Der Fluch Syrien…Ankara und Washington geraten zunehmends aneinander..Spagat zwischen Russland und USA scheinbar unmöglich

Der geopolitische Spagat zwischen zwei rivalisierenden Weltmächten sollte gekonnt sein, und von einer unabhängigen Position aus erfolgen. Bekanntlich befindet sich die Türkei in dem Dilemma, auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen zu wollen.

Hingegen scheint dieses unmögliche Unterfangen unentwegt von Niederschlägen und Aussichtslosigkeit begleitet zu werden, da sich die zwei Hauptdarsteller des Kalten-Krieges schwer unter einen Hut bringen lassen.

Von der amerikanischen und der russischen Seite simultan profitieren zu wollen, kann sich ein von Washington abhängiger und tief in die NATO eingebetteter Staat wie die Türkei nicht erlauben.

Das fehlgeschlagene Regime-Change-Projekt in Syrien ist zum Fluch für die Türkei geworden. Unentwegt auf das falsche terroristische Pferd setzend, hat Ankara sich blindlings ins Verderben gestürzt.

Von der Fehleinschätzung in Bezug auf den Überlebenswillen der Assad-Regierung und der syrischen Bevölkerung, bis zu den eigens aufgebürdeten Kurden bezogenen Problemen.

Die türkischen Probleme sind hausgemacht, und rühren überwiegend von dem in der Einleitung angesprochenen egozentrischen Spagat zwischen zwei Weltmächten her.

Je nachdem die Lage es hergab, hat man sich auf die eine oder andere Seite geschlagen. Gerieten etwa türkisch gestützte Al-Qaida Ableger in Bedrängnis und sahen ihrem Ende entgegen, wie im September vergangenen Jahres als die in Idlib eingenistete HTS (Al-Nusra, Hayat Tahrir al-Sham, Al-Qaida) damit rechnen musste von Damaskus und Moskau annihiliert zu werden, bediente sich der türkische Präsident höchstpersönlich amerikanischer Medien um seinen Aufschrei zu amplifizieren.

Was darin resultierte das Washington sich einklinkte um dem Treiben ein Ende zu setzen, und Notfallsitzungen im UNO-Sicherheitsrat anberaumt wurden Der Al-Qaida Hafen Idlib wurde somit vor dem Untergang bewahrt.

Ergo kommt Ankara der NATO-Status gelegen, um seine unerwünschte Okkupation mittels Heerscharen von Dschihadisten-Divisionen aufrechtzuerhalten.

Wissend das bei jedweden Angriff auf in Syrien stationierte türkische Soldaten der NATO- Bündnisfall in Kraft treten würde, und ein derartiges Szenario ein gefundenes Fressen für die Vereinigten Staaten wäre, sehen Moskau und Damaskus von solch einem eskalierenden Schritt ab. Artikel 5 des NATO-Vertrags lautet:

Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen wird; sie vereinbaren daher, dass im Falle eines solchen bewaffneten Angriffs jede von ihnen in Ausübung des in Artikel 51 der Satzung der Vereinten Nationen anerkannten Rechts der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung der Partei oder den Parteien, die angegriffen werden, Beistand leistet, indem jede von ihnen unverzüglich für sich und im Zusammenwirken mit den anderen Parteien die Maßnahmen, einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, trifft, die sie für erforderlich erachtet, um die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets wiederherzustellen und zu erhalten.

Von jedem bewaffneten Angriff und allen daraufhin getroffenen Gegenmaßnahmen ist unverzüglich dem Sicherheitsrat Mitteilung zu machen. Die Maßnahmen sind einzustellen, sobald der Sicherheitsrat diejenigen Schritte unternommen hat, die notwendig sind, um den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit wiederherzustellen und zu erhalten.“

– Der Nordatlantikvertrag: Washington DC, 4. April 1949 (Quelle: Wikipedia)

Dieses Gebaren zeigt Moskau auf das es mit einer Fahne im Wind zu tun hat. Insbesondere müsste dem Kreml aufgefallen sein, das je mehr die US-gestützten kurdisch dominierten SDF von den USA mit Waffen und Geld zugeschüttet wurden, desto mehr suchte die Türkei die Nähe zu Russland um seinem amerikanischen NATO-Partner vermutlich eins auszuwischen.

Das türkische Mea culpa in Bezug auf den Abschuss des russischen Kampfjets wäre wahrscheinlich nicht erfolgt, hätten sich die Dinge am Boden zu Gunsten der Türkei entwickelt.

Sprich die Terroristen die Oberhand gewonnen hätten und die syrische Regierung gefallen wäre. Das geopolitische Schachfeld stetig strategisch ins Auge fassend, machte Moskau eine Versöhnung mutmaßlich von weitreichenden Kontrakten abhängig.

Russland muss sich im Klaren darüber gewesen sein das die Amerikaner mit den Türken aneinander geraten würden, wenn Letzterer erwägt Rüstungsverträge mit dem “Erzfeind” zu unterzeichnen.

Ferner ist es nicht nach dem Gusto von Washington, das anhand des Turkstream-Projekts russisches Gas über die Türkei nach Europa fließt, und Moskau Kernkraftwerke auf türkischem Boden errichtet.

