Nord-Irak- Kurdische Protestler stürmen türkische Basis und schlagen Soldaten in die Flucht- Modell für Syrien? (Meinung)

Im Norden Iraks ereignete sich ein Vorfall der richtungsweisend für die türkische Okkupation von Nah-Östlichen Ländern sein könnte. Laut Medienberichten seien bei türkischen Luftschlägen auf Stellungen der PKK im Norden des kurdisch-irakischen Autonomiegebiets zwei Zivilisten,
Bakhtiyar Hasan und Ziad Hituti, getötet worden.

Es hieß das die beiden Männer in der Nähe ihres Dorfes ,Jamki Tuii, auf Wanderschaft gewesen seien, als sie von den Luftschlägen erfasst wurden. Der daraufhin erzürnte Anteil der regionalen Bevölkerung marschierte zum Hauptquartier der türkischen Armee in dem Gouvernement Dohuk, und konfrontierte dortig stationierte türkische Soldaten, die nach kurzem Widerstand und der Eröffnung des Feuers auf den aufgebrachten Mob, sich gezwungen sahen das Weite zu suchen.

Woraufhin die aufgebrachten kurdischen Protestler die Basis erstürmten, ihren Unmut freien Lauf ließen und Militäreinrichtung und schweres Militärgerät erbeuteten oder in Brand steckten. In den sozialen Medien und diversen Portalen kursiert derweil diverses Videomaterial, welches die angespannte Lage und die Erstürmung der türkischen Basis veranschaulicht.





In Erwiderung auf den Verlust der Basis begann die türkische Luftwaffe über die Basis hinwegzufliegen, während Sicherheitskräfte am Boden versuchten die Lage in den Griff zu bekommen.

Das Nachrichtenportal Southfront erläuterte das solche Angriffe auf türkische Militärbasen im Norden Iraks sich noch nie zuvor zugetragen haben. Nichtsdestotrotz gehe man nicht davon aus das die Lage eskalieren würde, da die Türkei alle militärischen Handlungen formell mit der föderalen Regierung des Landes und der Kurdistan Regionalregierung (KRG) koordiniert.

Das Portal mag in diesem Punkt richtig liegen, dennoch zeugt dieser beispiellose Akt der Entrüstung davon wie die Dinge sich entwickeln können, wenn ein unerwünschter Okkupant über die Stränge schlägt und die Bevölkerung die Besatzungsmacht direkt konfrontiert.

Wie aus den Videos hervorgeht war das türkische Truppenkontingent mit der Situation total überfordert, da die Alternative zur Flucht blutig geworden wäre. Für einen kurzen Moment eröffneten türkische Soldaten zwar das Feuer auf die aufgebrachten Demonstranten, erkannten hingegen glücklicherweise den Ernst der Lage und zogen sich zurück.

Ein Massaker auf fremdem Boden, wäre wohl kaum angebracht gewesen. Neben dem Irak operiert die Türkei bekanntlich ebenfalls im Nachbarland Syrien, wo sie nördliche Ortschaften und Städte besetzt hält und unzählige Dschihadisten-Fraktionen beherbergt.

Auch dortig wandelt die Türkei auf einem schmalen Grat und Szenarien wie sie sich am Wochenende im Norden Iraks abspielten sind jederzeit möglich. Die wenigsten in von Ankara besetzten syrischen Gebieten begrüßen die Präsenz von stellvertretenden Terroristen, die sich aufgrund von Machtambitionen unentwegt an den Kragen wollen und die ausgebeutete und unterdrückte Bevölkerung als Leibeigene ansehen.

Die bis an die Zähne bewaffneten und zu tausenden in den Besatzungszonen eingenisteten Extremisten sind fast allesamt in türkisch gestützten Formationen eingegliedert, was sie zu einem verlängerten Arm der türkischen Armee macht.

Diese sich daraus ergebende zahlenmäßige militärische Überlegenheit, ist das Instrument was die Einwohner der Städte in Schach hält und Szenarien wie im Nord-Irak derweil noch verhindert. Unter dem Kommando der Türkei stehende Islamisten-Kollektive, wie die Ahrar al-Sham und die Noureddin al-Zenki Bewegungen, oder die Jaish al-Islam, haben sich willentlich eine abgrundtiefe abscheuliche Reputation zugelegt die unzählige Zivilisten in Angst und Schrecken versetzt.

Derer Präsenz in nördlich gelegenen syrischen Städten wie Afrin und Al-Bab ist unabdinglich um die türkische Okkupation aufrechtzuerhalten. Ohne “syrische Rebellen” wäre Ankara mitnichten in der Lage dermaßen in Syrien herumzuwildern.

Eigene Bodentruppen ins Rennen zu schicken um auf illusorische und eigens kreierte und heraufbeschworene Feinde Jagd zu machen, daran ist die türkische Regierung nicht interessiert. Das war sie noch nie. Zu schmutzig und undurchsichtig ist dieser Konflikt, als das man seine Nase zu tief rein stecken dürfte. Wenn andere Kräfte existieren die für einen die Dreckarbeit erledigen, greift man vorzüglich auf diese zurück.

Für großangelegte militärische Abenteuer auf “eigene Faust” sind die Türken schwerst von den Amerikanern abhängig. Die derweil ans Verschwinden denken und vor dem Abschied noch so viel wie möglich Chaos hinterlassen wollen.

Zudem kommt die letzte terroristische Metastase Idlib wo die jahrelang von der Türkei gestützte Al-Nusra (HTS, Hayat Tahrir al-Sham, Al-Qaeda) das Sagen hat und den Islamischen Staat 2.0 unter dem Schutzschirm von türkischen “Beobachtungsposten” fortwährend expandiert.

Dort verhält es sich wie in den übrigen besetzten Regionen. Die permanente Zurschaustellung von Macht anhand von öffentlichen Exekutionen und Bestrafungen und die Auferlegung von indoktrinierenden Repressalien, konditionieren die Zivilbevölkerung ja nicht aus der Reihe zu tanzen. Kritik an der HTS-Herrschaft wird mit dem Tode bestraft. Die Bevölkerung Idlibs ist praktisch machtlos und macht gute Miene zum bösen Spiel.

Mit dem Fuß im Nacken ist die Bewegungs und Meinungsfreiheit ziemlich eingeschränkt, beziehungsweise nicht gegeben. Auf einer Terrorherrschaft basierende Zustände sind nur solange haltbar, bis ein ebenbürtiges militärisches Gegengewicht erscheint um dem Treiben ein Ende zu setzen, oder wie im Falle Nord-Iraks die Bevölkerung die Initiative ergreift und die Sache selber in die Hand nimmt.

Letzteres ist aus den erläuterten Gründen in den türkisch besetzten und kontrollierten Gebieten in Syrien noch unwahrscheinlich. Im Nord-Irak waren die dortig stationierten unterlegenen türkischen Soldaten auf sich alleine gestellt, und spürten den Zorn der kurdischen Einwohner am eigenen Leibe. Wohingegen in Syrien circa 100 000 schwer bewaffnete Islamisten als Abschreckung präsent sind und zivile Widerstände vereiteln.

Sollte sich das Blatt alsbald wenden und die auf grünes Licht wartende syrische Armee rückt nach Idlib vor um die Al-Qaida auszurotten wird die gesamte türkische Okkupation wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Idlib ist das letzte Standbein das es zu brechen gilt.

Verf.R.R.

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