Die Ruhe vor dem Sturm- Taktische Defensivhaltung der Russen, wird als Schwäche gewertet. Ein fataler Trugschluss. (Op-Ed)

Kennen Sie dieses mulmige Gefühl im Bauch, welches intuitiv erahnen lässt, dass zeitnah Gewitterwolken aufziehen werden. Sprich düstere Zeiten bevorstehen. Die Ruhe vor dem Sturm sozusagen.

Der gegenwärtige Verlauf des Ukraine-Konflikts, ruft dementsprechendes Unbehagen hervor. Wie gehabt werden taktische Manöver auf dem Schlachtfeld von einem propagandistischen Begleitorchester eskortiert. Gewiss haben die Ukrainer unlängst einiges an Boden gutgemacht, doch zu einem sehr hohen Preis.

Es heißt die jüngsten Geländegewinne in Charkiw und Cherson etwa, seien ungemein verlustreiche Unterfangen gewesen. Wohingegen sich die Verluste auf der Gegenseite in Grenzen halten sollen. Die Schnelligkeit, mit der die Russen derweil Territorium abtreten, lässt objektiv betrachtet eine gesunde Portion Argwohn aufflammen. Nicht zuletzt weil Selenskyjs-NATO-Söldner immer weiter in annektiertes russisches Gebiet vordringen. Und laut russischem Medien-Tenor untersagt die landeseigene Verfassung Hoheitsgebiete dem Feind zu überlassen. Mit anderen Worten es muss alles in der Macht stehende getan werden, um entweder nie in so eine missliche Lage hineinzuschlittern, oder gegebenenfalls schwere Geschütze aufzufahren, um aus der Kamalität wieder herauszukommen.

Also wer dem Trugschluss aufgesessen ist, dass die Russen die jüngst verlorenen Gebiete kampflos aufgeben werden, der läuft Gefahr ein böses Erwachen zu erleben. Bewaffnete Konflikte sind fluktuierende Angelegenheiten. Am Ende des Tages kommt es auf das Durchhaltevermögen und die langfristige Strategie an.

Einige Militärexperten sehen in Kiews Gegenoffensive Parallelen zur Ardennenoffensive der Nazis im Zweiten Weltkrieg. Wikipedia resümiert die damaligen Kriegsgeschehnisse wie folgt:

Das Unternehmen, das ursprünglich als „Unternehmen Christrose“ bezeichnet wurde, begann am 16. Dezember 1944 und erzielte zunächst auf einer Breite von 60 km Einbrüche von 100 km in die gegnerische Frontstellung. Ziel war Antwerpen, über dessen Hafen der Großteil des alliierten Nachschubs lief. Deutsche Angriffsspitzen kamen bis auf wenige Kilometer an die Maas heran, an den Flanken wurden die Truppen aber in langwierigen Kämpfen um Orte wie Bastogne und St. Vith aufgehalten, was den Alliierten Zeit für Umgruppierungen und Truppenheranführungen für eine Gegenoffensive gab. Nach sechs Wochen verlief die Front wieder wie vorher. Die Amerikaner konnten ihre Verluste an Soldaten und Material binnen zwei Wochen mehr als ersetzen, Wehrmacht und Waffen-SS verbrauchten hingegen wichtige Reserven.

Demnach sollte man sich davor hüten voreilige Schlüsse zu ziehen und Rückzüge nicht als Indikatoren für Schwäche auslegen.

Wir haben bereits mehrfach angemerkt, dass der kollektive Westen den Kreml offenbar eklatant unterschätzt. Nur weil die russische Kriegsführung eine weitaus gemächlichere Gangart an den Tag legt, als US oder NATO-Interventionen, bedeutet das nicht, dass dem Kreml die Fähigkeit zur totalen Vernichtung abzusprechen ist.

Moskau sah bislang von Schock & Awe-Operationen, brachialen ununterbrochenen Cruise-Missile Wirbelstürmen oder Moral-Bombings ab. In Kiew steppt der Bär. Wasser uns Strom fließen und die Propagandamaschinerie der Junta, vermag weiterhin unbehelligt arme Teufel ins Verderben zu locken.

Erst neulich lieferte Russland einen bombastischen Reminder, dass es allzeit in der Lage ist im Handumdrehen das gesamte Land ins Chaos zu stürzen. Es bedurfte lediglich die Zerstörung gewisser Komponenten eines Wärmekraftwerks in Charkiw, um einen großflächigen Stromausfall zu erwirken. Das sollte Kiew zu denken geben, dahingehend das der Gegner noch längst nicht alle Trümpfe ausgespielt hat.

