Afghanistan – Erwünschter Kollaps ? (Op-Ed)

Afghanistan, die Grabstätte der Imperien, hat ein weiteres Opfer gefordert und die abermalig geschlagenen Besatzungsmächte überschütten sich gegenseitig mit Schuldzuweisungen.

Allerhand bewusst verstreute Fehlinformationen sollen den Anschein erwecken, dass der Blitzkrieg der Taliban eine überraschende Wendung sei, die gar diverse Geheimdienste nicht vorhersehen konnten. Die amerikanische nachrichtendienstliche Gemeinde etwa, will sich diesen Schuh nicht anziehen und hat dementsprechende Fingerzeige kategorisch zurückgewiesen und bekanntgegeben, dass die Biden-Administration sämtliche dahingehenden Warnungen in den Wind geschlagen habe.

Vergangenen Monat bekräftigte der US-Präsident noch, dass eine zeitnahe Übernahme Afghanistans durch die Taliban unwahrscheinlich sei. Biden begründete seine ungetrübte Zuversicht mit dem Argument, dass die Afghanische Nationalarmee das Vermögen aufbrächte, die seit geraumer Zeit in Meilenschritten unbehelligt vorrückende Islamisten-Phalanx in ihre Schranken zu weisen. Zumal Ersterer „so gut ausgerüstet“ sei wie „jede andere Armee auf dem Erdball“.

In Sachen Kampfmoral hielt sich der US-Commander in Chief dennoch bedeckt. Was nützt eine Kriegsausrüstung im Wert von $88 Milliarden, wenn in die Flucht geschlagene Soldaten, das vom Westen zur Verfügung gestellte Militärgerät den Feinden kampflos überlassen? Jedes Geschütz ist nur so gut, wie der Wehrdienstleistende der es bedient.

Dasselbe Phänomen war ebenfalls 2014 beim medienwirksamen Einfall des Islamischen Staats im Irak zu beobachten. Mit US-Equipment bis an die Zähne bewaffnete irakische Streitkräfte nahmen ohne eine Kugel abzufeuern Reißaus, damit die zahlenmäßig deutlich unterlegene ISIS ihr zentrales Kalifat in der Stadt Mosul errichten konnte. Damals stellte sich allerdings schnell heraus, dass diese Machtübernahme von Washington begrüßt wurde. Aus veröffentlichten US-Geheimdienstdokumenten geht hervor, dass die Al-Qaida im Irak und all ihre Splittergruppen, als stärkste Kraft im Kampf gegen den syrischen Machthaber Assad angesehen wurde. Also ein Pferd auf das man setzen sollte, um einen Regime-Change zu erzwingen..

Auch damals tat die US-Regierung so, als ob die Emergenz der ISIS völlig überraschend kam. Präsident Obama äußerte 2016 gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN.

„Die Fähigkeit von ISIS, sich nicht nur innerhalb von Syrien zusammenzutrommeln, sondern auch großangelegte Landoffensiven zu initiieren die beispielsweise Mosul einnahmen, hatte ich nicht auf meinem nachrichtendienstlichen Radarschirm.“

Oh really Mr. President? Will ihr mit Drohnen, Satellitenüberwachung, Awacs-Flugzeugen und sonstigen hochtechnischen Aufklärungsgerät ausgestatteter Militär und Geheimdienstapparat, die Truppenbewegungen des IS tatsächlich nicht auf dem Schirm gehabt haben? Kilometerlange Konvois, die sich tagelang durch menschenleere Wüstenei begeben haben.

Ein Highway of Death, wie George Bush Senior ihn gegen bereits im Rückzug befindliche irakische Truppenverbände 1991 befehligte, hätte das Jihadisten-Kollektiv frühzeitig ins Paradies befördert und dem Irak und Syrien wäre die Schreckensherrschaft und ihre Auswirkungen erspart geblieben. Doch dies wäre der syrischen Regierung zugute gekommen und sofern ließ man den Islamisten-Zug gewähren.

