Ukraine Konflikt- Wird schweres Militärgerät Kriegswende bringen? Laut US-Militärexperten Zeit und Geldverschwendung. „Kurzfristige Adaption und Eingliederung unmöglich.“ „Handhabe und Instandhaltung langfristiger Ausbildungsbedarf“ (Video)

Die einem exaltierten Aktionismus verfallenden Strack-Zimmermanns und Hofreiters insistieren unentwegt, dass schweres Militärgerät die unmittelbare Kriegswende einleiten würde. Unser Bundeskanzler beteuert, dass die Waffen aus Deutschland dafür Sorge trügen, dass „Putin diesen Krieg nicht gewinnt“. Kurzum die Ampel ist sich einig darüber, dass es lediglich der Lieferung letaler Ausstattung an die Ukraine bedürfe, um den Kreml in die Knie zu zwingen.

Ist es wirklich so simpel? Oder spielen etwaig doch etliche ausschlaggebende Faktoren mit, die inmitten all des überschwänglichen Bellizismus untergehen? Wie simplifizierend Politiker und Leitmedien derweil über komplexe Militärausrüstung schwafeln, verleitet Beobachter mitunter anzunehmen, dass es sich um idiotensichere Plug & Play Technologie handelt. Doch die knallharte Realität sieht anders aus. Ferner kommt die humane Komponente hinzu. Eine Adaption und Eingliederung von multinationalen Luftabwehrsystemen, Panzern, Haubitzen, Überwachungstechnologien, Drohnen etc. ist nicht mal eben mit einem mehrstündigen Seminar getan, sondern bedarf monatelanger wenn nicht gar jahrelanger Ausbildung. Der Teufel steckt im Detail! Das Gesetz der unbeabsichtigten Konsequenzen, wiegt auch in dem Ukraine-Konflikt vor.

Der US-Veteran, Ex-Geheimdienstler, ehemalige UN-Waffeninspekteur und Militärexperte, Scott Ritter, ist unlängst in der auf dem russischen Nachrichtensender, RT, ausgestrahlten Sendung, Cross Talk, gefragt worden, ob die aus den USA erfolgten Waffenlieferungen in Milliardenhöhe, den Ausgang dieses Konflikts neu definieren würden.

Ritter erwiderte bemerkenswert argumentativ und plausibel:

Nein überhaupt nicht. Donald Rumsfeld traf seinerzeit die nunmehr berüchtigte Aussage: „Man zieht mit der Armee in den Krieg, die einem zur Verfügung steht.“ Und die Ukraine zieht mit einer Armee in den Krieg, die sie mal hatte. Und diese Armee wird stückchenweise besiegt. Es war einst eine gut organisierte und gut ausgerüstete Militärkraft. Doch laut Statistiken des russischen Verteidigungsministeriums, die meiner Auffassung nach ziemlich akkurat sind, haben sie 50 000 Opfer zu beklagen. Dabei handelt es sich um die Fronttruppen, deren Anzahl sich auf 160 000 belief. Momentan ist die Ukraine damit beschäftigt Reservisten zu mobilisieren. Ferner schicken sie schlecht ausgebildete Bataillone an die Front. Und gleichzeitig erwartet man von ihnen, dass sie komplexe westliche Militärausrüstung eingliedern? Das ist eine Selbstmord-Pille. Tatsächlich ist dies ein selbstbesänftigender Schritt des Westens, um sagen zu können: „Wir tun alles Mögliche, um den Ukrainern zu helfen.“ Doch unterm Strich sind die Ukrainer nicht in der Lage, das vom Westen gelieferte schwere Militärgerät effektiv einzugliedern. Das meiste davon haben sie noch nie zuvor verwendet. Hinzu kommt. dass sie keine Mittel haben, um die Instandhaltung zu gewährleisten, auch wenn sie die Geräte erhalten haben und diese bis zur Frontlinie gelangen. Eins kann ich Ihnen bestätigen. Im Krieg gehen Dinge zu Bruch. Und wenn es keine Leute gibt, die dies beheben können, bleibt es so. Demnach ist es unbrauchbar. Das einzige was der Westen damit garantiert ist, dass ukrainische Truppen, die mit dieser Ausrüstung antreten, im Gefecht sterben werden. Das ist eine traurige Realität.“

