Ukraine- Westliche Medien erkennen allmählich Wesen des Abnutzungskriegs an. Bachmut „Blutiger Vortex“. (Op-Ed)

Als Präsident Selenskyj unlängst vor dem US-Kongress einen temporären Anflug von Ehrlichkeit verspürte, ließ er folgende bodennahe Reflexion verlautbaren: „Was Artillerie und Munition anbelangt, sind uns die Besetzer deutlich überlegen. Sie verfügen über weitaus mehr Raketen und Luftfahrzeuge als wir. Das ist die Wahrheit. Doch unsere Verteidigungskräfte stehen.“

Im Militärjargon bedeutet das so viel wie: “ Wir erleiden deutlich mehr Verluste als der Feind.“ Weswegen die unter Berufung auf Kiew im Mainstream herumgeisternden angeblichen Verlustzahlen der Russen, wie die Liebhaber von Rapunzel an den Haaren herbeigezogen sein dürften. Die deutliche Überlegenheit in Sachen Feuerkraft suggeriert viel mehr, dass die Tötungsrate aufseiten der Ukraine die gegnerische wesentlich übertrifft. Also über 100 000 Gefallene hat wenn überhaupt nur die Selenskyj-Junta zu beklagen. Nicht umgekehrt.

Insbesondere in der im Oblast Donezk gelegenen Stadt, Bachmut, die neulich von der US-Tageszeitung, New York Times, als „blutiger Vortex“ umschrieben wurde, tragen sich derweil die landesweit heftigsten Gefechte zu. Gleichwohl bereits erste Versuche westlicher Leitmedien erfolgten, der umkämpften Region jedwede strategische Bedeutung abzusprechen, wirft Kiew dennoch alles Erdenkliche in die Waagschale, um diese zu halten. Why?

Das US-Verteidigungsministerium (Pentagon) blickt mit Sorge nach Bachmut, wie die NYT kürzlich unter Berufung auf einen US-Verteidigungsbeamten berichtete. Kopfzerbrechen bereite in erster Linie der kaum zu kompensierende Munitionsverschleiß. Das Blatt dazu:

“ Eine dauerhafte Sorge des Pentagons ist das die Ukrainer den falschen Eindruck gewonnen haben, dass der Nachschub aus dem Westen grenzenlos sei und sie sich munitionstechnisch verausgaben. Vor allem in Bachmut. „

Allmählich dämmert es der NYT ferner, dass die Entmilitarisierung einer Kriegspartei nur von Erfolg gekrönt werden kann, wenn die jeweilige gegnerische Armee samt Gerät außer Gefecht gesetzt ist. Stichwort Abnutzungsschlacht. Solange Kiew den russischen Kräften vor Ort unsäglich viele Soldaten und Material entgegenwirft, und Letztere imstande sind das Aufgebot fortwährend aufzusaugen, weshalb den vorerst letzten Tanz dann nicht an Ort und Stelle austragen? Zur Blutzoll fordernden Schlacht in Bachmut äußerte das Blatt:

„Während das seit Juli täglich von den Russen beschossene Bachmut sich zu einer Abnutzungsschlacht entwickelt, hat seine strategische Bedeutung ebenfalls einen Wandel vollzogen. Auch wenn Russlands Hoffnungen sein Territorium vor Ort auszuweiten dahinschwinden, vermag es dennoch Kiew vor Probleme zu stellen und die Stadt in ein Ressourcen verschlingendes schwarzes Loch zu verwandeln. Was die Verfügbarkeit von Truppen für andere ukrainischen Prioritäten minimiert. Insbesondere mit Blick auf zukünftige Offensiven.

