Explosionskatastrophe in Beirut: Anschlag oder grobe Fahrlässigkeit ? (Videos)

Update: Uns ist bei dem Erstellen des Artikels ein Fehler unterlaufen. Wir haben uns auf die Angaben eines Portals verlassen und rekapitulierend wiedergegeben das der israelische Premierminister, Benjamin Netanyahu, während der UN-Generalversammlung (2018) auf ein Gebäudekomplex hingewiesen hat, der sich in dem Bezirk befinden sollte wo sich die Explosionskatastrophe in Beirut zugetragen hat. Dies entspricht nicht der Wahrheit, zumal Netanyahu auf eine Wasserfront unweit des internationalen Flughafens hindeutete und nicht auf den Seehafen von Beirut. Wir möchten uns für diesen fehlleitenden Kontext entschuldigen. Dennoch lassen wir den Artikel bestehen, aufgrund der durchaus plausiblen Gesamteinschätzung.

Wer ein wenig mit den zerworfenen Konstellationen im Nahen-Osten vertraut ist, der wird in Betracht ziehen das die Explosion in der libanesischen Hauptstadt, Beirut, vermutlich kein tragischer Unfall gewesen ist, sondern ein gezielter Angriff.

Dahingehende Verdachtsmomente werden unter anderem von der Tatsache genährt, dass der schwer verrufene israelische Premierminister, Benjamin Netanyahu, vor zwei Jahren die UN-Generalversammlung beschlagnahmte, um die Welt darüber “aufzuklären” das die Hisbollah in einem Lagerhaus, unweit oder genau bei der Explosionsstelle, Raketen horten würde. Ergänzend schob Bibi hinterher das die libanesische Widerstandsmiliz und politische Partei, zwecks Lagerung von Raketengeschossen, vorsätzlich dichtbesiedelte Bezirke auswählte, um hinreichend menschliche Schutzschilde parat zu haben.

Hier hab ich ein Bild das soviel wert ist wie tausend Raketen,” sagte Netanyahu, der favorisiert infantile Piktogramme oder nichts aussagende Satellitenbilder verwendet, um Israels Kontrahenten fortwährend zu dämonisieren . Desweiteren fügte er hinzu: ” Hier ist die erste Raketenstellung, sie befindet sich in der Nachbarschaft Uzal inmitten der Wasserfront. (…) Die Hisbollah verwendet Beiruts unschuldige Bürger als menschliche Schutzschilde.”

Unmittelbar nach dem sich die Tragödie im Beiruter Hafenviertel ereignete, sind die sozialen Medien von teilweise schockierenden Videos überflutet worden, die aus verschiedenen Blickwinkeln die spektakuläre Explosion veranschaulichen. Das an einen Atomschlag erinnernde Szenario, hat bislang über 180 Menschenleben gefordert, 5000 weitere verletzt und sage und schreibe 250 000 Libanesen obdachlos gemacht.

Libanons Staatspräsident, Michele Aoun, hat indes angemerkt , dass ein Raketen oder Bombenangriff nicht ausgeschlossen werden könne. Es sei bislang nicht festgestellt worden weswegen in dem Gebäudekomplex gelagertes Ammoniumnitrat detonierte. Die andauernde Untersuchung des Hergangs werde darlegen, ob grobe Fahrlässigkeit, ein Unfall oder doch womöglich externes Einwirken die Ursache waren, so Aoun.

Indes ist ein Video im Netz aufgetaucht dessen Inhalt suggeriert, dass unmittelbar vor der Atompilz ähnlichen Detonation Kampfjets zu hören sind. Unglücklicherweise soll die Person die diese Momentaufnahme einfing ,von der Druckwelle erfasst und getötet worden sein. Der circa zwei Minuten lange Ausschnitt zeigt das bereits brennende Gebäude. Kurz bevor es zur zweiten Explosion kommt, sind zweifelsohne Geräusche akustisch wahrzunehmen, die sich wie Triebwerke von Kampfflugzeugen anhören. Diese Mutmaßung wird zusätzlich durch die Reaktion des Zeitzeugen untermauert. Denn als er und eine vermutlich weibliche Person das Getöse wahrnehmen, sind sie arg von Panik ergriffen. Woraufhin sich die Aufnahme ruckelig gestaltet, bevor der Impact der Welle die beiden offenbar niederstreckt.

Bekanntlich ist der libanesische Luftraum Israels Hinterhof. Ganz gleich welche völkerrechtswidrigen Bombardierungen Tel-Aviv etwa im benachbarten Syrien durchführen will, oder sonstige Eskapaden anstrebt, verletzt es dafür die libanesische Lufthoheit. Wir sprechen hier von keinen selten auftretenden Verstößen. Für das israelische Regime ist es Gang und Gäbe Libanons Luftraum als seinen eigenen zu betrachten.