Nachdem ein anderer Gast der Sendung diese Analyse teilweise infrage stellte und argumentierte, dass es auf eine Pattsituation hinausliefe, entgegnete der Militärexperte:

Dies sind militärische Berechnungen. Ohne an dieser Stelle zu viel ins Detail zu gehen, kommt es heruntergebrochen schier darauf an, wie viel Feuerkraft man aufbringen kann, um ein bestimmtes Gebiet unter Beschuss zu nehmen. Die Fähigkeit der Ukraine eine großangelegte und effektive Feuerkraft aufzubieten, hat sich im Verlaufe des Gefechts signifikant verringert. Während Russlands zugenommen hat. Letztlich heißt das, wenn man 10 000 Munitionseinheiten braucht, um 100 Soldaten zu töten, feuert Russland 400 000 Kugeln auf sein Ziel ab. Wohingegen die Ukraine nur 4000 einsetzt. Also ist es eine Abnutzungsschlacht. Russland wird gewinnen. In keinster Weise, können diese militärischen Berechnungen aufgewogen werden.“

Zur umhergeisternden Spekulation, wie viel Russland erwäge vom ukrainischen Kuchen einzuverleiben, und zur angeblichen Intention des Westens den Konflikt zu „afghanisieren“, äußerte sich Ritter wie folgt:

Wir sehen bereits, dass Kiew nicht in der Lage ist ,die übrigen Landesteile zu kontrollieren. Doch noch wichtiger ist, dass das Wesen dieses Konflikts, unmittelbar vor einer dramatischen Veränderung steht. Zuvor sagte ich, dass Präsident Putin von einer speziellen Militäroperation sprach. Dieser Krieg expandiert darüber hinaus. Und er nimmt ein Ausmaß an, für das eine spezielle Militäroperation unzureichend gewappnet ist. Wir sprechen hier von einem potenziellen Konflikt mit Finnland, falls es ein NATO-Mitglied wird. Mit Moldau, falls es Transnistrien angreift. Mit Polen, falls es in die West-Ukraine einrückt. Russland ist ein Rechtsstaat, daher gehe ich davon aus, dass Russland etwaig die Modalitäten verändern wird und vom Status „Spezielle Militäroperation“, zum „Generellen Krieg“ übergeht. Woraus eine Mobilmachung, sowie ein dramatisches Überdenken des Kriegsausgangs resultiert. Die Ukraine wird aufhören zu existieren. Insofern hat Kiew soeben Selbstmord begangen. Es hätte diesen Krieg stoppen und überleben können. Ich denke sich vom Westen als Stellvertreter ausnutzen zu lassen, ist mehr oder weniger eine Garantie dafür, dass sie als Nationalstaat erledigt sind. „

Wenn sich Bundeskanzler Scholz mit seinen großen Versprechen Putin zu schlagen mal nicht mächtig verkalkuliert hat. Eins ist gewiss, der Öffentlichkeit werden viele Facetten dieses Konflikts vorenthalten. „Russische Propaganda“ hin oder her! Die beanspruchte Deutungshoheit lässt sich nicht schier durch reflexartige Zensur erhaschen. Wer in einer Debatte meint sein Gegenüber argumentativ und kommunikativ in den Grund und Boden stampfen zu können, der solle dies doch bitte beherzigen und Meinungsverschiedenheiten, Meinungsverschiedenheiten sein lassen. Überdies sollte man sich dafür engagieren Dialoge sakrosankt und Ismen-frei zu gestalten. Sobald man konträre Ansichten als Sakrileg betrachtet, umgehend ausklinken und Hilfe suchen.

Aut.R.R.

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