Fall-Kashoggi: Saudi-Arabien bemüht sich sein Image aufzupolieren

Die Berichterstattung in Bezug auf den Mord an den saudischen Journalisten Jamal Kashoggi hat in den vergangenen Tagen stark abgenommen. Zwar haben türkische Behörden und Amtsträger bereits bekanntgewordene Informationen erneut hervorgehoben, jedoch hat man das Gefühl das die Untersuchungen allmählich im Sande verlaufen.

Neun Tage nach dem Mordanschlag im saudischen Konsulat in Istanbul entsendete die Golf-Monarchie ein Team, um die türkischen Behörden bei den Ermittlungen zu unterstützen.

Indes hat sich herausgestellt das sich die saudischen Ermittler nur nach Istanbul begaben, um herauszufinden inwiefern die immer noch nicht preisgegeben im Besitz der Türkei befindlichen Beweise belastend für die saudische Führung sein könnten.

Mitglieder von dem obersten Staatsanwalt Saudi-Arabiens, Saud al-Mojeb, angeführten Untersuchungsteam sollen sich sogar darum bemüht haben Beweise zu vertuschen, wie ein türkischer Beamter gegenüber der Tageszeitung Sabah äußerte.

Laut dem Beamten befanden sich unter dem entsendeten saudischen Ermittlern ein Toxikologe und ein Chemiker, die anstatt den Mord aufzuklären Spuren und Überreste beseitigt haben sollen, bevor den türkischen Behörden gestattet wurde das Konsulat zu durchsuchen.

Das türkische Blatt identifizierte die beiden beschuldigten saudischen Ermittler als Ahmed Abdulaziz Al-Janobi und Khaled Yahya al-Zahrani. In einem von der Washington Post veröffentlichten Gastbeitrag schrieb der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdogan, das er davon ausgehe das der Mordauftrag von höchster Regierungsebene erteilt worden sei, ohne spezifisch darauf einzugehen von wem die Rede ist. Nichtsdestotrotz glaube er nicht das König Salman diesen erteilt habe.

Ähnlicher Auffassung ist das Mitglied der königlichen Familie Prinz AlWaleed Bin-Talal, der gegenüber dem US-TV-Sender Fox-News äußerte, das eine Offenlegung der saudischen Untersuchung den Führer des Landes entlasten würde.

Al-Waleed bezog sich jedoch nicht auf König Salman sondern auf dessen Sohn den umstrittenen und kontroversen saudischen Kronprinzen Mohammed Bin-Salman (MBS).

“Ich rufe Saudi-Arabien mittels ihres Programms dazu auf die Untersuchungen so bald wie möglich öffentlich zu machen,” so Al-Waleed zu FOX-News. “Ich glaube das der saudische Kronprinz zu hundert Prozent bestätigt und entlastet wird.”

Vergangenes Jahr wurde Prinz-Alwaleed neben anderen wohlhabenden saudischen Geschäftsmännern und Prinzen im Ritz Carlton Riad unter Hausarrest gestellt. MBS ließ unter dem Vorwand der Korruptionsbekämpfung die halbe Elite Saudi-Arabiens einsperren, und spülte mindestens $100 Milliarden in die Staatskassen.

Damals hieß es in Medienberichten das die uneinsichtigen Monarchen und Businessmänner in dem 5 Sterne-Hotel von amerikanischen Söldnern gefoltert worden seien.

Darunter soll sich auch Prinz Al-Waleed befunden haben. Diesbezügliche Angaben sind stets von Bin-Talal zurückgewiesen worden. FOX-News teilte er mit, das die Inhaftierung “vergeben und vergessen sei”. Ferner stimmte er der saudischen Schilderung zu, das die Inhaftierungen aus dem Kampf gegen die Korruption resultierten. Dem fügte er hinzu: “Gottseidank hatten viele von denen die eingesperrt waren einen großen Reinigungsprozess.”

Interessanterweise ist der Bruder von Prinz-Al-Waleed unmittelbar vor seinem PR-Stunt  aus der Haft entlassen worden. Prinze Khalid bin- Talal soll ein Kritiker von dem Kronprinzen sein und geriet wie sein Bruder vor 11 Monaten unter die Räder der saudischen “Justiz”.

Der medienwirksame Vorstoß von Prinz Al-Waleed und die Entlassung seines Bruders muten an das womöglich eine Vereinbarung zwischen  Al-Waleed und dem saudischen Königshaus getroffen worden sei die den Medienauftritt abverlangte und im Gegenzug seinen Bruder freipresste.

Desweiteren soll mit der Entlassung von Al-Waleeds Bruder der Weltöffentlichkeit vermittelt werden das saudische Kritiker in Saudi-Arabien nicht in Gefahr geraten von der Bildfläche zu verschwinden, wie Jamal Kashoggi.