Im Jahr 2018 nahm die Dreistigkeit gar so unverschämte Züge an, dass israelische Kampfjets sich wagten ein russisches Aufklärungsflugzeug als Deckung zu benutzen, um Luftschläge auf Syrien durchzuführen. Die syrischen Luftabwehrsysteme aus Sowjet-Zeiten weisen nicht die Fähigkeit auf feindliche von freundlichen Flugzeugen zu unterscheiden und fingen versehentlich die russische Maschine ab, wobei 15 russische Soldaten verstarben. Auch für dieses Manöver hat Tel-Aviv den libanesischen Luftraum missbraucht.

Dies ist natürlich keine stichhaltige Evidenz dafür, dass Israel für den katastrophalen Vorfall verantwortlich ist. Nichtsdestotrotz muss bemerkt werden das diese Tragödie, aus Sicht Tel-Avivs, einem Segen gleichkommt. Birgt sie doch den bereits seit geraumer Zeit zu erahnenden Kollaps des Libanons schneller herbeizuführen. Die libanesische Bevölkerung ist nicht seit gestern dem korrupten Führungsstil ihrer Regierung überdrüssig. Der Volksmund kritisiert vor allem, dass die Religion einen zu hohen Stellenwert in der Politik einnehme.

Die anachronistische dreigliedrige Parzellierung der prägenden Konfessionszweige (Schiiten, Christen, Sunniten) und die damit einhergehende politische Machtteilung, hat zwar das Ende des langjährigen Bürgerkriegs teilweise möglich gemacht, doch in den Nachkriegsjahren und darauffolgenden Dekaden versagt ein tragfähiges und ausgewogenes System zu installieren.

Desweiteren ist der Libanon stetig den Repressalien des israelischen Aggressors ausgesetzt, der seit seinem Erscheinen im Nahen-Osten alles daran gesetzt hat, das kontinuierlich von ethnischen Zerwürfnissen geplagte Land kriegerisch zu balkanisieren, um weite Landesteile einzuverleiben.

Israel hat seit seiner Gründung von der internationalen Gemeinschaft eine militärische Carte Blanche erteilt bekommen. Sprich eine Immunität in Bezug auf Kriegsverbrechen. Demzufolge mussten sich die Israelischen Verteidigungskräfte (IDF) nicht mit moralischen Grundsätzen herumplagen und vermochten gar Massaker an Zivilisten zu begehen, ohne mit politischem Gegenwind rechnen zu müssen. Wie 1982 als das israelische Regime im libanesischen Bürgerkrieg mit den christlichen Phalangisten paktierte und das Massaker von Sabra und Shatila verübte: Wikipedia dazu:

“Als Massaker von Sabra und Schatila (arabisch مذبحة صبرا وشاتيلا, DMG Maḏbaḥat Ṣabrā wa-Šātīlā) wird eine Aktion von etwa 150 libanesischen, maronitisch-katholischen – hauptsächlich phalangistischen – Milizen bezeichnet, die gegen im südlichen Stadtgebiet von Beirut lebende palästinensische Flüchtlinge gerichtet war. Zwischen dem 16. und 18. September 1982 – mitten im libanesischen Bürgerkrieg – wurden die Flüchtlingslager Sabra (Ṣabrā) und Schatila (Šātīlā) gestürmt, die zu jener Zeit von israelischen Soldaten umstellt waren. Nach filmisch belegten Aussagen beteiligter Milizionäre richtete sich die Aktion in erster Linie gegen Zivilisten; bewaffneter Widerstand soll kaum noch vorhanden gewesen sein. Die Milizionäre verstümmelten, folterten, vergewaltigten und töteten überwiegend Zivilisten, unter ihnen viele Frauen, Kinder und Alte. Die Zahl der Opfer konnte nicht geklärt werden, wird aber je nach Quelle zwischen 460[1] und 3000[2] angegeben.

Der Veteran unter den Nah-Ost-Korrespondenten und britische Investigativ-Journalist, Robert Fisk, hat das besagte Flüchtlingslager unmittelbar nach der schrecklichen Gräueltat besucht und Eindrücke eingefangen, die durch Mark und Bein gehen. VORSICHT GRAPHISCHES VIDEOMATERIAL!!!

Die aus der Schutt und Asche des Bürgerkrieges erwachsene libanesische Widerstandsbewegung, Hisbollah, sollte zum Protektor der Schiiten avancieren, die ein Drittel der Landesbevölkerung ausmachen. Seit Bürgerkriegszeiten der Dorn im Auge Israels und herausragender regionaler Erzfeind. Was zusätzlich von der Verbrüderung mit dem Iran herrührt. Der persische Kernstaat der schiitischen Glaubensrichtung pflegt verständlicherweise seinen Einfluss dort geltend zu machen, wo Schiiten prozentual groß vorkommen. Ein Drittel des Libanons ist Schia.

Ironischerweise hat Tel-Aviv der Hisbollah ihre heutige Größe beschert und ihr die Türen geöffnet, um im politischen Politolymp aufgenommen zu werden. Im Jahr 2006 hatte sich Israel vorgenommen einen erneuten Versuch zu starten, zumindest einen Teil von Libanon zu annektieren und leitete eine Großoffensive im südlichen Teil des Landes ein. Doch die Hisbollah verteidigte ihr Territorium mit allem ihr in der Macht stehenden und schlug die israelischen Invasoren demütigend in die Flucht.