Waffen und Energie! Die zwei Domänen die die USA in Rage versetzen, wenn sie keinen Einfluss auf sie haben. Russland ist zwar teil des trilateralen Astana-Formats ( Russland, Iran, Türkei), doch dürfte hinsichtlich der inhomogenen Konstellation des Bundes ernüchternd in die Zukunft blicken.

Bekanntlich sind Russland und Iran Unterstützer der syrischen Regierung, während die Türkei verträumt an 100 000 überwiegend ausländischen Jihadisten festhält und entgegen der Verlautbarungen etlicher Astana-Kommuniques die territoriale Integrität Syriens mitnichten wahrt.

Der ungebetene Gast hätte das sinkende Schiff längst verlassen sollen, wie es ihm von seinen russisch-iranischen Partner kontinuierlich nahegelegt wurde.

Hingegen erfolgten stets weitere verbale Beteuerungen und Hinhaltetaktiken, die permanent in unfruchtbare Vereinbarungen mündeten.

Waffenstillstände; entmilitarisierte Zonen; Terroristen-Auslesen die nicht existente moderate von extremistischen Kämpfern trennen sollten. Alles Maßnahmen die darauf hinausliefen, das das Al-Qaida Kalifat Idlib in seiner derzeitigen Form bestehen bleibt.

Ankaras Ambitionen die Assad Regierung zu stürzen, beinhaltete die bedingungslose Unterstützung für die bewaffnete Opposition. Dieses Behagen führte schließlich zum Einfall der ISIS und Al-Qaida.

Was laut dem US-Verteidigungsnachrichtendienst seit dem Ausgang des Syrien-Konflikts eine erwünschte Entwicklung gewesen ist, und von den regionalen unterstützenden Mächten der Opposition (Saudi-Arabien, Katar, Türkei, Jordanien) gefordert wurde.

Im Jahr 2014 war für den Islamischen Staat im Irak (ISI) die Zeit gekommen, um eine weiträumige Einverleibung syrischer und irakischer Landesteile einzuleiten.

Dabei geriet die überwiegend von Kurden besetzte Stadt Ain al-Arab (Kobane) ins Visier der Terroristen-Organisation. Der IS übernahm die Stadt in Handumdrehen, und vertrieb und versklavte nebenher die in der Region ansässige jesidische Ethnie.

Dieses Kriegsspektakel erwirkte einen internationalen Aufschrei, und die Reinkarnation der kurdischen Aspiration nach einem eigenen Staat. Der Rückeroberung von Ain al-Arab halber formierten sich diverse kurdische Kräfte, einschließlich der Volksverteidigungseinheiten (YPG), die von den USA unter die Fittiche genommen wurden um ein weiteres Pferd im Rennen zu haben, falls der ursprüngliche Plan zur islamistischen Übernahme Syriens scheitern würde.

Wie der ehemalige US-Außenminister unter der Obama-Administration, John Kerry 2016 unverblümt proklamierte, tendieren die USA dazu eine Zergliederung Syriens anzustreben. Also Washington zog von Beginn des Konflikts an in Betracht, das die syrische Regierung womöglich länger an der Macht bleiben könnte und ein Plan B vonnöten sein würde, um hegemoniale Ambitionen umzusetzen.

Hingegen braucht solch ein immenses Vorhaben einen abtrünnigen Bevölkerungsteil, der sich dazu bereit erklärt gegen die Interessen seines Heimatlandes zu agieren.

Es ist kein Geheimnis das den Kurden seit Dekaden vorschwebt, einen eigenen Staat zu gründen. Den Amerikanern kam dieser ungebrochene Wille schon zuvor im Irak zugute, wo aufgrund der Kooperation zwischen den irakischen Kurden und der US-Armee es ein Leichtes für die amerikanischen Streitkräfte war 2003 im Norden des Landes einzufallen, um alsbald Bagdad einzunehmen und Saddam Hussein zu verjagen.

Die amerikanische Vergütung für das Entgegenkommen war die Schaffung eines kurdischen Autonomiegebiets, das bis dato mit der irakischen Regierung ein angespanntes Verhältnis pflegt.

Unmittelbar nach der erfolgreichen Rückeroberung Ain al-Arabs im Jahr 2015, gründeten diverse kurdische Einheiten auf Geheiß der USA die Syrisch Demokratischen Kräfte (SDF). Dieser Schritt erfolgte vermutlich zur Verschleierung der Tatsachen, nämlich das man eine augenscheinliche Liaison mit Milizen eingegangen ist auf die Ankara nicht gut zu sprechen ist.

Die SDF wurden offiziell zum ISIS-Hunter deklariert und von den Amerikanern bis an die Zähne bewaffnet. Die Autonomie bereits in der Luft schmeckend nahm der von kurdischen Milizen dominierte US-Verbund es sich heraus im darauffolgenden Jahr ein Pseudo-Autonomiegebiet namens Rojava auszurufen, jenes sich über den Norden Syriens erstrecken soll.

