Syrien: Türkei verschont die Al-Qaida geht jedoch gegen kurdische Terroristen vor- SDF stellen daraufhin Kampf gegen ISIS ein

Die Türkei sieht in Idlib davon ab gegen die Terroristen der Hayat Tahrir al-Sham (HTS, Al-Nusra, Al-Qaeda) militärisch vorzugehen, kniet sich jedoch erneut in anderen Gebieten rein um kurdische Terroristen zu bekämpfen.

Eigentlich soll Ankara sich damit befassen die HTS, aus der von Russland und der Türkei beschlossenen entmilitarisierten Zone zu befördern. Sollten nicht erfolgsversprechende Überredungskünste keine Früchte tragen, soll Ankara die Waffen sprechen lassen.

Der russisch-türkischen Konfliktvermeidungsvereinbarung zufolge, haben sich die HTS und ihr Gefolge aus dem Staub zu machen und alle schweren Waffen aus der Zone abzuziehen.

Bisher glänzte Ankara durch militärische Abstinenz, was sich in der Hybris wiederspiegelt die die HTS an den Tag legt. Seit dem Verstreichen des Ultimatums am 20.Oktober, haben die geächteten Extremisten-Fraktionen des öfteren bestätigt, das sie im Leben nicht daran denken ihren gegenwärtigen Eskalationskurs zu beenden.

Das sie es ernst meinen, legen etliche in den vergangenen Tagen ausgetragene Provokationen nahe. Mörsergranaten und Raketen auf Wohngebiete und SAA-Stellungen niederregnen zu lassen, sollten der syrischen Regierung vermitteln das Absprachen in jederlei Hinsicht missachtet werden.

Was die Bekämpfung der HTS in Idlib anbelangt müsste Ankara nicht einmal selbst Hand anlegen, sondern könnte sich der 50 000 Dschihadisten unter seinen Fittichen bedienen. Nichtsdestotrotz sieht Ankara davon ab seine Militanten von der Leine zu lassen, um sämtliche Al-Qaida Ableger auszulöschen.

Die türkische Inaktivität signalisiert der HTS, das sie ihre Aktivitäten nicht einschränken muss. Gutes Zureden bewirkt offensichtlich, das die Terror-Organisation Machtansprüche geltend macht und ihre Präsenz in der entmilitarisierten Zone zu expandieren gedenkt.

Die Ahrar al-Sham und Noureddin al-Zenki Bewegungen lagen weit vor ihrer Eingliederung in die türkisch gestützte Nationale Befreiungsfront (NLF), mit der HTS im Clinch.

Die einstigen Waffenbrüder geraten seit dem letzten Jahr fortwährend aneinander. Die internen Machtkämpfe sind keine Neuigkeit, und übertragen sich auf die türkisch gestützte NLF weil die Al-Zenki und Ahrar al-Sham in das Kollektiv eingegliedert wurden.

Die komplexe Verworrenheit im Dschihadisten-Pool von Idlib, ist ein Ergebnis der missglückten Regime-Change Agenda. Die HTS hat in den vergangenen Tagen im Nordwesten Aleppos mehrere in der Zone stationierte Stellungen der NLF angegriffen, und ihren Einfluss weiter expandiert.

Das Nachrichtenportal Southfront teilte diesbezüglich mit, das obwohl Ankara behauptet die Situation unter Kontrolle zu haben, die Entwicklungen vor Ort deutlich aufzeigen würden, das die Türkei und die HTS eine Vereinbarung getroffen hätten die der Terroristen-Gruppierung in der entmilitarisierten Zone freie Hand lassen würde.

Das die Türkei die HTS verschont, untermauern kontinuierliche Waffenstillstände zwischen türkisch gestützten Kräften und dem Terroristen-Verband. Nach zweitägigen Zusammenstößen zwischen der Hayat Tahrir al-Sham und der NLF, sollen die Parteien die Kampfhandlungen eingestellt haben und eine Übereinkunft erzielt haben.

Ankara fungierte wahrscheinlich abermals als Mediator. Also wenn die eigentlich für den Kampf gegen die HTS ins Leben gerufene NLF dazu angehalten wird Gefechte mit ihrem Pendant zu vermeiden, wie gedenkt die Türkei eigentlich das Problem aus der Welt zu schaffen? Sprich wie mit Moskau ausgehandelt den Al-Qaida-Ableger samt seiner Auswüchse zu beseitigen?

