Hindu Kusch auf einem riesigen Mineralschatz, der nur darauf wartet gefördert zu werden. Doch hierfür muss zunächst die Infrastruktur erschlossen werden. Und dafür braucht es eine Kraft im Land, die so mächtig ist das alle anderen Konfliktparteien sich unterwerfen. Offenbar sehen die USA & Co die Taliban in dieser Rolle.

Aut.R.R.

Kommentar verfassen