Wo soll die Reise mit der Al-Qaida in Idlib hingehen ? Ankara und Moskau derweil wortkarg

Die sich fortwährend verschlimmernde Lage in Idlib hat in den vergangenen Wochen die türkisch-russischen Astana-Partner mehrmals zusammengeführt, um bisher nicht greifende Auswege aus der Misere zu finden.

Die eigentlich zur Auslöschung bestimmte Hayat Tahrir al-Sham ist stärker denn je, und hat die explosive Neujahrstimmung um Manbij und die sich daraus ergebende Fahrlässigkeit Ankaras sich zum Vorteil gemacht, und die vollständige Kontrolle über die im September vergangenen Jahres von Russland und der Türkei beschlossene “entmilitarisierte Zone” übernommen.

Der blauäugige Beschluss ringsum dem Gouvernement Idlib eine Waffen und Terroristen-freie Zone zu schaffen, war von Beginn an zum scheitern verurteilt. Was auf diverse Ursachen zurückzuführen ist.

Zunächst sei gesagt das Ankara sich schwer damit tut altgediente Söldner zu beseitigen, da sie im Grunde genommen strategisches inhumanes Gut sind das aufgrund seiner expandierenden Präsenz in Idlib eine Art Rückversicherung für einverleibende Ambitionen ist.

Demnach ist die Türkei nicht wirklich daran interessiert das die HTS von der Landkarte getilgt wird und im gleichen Atemzug die syrische Regierung Idlib zurückerobert.

Dieser aus Sicht Ankaras nicht zu verdauende Gebietsverlust, würde schnurstracks das Ende der türkischen Besatzung einleiten. Folglich schrie Ankara immer dann auf, als die Situation brenzlich zu werden schien.

Sprich die Mobilisierung von syrischen Regierungskräften und russischem Militär darauf hindeutete, das die HTS alsbald das Zeitliche segnen würde.

Wie im vergangenen Sommer als die syrische Armee nachdem sie die saudi-gestützte Jaish al-Islam in Douma eliminierte und die Restbestände der Terroristen-Fraktion von der türkischen Armee in Afrin mit offenen Armen empfangen wurde und infolgedessen der gesamte Süden des Landes von Terroristen befreit wurde, die Zeit gekommen war um sich dem ausufernden Dschihadisten-Pool in Idlib anzunehmen.

Entrüstet und erzürnt darüber das Damaskus doch tatsächlich damals vorhatte die letzte terroristische Hochburg auszumerzen, ging Ankara diplomatisch in die Vollen um den Untergang der HTS abzuwenden.

Die NATO-Partnerschaft kommt der Türkei stets zugute wenn sie indirekten Druck auf ihre “Partner” Russland und den Iran ausüben will, um ihren Willen in Syrien durchzusetzen.

Selbst Donald Trump musste eingestehen das er vor dem letztjährigen instigierten Aufruhr um Idlib, keine wirklichen Informationen darüber hatte was es mit dem Gouvernement auf sich hat. Hingegen drohte er unterschwellig Konsequenzen an, sollte die Assad-Regierung wagen auf Idlib vorzurücken.

Das Ergebnis dieser Art von Intervention waren die fruchtlosen russisch-türkischen Gespräche und oben erörterten Beschlüsse, die Ankara letztlich gaben worauf es erpichte.

Die humanitäre Lage instrumentalisierend gelangte die türkische Führung an ihr Ziel und bewegte Moskau dazu vorerst von der überfälligen Großoffensive abzusehen. Jedoch nur unter gewissen Bedingungen die von Ankara zu erfüllen seien.

Seit September 2018 ist viel beteuert, hingegen nichts umgesetzt worden. Das Ultimatum für die vollständige Etablierung der Pufferzone um Idlib wurde auf unbestimmte Zeit verlängert, womit man einräumte das sich die Dinge nicht in die angestrebte Richtung bewegen.

Seither hat die Türkei die folgenschwere Ausdehnung des HTS-Territoriums tatkräftig begünstigt, anstatt seine Pforten zur Hölle zu öffnen und ihre 80 000 angeblich “moderaten” Dschihadisten von der Leine zu lassen um die Al-Nusra zu bekämpfen. Da sich ideologisch kaum voneinander unterscheidende verhunzte Kreaturen schwer dafür gewinnen lassen waghalsige Abenteuer gegen die eigene Brut einzugehen, versuchte Ankara es erst gar nicht seine gestützten Fraktionen gegen die Al-Nusra in Idlib einzuschwören.

Wie bereits erwähnt hat die HTS im Januar die Initiative ergriffen und im Blitzkrieg-Modus sämtliche türkisch gestützten Terroristen-Kollektive in die Flucht geschlagen. Daraufhin die gesamte Provinz von Idlib eingenommen und Maßnahmen getroffen, die ihr Territorium von den türkisch besetzten Gebieten abgrenzt.