Dieser prestigeträchtige Sieg sorgte für eine multiple Erhöhung des gesellschaftlichen Stellenwerts der Schiiten-Miliz und ebnete ihr den Weg in die Politik. Seit jeher sollte eine konfessionelle Parität die politische Stoßrichtung bestimmen. Alle Glaubensrichtungen sollten sozusagen ein Stück vom Regierungskuchen abbekommen. Und so hat man sich darauf geeinigt, dass das Amt des Staatspräsidenten von einem Christen, das des Ministerpräsidenten von einem Sunniten und des Parlamentssprechers von einem Schiiten bekleidet wird. Ob dies eine weitsichtige und richtige Lösung war, sei dahingestellt. Doch die dahintersteckende Intention war vermutlich die richtige. Zumal die blutige Vergangenheit des Libanons von ethnischen Friktionen geprägt ist. Es musste eine relativierende Entscheidung getroffen werden, die auf kurze oder lange Sicht die Wogen glättet.

Doch Religion ist kein Motor für die Wirtschaft und kann nicht mit Lösungsansätzen aufwarten, die Prosperität und Wachstum generieren. Man kann den Regierenden der vergangenen zwei Dekaden durchaus den Vorwurf machen, dass sie kläglich daran gescheitert sind, den allgemeinen Wohlstand der Bevölkerung hochzuschrauben.

Als außenstehender Beobachter drängt sich beim Libanon permanent das Gefühl von andauernder Zerrissenheit und Uneinigkeit auf. Ein Zustand der Israel zweifelsohne zusagt. Divide et Impera. Die Explosionskatastrophe in Beirut wird die Spaltung der libanesischen Gesellschaft deutlich verstärken. Und im Hinblick darauf das das beinahe vollständig weggeblasene Hafenviertel unter der Kontrolle der Hisbollah stehen soll, ist es naheliegend das sich der Grimm der Bevölkerung auch gegen die Schiiten-Miliz und deren Regierungspartei richten wird.

In dem gegenwärtig aufgeheizten Klima wollen viele Bürger Köpfe rollen sehen. Mit politischen Rochaden wird sich das libanesische Volk kaum mehr abspeisen lassen. Angesichts der schockierenden Zahlen von über 250 000 Tausend Obdachlosen, die mit einem Schlag ihr Hab und Gut verloren haben, ist bereits zu erahnen wie heftig der Hexenkessel in den kommenden Wochen brodeln wird. Dieser Vorfall hat wahrhaft das Potenzial entweder eine neue politische Landschaft zu gestalten, oder in alte Muster zu verfallen und bürgerkriegsähnliche Zustände zu reaktivieren.

Ohne suggerieren zu wollen das Israel mit der Explosion etwas zu tun hat, muss dennoch betont werden, dass dieses Schreckensszenario exakt mit den notwendigen Zwischenergebnissen aufwartet, die eine Verbannung oder gesellschaftliche Degradierung der Hisbollah in Aussicht stellen. Womit erzwungen werden könnte, dass die Schiiten-Miliz ihren politischen Arm abschneiden muss und sich fortan nur noch auf militärische Aktivitäten beschränkt. Eine verpönte und schlecht angesehene Miliz zu bekämpfen ist wesentlich einfacher, als eine Regierungspartei mit militärischem Fundament.

Der Reputationsverlust des libanesischen Regierungsapparats, hat durch diese Katastrophe seine ultimative Stufe erreicht. Das letzte bisschen Ansehen ist dahin. Von hier an steht der freie Fall an. Nach oben führt kein Weg mehr.

Der Unmut in Beiruts Stadtbevölkerung ist inzwischen mit den Händen zu greifen. Laut Medienberichten finden bereits großangelegte Kundgebungen statt und gewaltbereite Protestler versuchen Amts und Regierungsgebäude einzunehmen. Es werden Zusammenstöße zwischen Demonstranten und libanesischen Sicherheitskräften vermeldet. Die Lage ist zum zerreißen angespannt und könnte jederzeit eskalieren. Genau solch ein aufgeheiztes Ambiente kann schnell in Waffengewalt umschlagen und in einem weiteren Bürgerkrieg enden. Hände reibend und den Kollaps herbeisehnend, dürften Benjamin Netanyahu und seine Getreuen die Situation im Nachbarland mit Argusaugen beobachten. Der Tropfen der das Fass zum überlaufen bringt, ist soeben erfolgt. Ob durch externe Interferenzen ist noch nicht erwiesen. Doch vieles deutet darauf hin.

Eins ist gewiss Netanyahu war anscheinend darüber unterrichtet worden, dass die Lagerhallen, rundum die Wasserfront in Beiruts Hafenviertel, allerhand explosives Material beinhalten. Also verlockende Angriffsziele hergeben, welche einem kleinem Land wie Libanon immensen Schaden beibringen. Wie soeben geschehen ist.

Verf.R.R.

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