Die darauffolgende Zerstörung und Besatzung Rakkas und der jüngste Pyrrhussieg gegen den IS im östlichen Deir-Ezzor, führten zu weiteren Gebietserweiterungen der SDF und zeugen von der Umsetzung des angesprochenen Plan Bs der Amerikaner, die Zerteilung des syrischen Hoheitsgebiets.

Alle diese Entwicklungen gingen natürlich nicht spurlos an der Türkei vorbei. Hingegen hat die türkische Führung das beschriebene Erstarken der kurdischen Fraktionen permanent begünstigt.

Haben türkische Geheimdienste etwa nicht in Betracht ziehen können, das die syrischen Kurden die kleinste Chance ergreifen würden um ihre Agenda voranzutreiben.

In dem Buch 10 Tage im Islamischen Staat erläutert der Autor Jürgen Todenhöfer, das ihm ein kurdischer Peschmerga Kommandeur in Erbil,Irak nahegelegt habe, das der Islamische Staat für die Kurden wie gerufen gekommen sei, da somit der kurdischen Sache neues Leben eingehaucht worden sei. Sprich die Verwirklichung des eigenen Staates ein großes Stück näher gerückt sei. Zudem sagte der Kommandeur das sie die überschüssigen von den Amerikanern gelieferten Waffen, an den IS verhökern würden, so Todenhöfer.

Kurzum die von der anti-Assad-Allianz ins Rennen geschickten Rebellen aka. Terroristen trugen dafür Sorge, das die Nemesis der Türkei bedrohliche Größe erlangte.

Vor diesem Hintergrund könnte man glatt spekulieren das Ankara die Macht der syrischen Kurden dermaßen anwachsen ließ, um daheim und auswärtig einen Vorwand parat zu haben um die türkische Besatzung in Syrien zu expandieren.

Wie es sich schließlich in Afrin abspielte. Wohingegen keine US-Soldaten und SDF-Kräfte stationiert waren, sondern nur der YPG-Ableger. Anders verhält es sich in Manbij wo die US-Armee Basen betreibt und die SDF präsent sind.

Seitdem sich das Blatt gegen die Türkei wendete und hinsichtlich der kurdischen Nemesis die Stimmen in Ankara lauter wurden, verlautete es aus türkischen Regierungskreisen das man beabsichtige zunächst Manbij, und daraufhin den gesamten Nordosten des Landes von SDF-Kräften zu befreien.

Angesichts Trumps unbeholfener Sprunghaftigkeit ging die Türkei für ein paar Wochen gar davon aus, das sie die Chance geboten bekäme ihre Androhungen in die Tat umzusetzen. Indes ist der US-Oberbefehlshaber längst bekehrt worden und die USA haben sich dazu entschlossen ihre Okkupation auch im Nordosten Syriens beizubehalten, und unter Einbeziehung internationaler Kräfte auszuweiten. Demnach ist Ankara ein Strich durch die Rechnung gemacht worden, und eine Offensive auf kurdische Milizen wird es aller Voraussicht nach nicht geben.

Anlässlich des 70. Jahrestags der NATO trafen sich die Vertreter der Bündnispartner jüngst in der US-Hauptstadt Washington. Auf heimischem Boden fühlten sich die Amerikaner dazu berufen einigen “Partnern” zu zeigen wo der Hammer hängt, einschließlich der Türkei.

Während seiner Ansprache vor versammelter Audienz sagte der amerikanische Vizepräsident, Mike Pence, das es nicht angehen könne das ein Bündnispartner von Gegnern wie Russland Waffen erwerbe. Pence ging spezifisch auf das russische S-400 Luftabwehrsystem ein, das laut dem Vizepräsidenten für satte $2.5 Milliarden über den Ladentisch gehen soll.

Der US-Regierungsvertreter ließ die Türkei wissen das sie mit folgenschweren Konsequenzen rechnen müsse, sollte sie an dem Erwerb festhalten. Nur einige Stunden zuvor behauptete der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu, das der S-400 Deal in trockenen Tüchern sei und daran nichts zu rütteln gäbe.

Am Rande des NATO-Jubiläums wurde Ankara zudem abermals verdeutlicht, das es sich jegliche Offensive im Nordosten abschminken könne. Der US-Außenminister Mike Pompeo schlug ähnliche Töne wie Pence an, und warnte vor drastischen Konsequenzen sollte die Türkei sich wagen den kurdischen Milizen auch nur ein Haar zu krümmen.

Das die USA durchaus in der Lage sind der Türkei erheblichen Schaden zuzufügen demonstrierte der US-Präsident Donald Trump vergangenen Jahres als er mit einem Tweet den türkischen Lira in den Keller stürzen ließ. Seither hat sich die türkische Währung nicht wirklich erholen können. Sanktionen sind das präferierte Instrument Washingtons um Staaten zugrunde zu richten. Die Türkei ist eines der Länder das aufgrund seines erhöhten Erwerbs von iranischem Erdöl, von Washington einen Waiver bekommen hat. Also noch nicht auf der Liste der Staaten landet die ihre Käufe zu nullifizieren haben. Die Betonung liegt auf noch!

Verf.R.R.

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