Seit Säuberungsaktionen herrscht Personalmangel in der Türkischen Luftwaffe

(Foto AP )
Orbisnjus sagt:

Die Türkei hat Medienberichten zufolge durch die auf den angeblichen Militärputsch nachfolgenden Säuberungsaktionen, einen Personalmangel der sich über die gesamte Türkische Armee erstreckt, jedoch besonders in der Luftwaffe zum Tragen kommt. Ankara ist gezwungenermaßen auf die Hilfe der NATO angewiesen, um,laut Experten, in ferner Zukunft das Personalloch schließen zu können und greift zur Zeit zu drastischen Maßnahmen, die zum Beispiel Zivilpiloten verpflichtend per Einberufungsbescheid in die Luftwaffe eingliedern.

 

Sputnik Deutschland :

Den türkischen Streitkräften fehlt Personal. Nach dem Putschversuch im Juli 2016 sind Tausende Offiziere aus dem Militärdienst entlassen worden, passender Ersatz aber ist schwer zu finden. Vor allem die Luftwaffe kämpft mit dem Fachkräftemangel, wie die Zeitung „Kommersant“ berichtet.

Besorgt ist demnach nicht nur die türkische Führung, sondern auch die Nato: Der türkischen Luftwaffe fehlen Hunderte Piloten, Ausbilder und Führungsoffiziere. Allein die Zahl der Luftwaffengeneräle hat sich in der Türkei nach dem Putschversuch im Sommer letzten Jahres fast halbiert – von 74 auf 42 Personen, berichtet die Nachrichtenagentur „Anadolu“ laut dem Blatt. Insgesamt sollen 1752 Piloten entlassen worden sein.

Um das Problem zu lösen, wirbt die Regierung dem „Kommersant“ zufolge den türkischen Fluggesellschaften die Piloten ab, reißt damit aber wiederum Riesenlöcher in deren Personaldecke. Doch das ist nicht alles.

Zunächst hat die türkische Führung die Mindestdienstzeit von Luftwaffenpiloten auf 18 Jahre erhöht. Im Jahr 2012 erst war der Pflichtdienst von Berufspiloten auf 13 Jahre verkürzt worden, weshalb Hunderte Flugoffiziere aus der Luftwaffe ausgetreten sind. Viele fanden eine Einstellung in der zivilen Luftfahrt, jetzt sollen sie per Dekret zum Militär zurück.Es ist jedoch nicht so, als wäre der Dienst in der türkischen Luftwaffe nicht lukrativ: Wie die Zeitung schreibt, bietet das Militär ein stabiles Einkommen und ein Bonusprogramm, um den Einkommensverlust durch den Wechsel in die Armee auszugleichen. Zudem werden die Fluggesellschaften gesetzlich verpflichtet, ausgediente Piloten wiedereinzustellen. Wen aber diese Vorteile nicht überzeugen, wird laut dem Blatt einfach gezwungen, in die Luftwaffe einzutreten: Sonst droht der Entzug der Fluglizenz für mehrere Jahre.

Auch für den Fall, dass türkische Zivilpiloten versuchen, jetzt noch schnell im Ausland einen Job zu finden, hat die türkische Regierung vorgesorgt. Die Piloten sind nämlich verpflichtet, ihren Dienst bei der Luftwaffe innerhalb von 15 Tagen anzutreten, nachdem sie den „Einberufungsbescheid“ erhalten haben. Innerhalb von zwei Wochen einen neuen Job finden? Scheint unmöglich.

Aber bis das neue Fachpersonal die lichten Reihen der türkischen Luftwaffe aufgefüllt hat, hofft Ankara laut dem Blatt auf Verstärkung der Nato. Die türkische Regierung hat demzufolge die Verbündeten gebeten, Ausbilder in die Türkei zu entsenden, um den nötigsten Bedarf zu decken. Die Allianz lässt sich jedoch offenbar Zeit damit, dieser Bitte zu entsprechen.Experten zweifeln indes, dass diese Maßnahmen das Problem wirklich lösen. Bis der Verlust ausgeglichen sei, würden Jahre vergehen. Und dabei steht die Luftwaffe mit dem Problem nicht alleine da: Auch in der Armee und der Marine ist die Führungsriege nach dem Putschversuch radikal gesäubert worden.

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