Dessen sterbliche Überreste nach einem Monat immer noch vermisst werden. Diesbezüglich merkte Erdogans Berater Yasin Aktay an, das er davon ausgehe das Kashoggis Leichnam in Säure oder Chemikalien aufgelöst worden sei, nachdem sie zerstückelt worden sei. Anders sei nicht zu erklären das die sterblichen Überreste einen Monat nach der Ermordung immer noch nicht entdeckt worden seien, so Aktay gegenüber AP wie die TAZ berichtete.

In einem Gespräch mit dem Nachrichtensender CNN forderten die Söhne Jamal Kashoggis von Saudi-Arabien die Herausgabe des Leichnams ihres Vaters.

“Alles was wir momentan wollen ist ihn auf dem Al-Baqi Friedhof in Medina zu begraben, gemeinsam mit dem Rest der Familie,” so Salah Kashoggi der älteste Sohn des ermordeten Journalisten.

Dem fügte er hinzu:” Ich habe darüber mit den saudischen Behörden gesprochen, und ich hoffe das dies bald geschehen wird.”

Hinsichtlich des Tathergangs vermieden es die beiden offensichtlich mitgenommenen Söhne Kashoggis  allzu sehr ins Detail zu gehen und taten dies als “Mysterium” ab das darauf wartet gelöst zu werden.

Sie seien in einen Strudel von medialen “Desinformationen” geraten, aus denen sie nicht schlau geworden seien. Ferner ließen sie verlauten das der König Saudi-Arabiens ihr vollstes Vertrauen genießen würde, das  die Verantwortlichen für den Mord zur Rechenschaft gezogen würden.

Vor dem Hintergrund das ihr Vater auf barbarische Weise beseitigt wurde, ist die reservierte und unkritische Haltung von den Söhnen des Journalisten nachzuvollziehen. Berichte über die vermeintliche Mitgliedschaft ihres Vaters in der Muslimbruderschaft taten sie als unglaubwürdig ab.

Zudem betonten sie das ihr Vater kein Dissident gewesen sei sondern daran geglaubt habe das die Monarchie stets für den Zusammenhalt Saudi-Arabiens gesorgt habe.

In den vergangenen 48 Stunden machten mehrere Medienberichte die Runde die darauf abzielen das angeschlagene Image Saudi-Arabiens aufzupolieren. Prinz Al-Waleeds positive Worte über die saudische Führung, die Freilassung dessen Bruders, und das CNN-Interview mit den Söhnen Kashoggis.

Alle drei suspekt aufeinanderfolgende Storys vertraten die Version das die saudische Führung von abtrünnigen Elementen hintergangen wurde, und sollten nahelegen das Andersdenkende nichts zu befürchten haben müssen.

Riad wird in kommender Zeit Millionen von Dollar in die Waagschale werfen, um derartige Medienkampagnen loszutreten. Die zutiefst untergrabene Reputation des Kronprinzen Mohammed Bin-Salman (MBS), soll aus Sicht der königlichen Familie alsbald wiederhergestellt werden.

Derweil scheint es so das der Hauptanwärter auf den Thron weiterhin die Staatsgeschäfte leiten wird. MBS sein Führungsstil sorgt nicht erst seit der Ermordung Kashoggis für Furore.

Seit seinem Griff nach der Macht in der königlichen Hierarchie, hat der Sohn von König Salman bewiesen, das er von diplomatischen Gepflogenheiten nicht viel hält. Um König zu werden musste MBS vorerst zum Kronprinz ernannt werden.

Im Sommer 2017 fand in Saudi-Arabien ein Coup hinter verschlossenen Türen statt. Der damalige Kronprinz und Cousin von MBS , Mohammed Bin-Nayef  (MBN) wurde damals routinemäßig von Mohammed Bin-Salman zum König bestellt, wo ihm nahegelegt wurde zwangsmäßig zurückzutreten.

Aus dem Königshaus verlautete es das MBN den Drogen verfallen sei, und somit sein Anrecht auf die Position des Kronprinzen verwirkt habe. Mohammed Bin-Salman solle seinen Platz übernehmen, hieß es in königlichen Kreisen.

MBN wurde nach seiner Amtsenthebung unter Hausarrest gestellt, und verschwand von der Bildfläche. Dies ist der Vorgeschmack für MBS seine despotische Regentschaft gewesen, die bis dato ihre Blutspur durch den Nahen-Osten zieht.

Der vom Westen vergessene Krieg im Jemen ist MBS sein Meisterwerk. Über drei Jahre lang ignorierten westliche Leitmedien und Politiker die desaströse humanitäre Lage am Golf von Aden.

Die saudisch-geführte Koalition hat fast die gesamte zivile Infrastruktur des Landes in Schutt und Asche gelegt und anhand einer Blockade die größte humanitäre Katastrophe der Neuzeit verursacht. Die ganze Zeit über eckte die Person MBS nicht beim Westen an. Erst die Ermordung eines Journalisten entfachte eine beispiellose mediale Entrüstung.

Verf.R.R.

 

 

 

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