Fall-Kashoggi: CIA nimmt mit Hinweis auf MBS der Türkei Wind aus den Segeln- Fetullah Gulen kein Faustpfand mehr (Meinung)

Die Kashoggi-Krise hat mit der Einschätzung der CIA gehörig an Fahrt aufgenommen. Der US-Auslandsgeheimdienst ließ verlauten das man zu dem Entschluss gekommen sei, das der berüchtigte saudische Kronprinz Mohammed Bin-Salman (MBS) den Befehl zum Mord an den Journalisten erteilt habe.

Die Agentur habe nach Überprüfung multipler Quellen diese Schlussfolgerung gezogen verlautete es aus US-Medien. Zunächst schien der US-Präsident über die neuesten Erkenntnisse der CIA nicht unterrichtet worden zu sein.

Indes äußerte er das ihm am Dienstag ein Abschlussbericht vorgelegt würde, der ihm Aufschluss über die jüngsten Entwicklungen geben soll. In Bezug auf die von der Türkei übergebenen Audioaufzeichnungen von dem Mord, sagte Trump zu dem US-Nachrichtensender FOX-News das er die Aufnahmen nicht hören wolle. Es sei eine Aufnahme aus der Leid hervorgehe, und es sei nicht notwendig solchem Inhalt Gehör zu schenken. Er sei vollends über den Content unterrichtet, so der US-Präsident.

Inmitten dieser neuesten Entwicklungen hieß es in Medienberichten das das Weiße-Haus erwägen würde den in den USA ansässigen türkischen Kleriker Fetullah Gulen an die Türkei auszuliefern, um den Druck auf Saudi-Arabien zu mindern.

Ankara hat kontinuierlich nach Salami-Taktik stückweise brisante Informationen in die Medien lanciert, und Riad dazu forciert seine Version der Ereignisse fortwährend neu zu entwerfen.

Vor allem die sich im Besitz der Türkei befindlichen Audiomitschnitte von dem gesamten Szenario der Tötung, machen den Saudis schwer zu schaffen. Diverse türkische Beamte enthüllten einzelne Teile der Mitschnitte, und wiesen stets auf den Kronprinzen Saudi-Arabiens hin.

Sowie der Druck auf Riad wuchs so auch der auf Washington. Der Vorstoß der CIA erweckt den Anschein, das die Agentur dem US-Präsidenten in Sachen der Entschärfung von Druckmitteln noch viel beibringen kann.

Mit dem expliziten Hinweis auf MBS, hat die CIA die Zügel der Kashoggi-Krise wieder an sich gerissen und Ankara seine Trümpfe genommen. Donald Trump ist nun unter Zugzwang und muss aller Voraussicht nach schon Dienstag eine weitreichende Entscheidung treffen, die sich höchstwahrscheinlich auf die zukünftige US-Zusammenarbeit mit dem Kronprinzen Mohammed Bin-Salman auswirken wird.

Sollte der am Dienstag auf dem Schreibtisch von Trump erscheinende CIA-Bericht bewirken das MBS seine amerikanische Schützenhilfe einbüßt, würden sich viele erhitzte Gemüter beruhigen und der mediale Sturm abklingen.

Washington befindet sich nicht gerne in der gegenwärtigen Position. Sprich mit dem Rücken zur Wand! Somit musste der Spieß umgedreht werden, um das Narrativ unter Kontrolle zu bringen.

Die CIA will lieber eigens den Druck auf Saudi-Arabien ausüben können, und nicht die Türkei den Takt vorgeben lassen. Das das Weiße-Haus angeblich in Erwägung zog den meistgesuchten Mann der Türkei, Fetullah Gulen, auszuliefern, scheint ein Beweggrund für die CIA gewesen zu sein MBS nun doch fallen zu lassen.

Das Timing ist ziemlich suspekt, wenn man bedenkt das die CIA-Chefin Gina Haspel bereits vor vier Wochen über den Inhalt des Audiomaterials unterrichtet wurde.

Fetullah Gulen werden Verbindungen zur CIA nachgesagt. Das Contra-Magazin dazu:

Für die Neocons in den USA und die CIA war das Gülen-Netzwerk schon damals ein interessantes Ziel, um damit einen direkten Einfluss auf die (sunnitisch-)islamische Welt zu erhalten. Das Netzwerk der Gülen-Bewegung umfasst hierbei Moscheen, Koranschulen, Unternehmen, Medien und Stiftungen und verfügt hierbei über Assets im Wert von wohl mindestens 50 Milliarden Euro. Allerdings gibt es keine offizielle Organisation, weil alles durch die Hände Gülens und seiner engsten Vertrauten läuft und seine Anhänger gemäß seiner Anordnung stets im Hintergrund bleiben.

Die Angaben der CIA nehmen der Türkei den Wind aus den Segeln, und stellen den Status Quo wieder her der vor dem Mord an Kashoggi in Bezug auf Fetullah Gulen bestand.

Ankara beschuldigt Gulen der Strippenzieher des türkischen Coups der keiner war zu sein, und fordert seither von den USA den Kleriker auszuliefern. Das US-Außenministerium hat indes bestritten das das Weiße-Haus eine Auslieferung Gulens anstrebe und abermals wiederholt das man das von Ankara überreichte Material über den Kleriker evaluieren würde.

Saudi-Arabien bestreitet nach wie vor das Mohammed Bin-Salman, was mit dem Mord an Jamal Kashoggi zu tun hat. Mehrere saudische Amtsträger wiesen die Angaben der CIA zurück, und nahmen MBS weiterhin in Schutz. Der US-Nachrichtendienst gab auch Informationen preis, die den Bruder des Kronprinzen und saudischen Botschafter in den USA Khalid-Bin-Salman in den Fokus der Ermittlungen rücken.

Laut der CIA habe Khalid den Journalisten im Auftrag seines Bruders, in das saudische Generalkonsulat in Istanbul gelockt. Dies sei aus einem Telefongespräch zwischen Khalid und Kashoggi hervorgegangen, so die CIA.

Khalid Bin-Salman behauptete daraufhin das die CIA-Angaben aus der Luft gegriffen seien, und er das letzte mal mit Kashoggi im vergangenen Jahr schriftlich kommuniziert habe. Ein Telefonat zwischen den beiden habe nie stattgefunden, und er habe den Journalisten schon gar nicht dazu bewegt sich in die Türkei zu begeben, so der Bruder von MBS.

Für den Deep State und für Trump ist die Exkommunikation von MBS wahrscheinlich unabdinglich, um Saudi-Arabiens Image halbwegs wieder aufzupolieren. Der am meisten gestopfte Waffenabnehmer weltweit, ist zu tief verstrickt in die geopolitische US-Agenda im Nahen-Osten, als das man ihn komplett abschreiben könnte. Aus Sicht der Amerikaner muss lediglich eine neue saudische Führungspersönlichkeit her, um Ruhe einkehren zu lassen. Wie es scheint strebt Washington dies nun verstärkt an.

Verf.R.R.

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