Und wozu auch. Mit einer 5 zu 1 Unterlegenheit was die Truppenstärke anbelangt, solche beachtlichen militärischen Erfolge zu erzielen, muss erst einmal nachgeahmt werden. Und es ist völlig belanglos wie ausgiebig die Teilmobilmachung Russlands durch den Kakao gezogen wird. In zwei Monaten stehen 300 000 kampfbereite Soldaten in den Startlöchern, um in den Bauch der Bestie entsendet zu werden. In der Zwischenzeit werden die Ukrainer wohl noch das ein oder andere Städtchen oder Dörflein zurückerobern, ehe der russische Bär zum triumphalen Gegenschlag ausholen wird. Nur diesmal ohne Samthandschuhe.

Wie eingangs bemerkt hegen wir die Befürchtung, dass der imminente Moment of Truth bevorsteht. Doch bevor die nukleare Karte ausgespielt wird, stehen noch allerlei Alternativen zur Auswahl. Wie beispielsweise die gänzliche Annihilation der kritischen Infrastruktur und Entscheidungszentren in der Ukraine.

Die abendländischen Kriegstreiber werden aller Voraussicht nach in nur wenigen Wochen ihr blaues Wunder erleben, sobald die russische Streitmacht aus allen Rohren feuert. Butter bei die Fische. Ehrlicherweise muss an dieser Stelle konstatiert werden, dass die europäischen Vasalen Washingtons es geradezu darauf anlegen, dass Mütterchen Russland seine Beherrschung verliert und eine lodernde Brandschneise durch den ehemaligen sowjetischen Hinterhof zieht.

Alle Zeichen stehen auf Eskalation. Industrieller Terrorismus und Meuchelmorde, sind ferner Teil des schmutzigen Spiels geworden. Das Gesetz des Dschungels hat kurzerhand übernommen. Wer mit unlauteren Mitteln ins Rennen zieht, muss stets mit dem niederträchtigen Hinterhalt rechnen. Diese Tür ist nunmehr unverschließbar aufgetreten worden. What goes around comes around.

Der vom Napoleon-Komplex vereinnahmte und aufgrund jüngst kundgetaner obsoleter Friedensvorschläge, seitens falscher Twitter-Propheten, an die Decke gehende ukrainische Machthaber, ist des Wahnsinns fette Beute. Ohne grünes Licht seiner anglo-amerikanischen Drahtzieher, würde Selenskyj keinesfalls einen First-Strike gegen Russland vorschlagen. Offenbar war jene Aussage lanciert worden, um das allgemeine Stimmungsbarometer zu eruieren. Konditionierung wird eine zusätzliche Rolle gespielt haben.

Sowie diese Aufforderung zur proaktiven Auslösung eines Atomkriegs von Verzweiflung zeugt, so auch von eingepeitschter selbstzerstörerischer Megalomanie. Ein brandgefährliches Gemenge. Nach dieser Gemütslage zu urteilen, würde der olivgrüne Warlord den Weltuntergang billigend in Kauf nehmen, nur um sein ideologisch verhunztes Staatskonstrukt aufrechtzuerhalten. „Nach uns die Sintflut“, scheint die ultimative Zielsetzung zu sein.

Meteorologische Faktoren, die den künftigen Kriegsverlauf wesentlich mitbestimmen werden, sind im NATO-Kosmos ebenfalls zur Nebensache degradiert worden. Gleichwohl die Kriegsgeschichte etliche Episoden aufzubieten hat, die eingängig lehren, dass die Witterung schon so manche überhebliche Kriegspartei in die Knie zwang. Time will tell, ob die Versorgungslinien der Ukrainer standhalten und der stetige Nachschub an Munition und Manpower gesichert ist. Werden die ukrainischen Streitkräfte hinreichend Treibstoff haben, um die unentwegt geforderten Panzerbestände zu füttern? Wie sieht es mit der nachhaltigen Instandhaltung des Militärgeräts aus? Russland kann auf 25 Millionen Reserven zurückgreifen. Falls die Ukraine gleichziehen wollte, müsste sie schon die gesamte Bevölkerung mobilisieren, einschließlich Frauen und Kinder.

Entgegen der verfestigten Echokammer-Sülze, dass Köpfe rollen sobald eine „Majestätsbeleidigung“ vis a vis Putin erfolgt, üben etliche Medienfiguren im russischen Staatsfernsehen nachdrücklich Kritik an der rücksichtsvollen Kriegsführung des Kremls. Also der „Zar“ sitzt nicht so fest im Sattel, wie fälschlicherweise angenommen und sein politisches Überleben hängt einzig und alleine vom Sieg über das Selenskyj-Regime ab. Eine Niederlage ist für die Russen keine Option. Was die Geschichte um so gefährlicher macht.

Aut.R.R.

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