„Schlachten wie die in Bachmut, verschleißen Kräften, die anderswo eingesetzt werden könnten, so Kofman.“

Jenseits des Mainstreams operierende Experten und Beobachter, rekapitulieren fortwährend Russlands vermeintliche Zielsetzung den Feind zu entmilitarisieren. Angesichts des aktuellen Kriegsverlaufs liegt es nahe, jener Mission einen gewissen Erfolg zuzusprechen. Ein wesentlicher Indikator für die sukzessive Durchführung, ist mitunter die reziproke Kräfteverhältnisse wiederspiegelnde Tötungsrate beider Kriegsparteien. Gar die Ukrainer räumten indes etliche male ein, sich in Sachen Feuerkraft mit einer 6 zu 1 oder gar 10 zu 1 Unterlegenheit konfrontiert zu sehen. Worauf sich ähnliche oder dementsprechende Verlustzahlen schließen lassen. Wer mehr bombardiert wird, der stirbt mehr und schneller. This is war! Simple as that!

Daher sind die aus Sicht des kollektiven Westens zwar wünschenswerten jedoch eher realitätsfernen Angaben des Selenskyj-Regimes unter der Rubrik „fragwürdig“ abzulegen. Ein genauerer Blick auf die Behauptung, dass bisher über 100 000 russische Soldaten gefallen seien, offenbart die Propaganda auf Anhieb.

Angeblich wurden für die spezielle Militäroperation vom Kreml 200 000 Mann formiert. Eine Zahl die gar im Westen mehrfach ihre Bestätigung erfuhr. Nun sollen diese Kräfte um über 100 000 dezimiert worden sein. Ferner lässt das offizielle Narrativ kontinuierlich verlautbaren, die Mobilmachung der Russen sei gescheitert. Also laut diesen Schilderungen müssten die Überbleibsel der russischen Kräfte wahrhafte Superkrieger sein. Und Selenskyjs 1 Million- Mann Armee, vermag es nicht dieses winzige Aufgebot zu überrennen, wie in Cherson und Charkiw? Konklusion: Bravo-Sierra im Umlauf.

Wenn Bachmut doch angeblich für die Russen nur eine Art propagandistisches Prestigeobjekt und jedwede strategische Bedeutung längst abhanden geraten sein soll, weswegen entsendet Kiew dann weiterhin bedauernswerte Himmelfahrtskommandos, um den „nutzlosen“ Boden zu halten?

Zur Strategie des Halten des Bodens kommentierte der US-Oberst a.D., Douglas McGregor, unlängst:

 Im Westen haben wir die schlechte Angewohnheit, dem Halten des Bodens viel zu viel Bedeutung beizumessen. Offensichtlich fingen wir im ersten Weltkrieg damit an und ich denke wir konnten uns bisher nicht erfolgreich davon lösen. Die Russen sehen das anders. Sie haben eine andere Geschichte. Sie hatten es mit mobilen Armeen zu tun. Mongolischen, tartarischen, türkischen. Sie verstehen, dass Boden nur wertvoll ist, sofern er einen taktischen oder operativen Vorteil verschafft. Und normalerweise ist dieser flüchtig.

Die Wahrheit ist, dass die Russen mit der Einnahme von Bachmut den Zusammenbruch der gesamten ukrainischen Verteidigungslinie initiieren würden. Demnach ist es für Kiew gar zwingend sich nicht vom Fleck zu rühren. Doch zugleich äußerst risikoreich. Denn die Bindung des Gros der Kräfte an einen Ort, birgt Gefahr anderenorts geradezu überrollt zu werden.

Die immer noch von hiesigen Experten und Politikern fehlinterpretierte vereitelte Einnahme Kiews, war nach unbefangeneren Sachverständigen eben ein solcher manövrierter Schachzug. Während Selenskyj und Klitschko schweißgebadet permanent damit rechneten, dass eine Besatzung der ukrainischen Hauptstadt imminent sei, schafften russische Kräfte im Osten und Süden vollendete Tatsachen. Napoleon war übrigens ein Verfechter von fintenreichen Manövern. Wer die Geschichte vergisst, ist verdammt sie zu wiederholen.

Auch wenn es insbesondere hierzulande viele Brei verderbende Köche schier nicht wahrhaben wollen, der Ofen ist bald aus. Sprich die Ukrainer werden diese verlustreiche Pensum nicht unendlich stemmen können. Daran werden auch die Patriots nichts ändern.

Aut./Übers.: R.R.

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