Fall Kashoggi: Nachdem Türkei Audioaufnahmen an diverse Länder übergibt, sickern weitere Details vom Mord durch

Seitdem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verlauten ließ, das die Türkei die Audio-Aufnahmen im Zusammenhang mit dem Mord an den saudischen Journalisten Jamal Kashoggi an eine Reihe von Ländern weitergegeben habe, sickerten mehrere diesbezügliche Details in den Medien durch.

Das libanesische Nachrichtenportal Al-Masdar-News verwies auf ein Al-Jazeera-Interview mit dem Leiter der Untersuchungsabteilung der türkischen Tageszeitung Daily Sabah, Nazif Karaman, der während des Gesprächs Details von den Audio-Aufnahmen preisgab.

Karaman zufolge seien die letzten Worte des ermordeten Journalisten gewesen „Ich ersticke…nehmen sie die Tüte von meinem Kopf…Ich bin klaustrophobisch!“

Der türkische Journalist mutmaßte das Kashoggi zu Tode erstickt sei, während eine Plastiktüte über seinen Kopf gezogen war. Laut den Aufnahmen habe die Tötung sieben Minuten gedauert.

Zudem behauptete Karaman das das in die Türkei eingereiste 15 köpfige Mordkommando 15 Minuten damit verbracht hätte, den Leichnam des Journalisten zu zerstückeln.

Unter den Ländern denen die Audio-Aufnahmen überreicht wurden, befinden sich auch Saudi-Arabien und die USA. Die CIA-Direktorin Gina Haspel soll während ihrer letzten Visite in der Türkei, die Aufnahmen zu Ohren bekommen haben.

Bisher wurde aus US-Regierungskreisen nicht bestätigt, das das Material von Ankara übergeben worden ist. Erdogan zufolge sei der saudische Geheimdienstoffizier zutiefst schockiert gewesen über den Inhalt der Aufnahme. Gegenüber Reportern äußerte der türkische Präsident:

„Alle diejenigen die darum baten haben die Audio-Aufnahmen von diesem Mord zu hören bekommen. Unsere nachrichtendienstliche Organisation hat nichts verheimlicht. Neben Saudi-Arabien, haben die USA, Frankreich, Kanada, Deutschland und das Vereinigte Königreich diese Aufnahme gehört. Der Inhalt des Materials ist ein wahres Desaster. Sogar der Geheimdienstoffizier der Saudis war schockiert als er der Aufnahme zuhörte und sagte:“ Dieser Typ ( der Täter)  nimmt vermutlich Heroin, nur ein Mann auf Heroin ist in der Lage so etwas zu tun.“ 

Am Montag berichtete die New York Times, das unmittelbar nachdem Kashoggi letzten Monat getötet wurde ein Mitglied des Killer-Kommandos einen Vorgesetzten am Telefon instruiert habe „seinem Boss“ mitzuteilen, das die Operateure ihre Mission erfüllt hätten. Das Blatt hob hervor das davon ausgegangen würde, das mit „Boss“ der saudische Kronprinz Mohammed Bin-Salman gemeint war und berief sich auf drei Personen die mit den Aufnahmen der Tötung Kashoggis vertraut sein sollen.

Obwohl der Prinz nicht beim Namen genannt worden sei, würden amerikanische Geheimdienstbeamte glauben das sich „ihr Boss“ auf den Kronprinzen bezöge.

Die drei nicht beim Namen genannten Personen sagten das Maher Abdulaziz Mutreb, ein Mitglied des Mord-Kommandos, den Anruf getätigt habe.

Dem Blatt zufolge sollen türkische Nachrichtendienstoffiziere amerikanischen Beamten mitgeteilt haben, das Mutreb, ein nahestehender Sicherheitsoffizier von Bin-Salman, mit einem Gehilfen des Prinzen kommuniziert habe.

Nichtsdestotrotz haben türkische Beamte verlauten lassen, das die Aufnahme den Kronprinzen nicht eindeutig implizieren würde. Was amerikanische Amtsträger wie John Bolton zum Anlass nahmen, den in Verruf geratenen Monarchen in Schutz zu nehmen.

Die türkische Tageszeitung Daily Sabah veröffentlichte derweil Röntgenbilder von dem Gepäck des Killer-Kommandos, die während der Sicherheitskontrollen am Flughafen in Istanbul entstanden sind.

Die Fotos zeigten eine lange Schere, ein Skalpell und ein Elektroschockgerät.

Inzwischen hat Kanada bestätigt das es ebenfalls mit dem Inhalt der Audio-Aufnahme vertraut ist. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau gab am Montag bekannt, das Geheimdienstbeamte die türkischen Aufnahmen gehört hätten und er mit Alliierten die nächsten zu vollziehenden Schritte besprochen habe.

Trotz der vermehrten Hinweise darauf das der Kronprinz Saudi Arabiens Mohammed Bin Salman hinter dem Mord an Jamal Kashoggi steckt, ist die Aussicht auf eine baldige Umstrukturierung der Thronfolge in der feudalen Golfmonarchie eher ungewiss. Sprich MBS weiterhin die unangefochtene Schaltzentrale für sämtliche saudischen internen und externen Angelegenheiten.

Wie in dem oben erwähnten NYT-Artikel geschildert wurde hat Trumps nationaler Sicherheitsberater, John Bolton, in Bezug auf den Inhalt der brisanten Audio-Aufnahmen Erleichterung ausgestrahlt, und explizit darauf hingewiesen das MBS durch die Aufnahmen nicht belastet würde. Ergo die USA wahrscheinlich keinen Druck auf das Königreich ausüben werden, um den berüchtigten Kronprinzen zu ersetzen.

Was die internationalen Aufschreie verhallen lässt, und die Strafmaßnahmen der Europäer lächerlich erscheinen lassen. Die Absicht einiger europäischer Staaten die Waffenverkäufe an Saudi-Arabien vorerst auf Eis zu legen, ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch ist dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein solange die USA und Groß-Brittanien sich dem nicht anschließen.

Verf.R.R.

 

 

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