Wie das Nachrichtenportal Southfront mitteilte, soll der Al-Qaida Ableger die zwei Hauptstraßen ( Atme-Deir Ballut und Deir Samaan-al-Ghazzawiyya), und sämtliche Grenzübergänge zum türkisch besetzten Afrin blockiert haben.

Es hieß die HTS rechtfertigte die Maßnahmen mit der Gefahr, das ISIS-Kämpfer aus dem Euphrat-Tal in ihre Besatzungszone einfallen könnten. SDF-Gebiete und Afrin wurden als Gefahrenherde von der Al-Nusra gegenüber der HTS-Nachrichtenagentur Ibaa angeführt.

Unbehelligt vor den Augen von türkischen Beobachtungsposten hat die Al-Nusra innerhalb von zwei Wochen ihre Macht konsolidiert, und jeglichen Zweifel daran ausgeräumt das “moderate Kräfte”bei einer bevorstehenden Offensive der syrischen Armee nicht in die Schusslinie geraten.

Ohnehin ist die westliche konditionierte Masse dem medialen Mythos von “moderaten Rebellen” verfallen. In Bezug auf Idlib warnte allen voran die Türkei davor, alle Terroristen in Idlib in einen Topf zu schmeißen.

Obwohl das der einzig richtige Ansatz wäre um reinen Tisch zu machen. Diese Propaganda gehört der Vergangenheit an. Nun existieren keine nie dagewesenen moderaten Kämpfer im Gouvernement Idlib mehr, und die Ausrede ist somit gestorben.

Für die entgleiste Situation im Nordwesten Syriens bezichtigt Ankara bipolar zu einem mal Moskau und Damaskus, zum anderen seit neuestem Alliierte aus dem eigenen Lager. Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu beschuldigte jüngst “Mitglieder der US-geführten-Koalition” die Hayat Tahrir al-Sham zu unterstützen, um die im Rahmen der russisch-türkischen Vereinbarung beschlossene “entmilitarisierte Zone” zu sabotieren.

“Gewisse Partner der Koalition unterstützen die HTS. Erstens zur Aufkündigung des Idlib Memorandums. Zweitens. Gibt es Länder die große Anstrengungen unternehmen um die Gründung eines konstitutionellen Komitees zu verhindern nur weil wir es tun, “ so Cavusoglu gegenüber der Hürriyet Tageszeitung laut dem Portal Southfront.

Der türkische Minister behauptete zudem das einige Mitglieder der Koalition die HTS für Verstöße gegen das Pufferzonen-Abkommen bezahlen würden. Laut Southfront sei dies das erste mal, das ein hochrangiger türkischer Regierungsvertreter eingeräumt habe, das Militante die Abmachung verletzen.

Das Portal erörtert das trotz der Präsenz von türkischen Beobachtungsposten nichts unumstößliches auf die Beine gestellt worden sei, was den geringsten Anschein erwecken würde das die besagte Zone in absehbarer Zukunft realisiert würde. Sprich die Türkei rein gar nichts in diese Richtung unternommen habe. Cavusoglu ließ desweiteren verlauten:

“Die Russen haben ein Angebot zur gemeinsamen Kooperation vorgelegt. Sie sagen wir sollen sie (HTS-Terroristen) von dort entfernen,” womit er sich auf die Zone bezog.

Mevlut Cavusoglu ist dafür bekannt das er unter progressiver Selbstbeweihräucherung leidet. So hat er natürlich dahingehend nicht ausgelassen utopische Behauptungen aufzustellen, die Ankaras Präsenz in Syrien als entkräftend und friedensstiftend darstellen soll.

Demnach proklamierte Cavusoglu das die Gegenwart des türkischen Militärs in Idlib ,viele ausländische Militante dazu bewogen habe die HTS zu verlassen.

An türkischen Stellungnahmen die sich der Terrorismus-Bekämpfung widmen, ist abzulesen das Ankara die Al-Qaida an seiner Grenze nicht als wirkliche Bedrohung empfindet. Fortwährend fallen lediglich zwei Namen wenn die Türkei sich darum bemüht seine auf Syrien abgezielte Terrorismusbekämpfung zu erklären.

Die kurdische YPG und der Islamische Staat, die beiden Entitäten die ohne den initiierten syrischen Konflikt nie im Leben diesen Grad an Stärke erreicht hätten, sind für die Türkei offenbar die einzigen Kollektive die Gefahr ausstrahlen.

Die HTS wird mitnichten diesem Lager zugeordnet. Diese Haltung gibt Aufschluss darüber, weshalb die Al-Nusra in Idlib in der Lage ist ihren Islamischen Staat 2.0 kontinuierlich auszubauen.

Verf.R.R.

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