Von wegen in Russland dürfe niemand über Krieg sprechen. Staatssender berichtet über Ende von „spezieller Militäroperation“. „Zeit einzusehen befinden uns im Krieg gegen NATO.“ „WW3!“ Was bedeutet dies? (Videos)

Im Westen insistiert man immer noch darauf, dass die russische Bevölkerung der Bezeichnung, “ militärische Spezialoperation“, aufgesessen sei und es sich um eine euphemistische Umschreibung handele, mit der eine breitgefächerte Zustimmung abgewonnen werden soll.

Entgegen der allgemeinen Auffassung, ist Russland immer noch ein Rechtsstaat, dessen Staatsoberhaupt obligiert ist die nationale Sicherheit betreffende Modalitäten, von seinem Parlament absegnen zu lassen.

Der US-Militärexperte, Scott Ritter, der auf eine beachtliche Vita zurückblicken kann, ist nach eigenen Aussagen vertraut mit der darauf beruhenden Rechtslage. Im Gespräch mit dem Billy Bob Podcast, erörterte der ehemalige Geheimdienstler, dass der russische Präsident zunächst einige Hürden zu nehmen hatte, ehe er den Startschuss für die Intervention geben konnte. Zunächst galt es die Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donetsk und Luhansk anzuerkennen, um die notwendige rechtliche Grundlage zu schaffen. Somit stand der Berufung auf den 51. Artikel der UN-Charta ( Recht zur Selbstverteidigung) nichts mehr im Wege, und die Duma billigte die Truppenentsendung ins Nachbarland.

Hingegen ist dieser Einsatz an die Rahmenbedingungen der Spezialoperation gebunden, derer Abschluss infolge der sukzessiven Entnazifizierung und Entmilitarisierung des ukrainischen Machtapparats anstehen soll. Doch wie Ritter ferner elaborierte würden die Karten neu gemischt. Es sei augenscheinlich ein Stellvertreterkrieg, der von NATO-Kräften genährt würde. Insofern käme der Kreml nicht mehr drum herum, die territorial beschränkte Mission auf die gesamte Ukraine und darüber hinaus auszuweiten, so der Militärexperte. Ritter dazu:

„Russland ist durch die spezielle Militäroperation eingeschränkt. Also wenn die Ziele der zweiten Phase erreicht sind, Leute sagen Russland könne einfach bis nach Lwiw durchmarschieren. Wie? Wie rechtfertigt man den Einmarsch in Lwiw , wenn die rechtliche Voraussetzung lautete: Präventive kollektive Selbstverteidigung, zur Verhinderung einer ukrainischen Offensive auf den Donbass. Sobald man die dafür eingesetzten ukrainischen Kräfte vernichtet, stellen diese keine imminente Bedrohung mehr dar. Demnach besteht keine rechtliche Grundlage mehr, um diesen Konflikt weiter fortzuführen. Dies ist ein Problem, dem sich Russland annehmen muss. Denn wenn sie infolge der Befreiung des Donbass einfach stoppen, wird es ein endloser Konflikt. Denn die Ukraine hat sich nicht ergeben. Und sie wird weiterhin militärische Unterstützung in Milliardenhöhe erhalten und ihr Militär wiederaufbauen. Dies würde für Russland ein ewiges Problem darstellen. Ich nenne das eine strategische Niederlage. Die USA wollen, dass sich dies ereignet. Das Ziel der Vereinigten Staaten ist Russland ausbluten zu lassen. Sie wollen das Russland in einen endlosen Konflikt involviert ist. Ein neues Vietnam. Ein neues Afghanistan. Wenn Russland die Hände in den Schoß legt und sagt: „Wir sind fertig“, befinden sie sich in einer Zwickmühle, die sie sich selbst aufgebrummt haben. Ich denke nicht, dass Russland dumm genug ist, dies zu tun. Ich denke nicht das Russland eine strategische Niederlage akzeptieren kann. Dies bedeutet, dass zwecks Billigung umfassenderer Befugnisse, irgendeine Form von Intervention stattfinden muss. Vom russischen Präsidenten gegenüber der Duma. Meiner Meinung nach hat man Russland soeben ein Geschenk gemacht. Sollte es stimmen das Polen zwei Bataillone entsendet hat und es Vorkehrungen trifft 15 000 Mann zu mobilisieren, verändert dies die Dynamik des Konflikts. Nun wird aus einem regionalen Disput um den Donbass, ein umfassenderer Konflikt um die Ukraine, der zwischen einer NATO-gestützten Nation und der russischen Föderation ausgetragen wird. Und das sich die Ukraine mit Polen verbündet, bedeutet nach meinem Dafürhalten, dass Putin eventuell den allgemeinen Krieg zwischen Russland und der Ukraine deklariert. Und es auf eine Weise definiert, die Polen miteinbezieht. Ich denke Polen hat Selbstmord begangen. Ferner würden Befugnisse erteilt, um sich der ostwärts voranschreitenden Expansion der NATO zu widmen. Was bedeutet, dass Russland grünes Licht bekäme Präventivmaßnahmen einzuleiten, falls Finnland der NATO beitritt. Und wenn dies geschieht, werden 1,5, oder 2,5 Millionen Mann mobilisiert. Dies ist ein Game-Changer. Nun muss sich die NATO einem größeren Tom Brady annehmen, der das Spielfeld betritt. Ich denke darauf läuft es hinaus. Russland wird dies auf keinen Fall vermeiden können. Denn weniger würde bedeuten, dass Russland eine strategische Niederlage erleidet. Denn es würde keines seiner vorgegeben Ziele erreichen. Und auch wenn sie versuchen würden es wegzuinterpretieren, klänge es wie ein Joe Biden, der den Sieg erklärte, als die letzte C-17 von Kabul abhob. Ernsthaft Joe? Das soll ein Sieg sein? Jeder wusste was geschehen war. Und wenn Russland diesen Kampf zu früh beendet und Selenskyj noch an der Macht ist, die NATO weiterhin das ukrainische Militär aufbaut und das ASOW-Regiment noch existiert, handelt es sich nicht um einen strategischen Sieg, sondern um eine strategische Niederlage.“