Von den Iranischen Revolutionsgarden abgefangene Drohnen-Aufnahmen belegen zudem, dass die stationierten US-Kräfte in der Region das IS-Kalifat 24/7 aus der Luft überwachten und gar Exekutionen als Popcorn-Momente dargeboten bekamen, doch lange nichts dagegen unternahmen.

Und die anschließende totale Zerstörung des syrischen Raqqa ist sinnbildlich dafür, dass es Washington nie darum ging Kollateralschäden zu vermeiden. Außerdem berichtete gar die BBC damals, dass der türmenden ISIS Geleitschutz bereitgestellt wurde. Sprich es binnen der syrischen Grenzen lediglich zu einer Umsiedelung der Jihadis und deren Familienangehörigen kam.

Auch der ISIS-Exodus aus Raqqa bot mehrere Gelegenheiten, um mit dem von nachrichtendienstlichen Elementen durchsetzten Al-Qaida Sprössling kurzen Prozess zu machen. Doch geostrategische Vorstellungen Uncle Sams sahen schon immer darauf ab, in der volatilen Nah-Ost-Region unentwegt Chaos zu schüren, um den militärischen industriellen Komplex seine Daseinsberechtigung zu verewigen. Frieden zuwiderläuft den Absätzen von Rüstungskonzernen.

Demnach drängt sich mit Blick auf die gegenwärtige Situation in Afghanistan die Frage auf, weshalb die Biden-Administration den seit Monaten vorrückenden Taliban keine militärischen Verluste beigebracht hat. Ein paar kräftige Luftschläge auf Konvois, die sich fernab der Zivilisation durch Niemandsland bewegen, hätten durchaus einen Unterschied gemacht und die Verhandlungsbasis neu austariert. Ständige verheerende luftgestützte Nadelstiche, die zumindest die ergatterten Militärgeräte vernichtet hätten, würden den Kriegsverlauf anders strukturieren.

Die afghanischen Streitkräfte verfügten vor der Übernahme der Taliban über eine Kampfjetflotte, derer Wartung hingegen durch private US-Militärdienstleister erfolgte, die wiederum seit Beginn des Jahres ihren Dienst eingestellt hatten.

Mit anderen Worten die afghanische Luftwaffe ist im Stich gelassen worden und die Amerikaner haben das Schauspiel am Boden aus der Luft genossen. Alles Zutaten für einen perfekten Sturm, denn nun niemand aufziehen sehen haben will.

Es stinkt wieder einmal nach erwünschtem Kollaps. Uncle Sams waghalsige Abenteuer im Nahen Osten übersäen das krisengebeutelte Europa mit den Kalamitäten, die es für einen langwierigen demografischen Wandel bedarf. Um dem der Bevölkerungsexplosions-Theorie widersprechenden tatsächlichen Geburtenschwund in den Industrieländern Einhalt zu gebieten, haben die Vereinten Nationen etwa vorgeschlagen eine Ersatz-Migration anzustreben. Sprich Flüchtlinge aus aller Herren Länder sollen dieses Problem beheben. Siehe UN-Replacement Migration.

Und Flüchtlingsströme müssen mit den notwendigen Krisen in Bewegung gesetzt werden. Vor diesem Hintergrund tendiert man dazu die Possibilität in Betracht zu ziehen, dass Afghanistan abermalig vorsätzlich vom Regen in die Traufe befördert worden ist.

Für die Vereinigten Staaten sind die Taliban ohnehin keine fremden Verhandlungspartner. Waren sie doch nach dem Abzug der Sowjets infolge des zehnjährigen Afghanistan-Sowjetunion Kriegs (1989) 1994 als stärkste Kraft aus den westlich gestützten Mudschaheddins hervorgegangen und übernahmen zwei Jahre später den Pariastaat am Hindu Kusch.