Nach diesem Verständnis hat der Westen sein eigenes Dope zu viel konsumiert. Die bis dato allenthalben zu vernehmende Kolportage, der Kreml marginalisiere den Kriegseinsatz mit der Umschreibung „spezielle Militäroperation“, um die Welt hinters Licht zu führen, hält offenbar nicht stand.

Gerade heute war der Berichterstattung eines privaten deutschen Nachrichtensenders abermals zu entnehmen, dass es in Russland verboten sein soll das Wort „Krieg“ in den Mund zu nehmen, wenn man über die Ukraine spricht. Der diese Information kommunizierende Korrespondent in Moskau, reitet frequentierend darauf herum, als stünde es auf dem roten Platz in Stein gemeißelt. Doch jene Propaganda gehört zu der Kategorie Hanebüchen. Und ein Blick in die russische Medienlandschaft ist hinreichend, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Lesen Sie was eine Moderatorin vom russischen Staatssender, Rossiya 1, unlängst über die aktuelle Konfliktsituation kundtat:

„Vielleicht ist es an der Zeit zuzugeben, dass Russlands spezielle Operation in der Ukraine ein Ende gefunden hat. In dem Sinne, dass ein wahrhafter Krieg begonnen hat. Der dritte Weltkrieg. Wir sind dazu gezwungen nicht nur die Ukraine zu entmilitarisieren, sondern die NATO als Ganzes. Weshalb spreche ich darüber? Es waren nicht nur Mehrfachraketenwerfer vom Typ Smerch, die mit Streumunition Donetsk unter Beschuss nahmen. Die Schläge wurden auch von amerikanischen M777 Haubitzen durchgeführt.

Also der im Westen als „Teil der Propagandamaschine“ Moskaus verschriene Staatssender, übt offenbar Druck auf seine Regierung aus endlich einzusehen, dass man sich nunmehr in einem allgemeinen Krieg befände, da wie Scott Ritter analysierte, die Karten neu gemischt wurden. Wie war das nochmal? : „Keiner in Russland, darf das Wort Krieg in den Mund nehmen!“

Diese von Rossiya-1 verbreitete Argumentation, dürfte in weiten Teilen der Bevölkerung Anklang finden. Und nicht zuletzt, weil Russen weltweit aufgrund ihrer Herkunft geächtet werden. Das „Wir gegen alle!“ ist keine illusorische Eingebung, wie die Geschehnisse seit dem Start der Offensive unmissverständlich verlautbaren ließen. Also falls Wladimir Putin infolge einer Evaluierung der Gesamtsituation sich dazu entscheidet der Ukraine den Krieg zu erklären, wird dies nicht nur eine terminologische Angelegenheit sein, sondern zunächst die Aktivierung der vollen konventionellen Schlagkraft der russischen Streitkräfte nach sich ziehen.

Die pauschalisierende Bezeichnung, „russische Truppen“, für die Kämpfer im Osten, ist schlichtweg irreführend. Ja russische Einheiten sind präsent, doch ukrainische Russen, die sich schon vor 8 Jahren formierten, um Ihresgleichen zu verteidigen und tschetschenische Einheiten, mischen ebenfalls fleißig mit. Womit gesagt sein soll, dass der Kreml, entgegen der Behauptung des Westens die russische Armee sei bereits erschöpft, von Beginn an darauf bedacht war Kräfte zu sparen. Und wenn die gesamte Creme de la Creme der russischen Armee samt Generalmobilmachung antritt, weht ein anderer Wind. Ein orkanartiger!

Also Diejenigen, die darauf beharren das Putin Butter bei die Fische geben und die spezielle Militäroperation endlich als Krieg bezeichnen soll, sollten schleunigst einen Gang zurückschalten und sich mit den Gegebenheiten arrangieren. Doch davon sind wir weit entfernt! Aus der russischen Nachrichtenwelt geht hervor, dass Moskau sich zeitnah veranlasst sieht, auf das Involvement der NATO zu reagieren. Das heißt der Westen bekommt voraussichtlich sein von Russland obsessiv eingefordertes Eingeständnis, das es sich im Krieg befindet. Doch mit Wortspielen wird es nicht getan sein.

Aut.R.R.

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