Die damalig amtierende Clinton-Administration hatte einen Geheimplan für ein Pipelineprojekt ausgearbeitet und Afghanistan sollte eine Rolle als Transitland zukommen, für Öl und Gaslieferungen aus Zentralasien. Ohne Schlagzeilen zu machen wurde zwecks dieses Anliegens den Gotteskriegern gar in den USA der Hof gemacht. Inklusive umfassende Sightseeing-Tour. Menschenrechtsaktivisten machten diesem schmutzigen Deal letztlich einen Strich durch die Rechnung. Die Taliban kamen damals nicht in den Genuss saftige Gewinne durch Öl und Gasverkäufe einzustreichen.

Also schweben den nunmehr im Eiltempo abziehenden Nation-Buildern etwaig vor die alten wie man munkelt weitaus anspruchsloseren Verhandlungspartner zurück an den Tisch zu holen? Nicht zu vergessen, die Taliban sitzen auf einem Mineralvorkommen im Wert von einer Billion US-Dollar. Darunter Lithium und seltene Erden.

Und die USA entschieden sich 1996 gegen die afghanische Nordallianz, die der Clinton-Administration nahelegte, dass sie nicht weniger verlangt, als ein gleichwertiger Geschäftspartner betrachtet zu werden. Die Taliban gaben sich mit Militärausrüstung und Bargeldzuwendungen zufrieden. Selbstverständlich setzte die US-Regierung auf letzteres Pferd.

Also es ist nicht auszuschließen, dass die Vereinigten Staaten ewig gestrige Charaktere bevorzugen, um die Profitgier zu stillen. Sehen Sie auch dazu  Breaking the Silence– Truth and Lies in the War on Terror“ von John Pilger

Womöglich dient die Rückkehr der Taliban auch dazu bereits ausgemachte Militärinterventionen zu rechtfertigen. Zwei Jahre Terror-Herrschaft ins Land ziehen lassen und mit einer alles „zerberstenden“ NATO-Koalition zurückkehren, um die nächsten zwanzig Jahre den Lockheed Martins, Boeings und Northrop Grummans Billionen in den Rachen zu werfen, wäre auch eine Option. 2.2 Billionen Steuergelder hat Uncle Sam sich die Intervention am Hindu Kusch kosten lassen, um vorerst einem Phantom alias Bin Laden hinterherzujagen. Den mutmaßlichen Drahtzieher des elften Septembers, der den größten Terror-Anschlag auf amerikanischem Boden aus einer Höhle in Afghanistan koordiniert haben soll. Wers glaubt…

In der Politik passiert nichts zufällig. Wenn es doch passiert, war es so geplant,“ sagte der ehemalige US-Präsident, Franklin Delano Roosevelt einmal.  Der neu aufgelegte Saigon Moment und die dramatischen Szenen an Kabuls internationalen Flughafen, können nicht darüber hinwegtäuschen. Die medial transportierte Dramaturgie ist kein Zufallsprodukt.

Die Grabstätte der Imperien lässt man bewusst im Chaos versinken, um das nächste Kapitel in der Agenda 2030 aufschlagen zu können. Wir werden schon bald in Erfahrung bringen, welche Überraschungen dieses aufzubieten hat.

Aut.R.R.

Saigon moment daramatische Szenen Flughafen Kabul

Ein Kommentar

  • Das erste Bild, mit dem Flugzeug und den Menschen darunter ist mit ziemlicher Sicherheit gestellt. Allein der Lärm und die Hitze der Triebwerke würden einen Aufenthalt darunter unmöglich machen. Die Cockpitfenster haben keine Rahmen, die Turbinen keine Schaufeln. Desweiteren sieht man in der Filmsquenz wie ein Mensch seelenruhig auf einem Radkasten sitzt und ins Handy schaut, wohlgemerkt bei laufenden Triebwerken. Und es gibt noch viel mehr seltsamkeiten.

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