Das Ankara mit zweierlei Maß misst und anhand einer dubiosen Klassifizierung von Terroristen in Syrien vorgeht, ist kein Geheimnis mehr. Während die Türkei es vermeidet diverse Al-Qaida Ableger als Terroristen einzustufen und sie euphemistisch mit in den Rebellen-Topf schmeißt, schreit sie lauthals in Richtung kurdischer Terroristen auf, und lässt keine Gelegenheit aus auf die Syrisch Demokratischen Kräfte (SDF) und die YPG mit dem Vermerk Terroristen hinzuweisen.

Nicht das Ankara mit seinen Betitelungen unrecht hätte. Nichtsdestotrotz lässt die türkische Regierung denselben Enthusiasmus, in Bezug auf die Terroristen-Kollektive in Idlib vermissen.

Bisher hat das türkische Militär keine Kugel auf die ISIS und die Al-Qaida abgefeuert, jedoch eine Großoffensive auf Afrin eingeleitet und die kurdische YPG vertrieben. Marodierende türkisch gestützte FSA-Terroristen rückten in Afrin ein, und erschafften einen weiteren salafistischen Inkubator.

Es liegt zwar nicht im Interesse der Türkei, das die US-gestützten SDF östlich des Euphrats einen eigenen Staat errichten. Dennoch hat man in den sieben Kriegsjahren alles daran gesetzt, das die einst nicht mal nennenswerte Präsenz kurdischer Milizen exponentiell anstieg, um letztlich den Vorwand zu haben in Syrien einzufallen.

Die Türkei würde ohne ihre von ihrem NATO-Partner aufgebaute Nemesis, keine standhafte Rechtfertigung für ihre Interventionen haben. Wenn es eine Sache auf dieser Welt gibt die blindes Gehorsam von der türkischen Bevölkerung abverlangt, dann ist es kurdischer Terrorismus und seine Entitäten wie die PKK und ihre Ableger YPG und SDF.

Daher kam es wie gerufen, das die USA die SDF zu dem machten was sie heute sind. Seither heißt es in den gleichgeschalteten türkischen Medien, das die Türkei für die nationale Sicherheit in Syrien präsent ist.

Kurdische Entitäten lassen den Krieg auf fremden Boden für notwendig erscheinen. Ankara ist heilfroh, das sich die Dinge in Bezug auf die Kurden in Syrien so entwickelt haben.

Feindbilder erhält man aufrecht oder begünstigt sie um eigene Agenden voranzutreiben. Würden die kurdischen Milizen schon morgen aus Syrien verschwunden sein, wie wäre Ankara dann noch in der Lage weitere Gebiete für die ewig geplante Annektierung einzuverleiben?

Das die Türkei damit liebäugelt weitere illegal kurdisch besetzte Gebiete entlang ihrer Grenze selbst illegal zu besetzen, belegen die Aktivitäten des türkischen Militärs das seit ein paar Tagen in der Stadt Kobani SDF-Stellungen unter Beschuss nimmt.

Ankara hat des öfteren angekündigt die von Kurden besetzten Grenzgebiete östlich des Euphrats, unter seine Kontrolle bringen zu wollen. Interessanterweise meint die türkische Regierung dies zu einem Zeitpunkt durchführen zu wollen, zu dem sie eigentlich in Idlib aufräumen sollte.

Was ganz nach dem Gusto von Washington ist. Je mehr die Türkei dazu verleitet wird sich den kurdischen Milizen anzunehmen, desto mehr Chaos schürt sie in Syrien und vernachlässigt die Kooperation mit Russland.

Somit werden die Al-Qaida und die ISIS vor dem Untergang bewahrt. Bemerkenswert ist auch die Reaktion der SDF auf die jüngsten Angriffe des türkischen Militärs. Die US-gestützten Kräfte verkündeten, das sie vorerst die Militäroperation gegen die ISIS im Euphrat-Tal auf Eis legen würden, und begründeten dies mit den türkischen Angriffen auf Kobani.

“Wir informieren die Welt darüber, das die gegen unsere Truppen gerichteten türkischen Angriffe im Norden und die ISIS-Angriffe im Süden, uns dazu gezwungen haben die gegenwärtige Operation gegen die ISIS in ihrer letzten Hochburg einzustellen. Die andauernden türkischen Angriffe auf unsere Gebiete werden unsere Gefechte gegen die ISIS für lange Zeit auf Eis legen, und dies ist was die Türkei erfordert,” so die SDF.

Dem fügte die US-gestützte kurdische Terror-Miliz hinzu:

“Wir fordern von unseren Partnern in der US-geführten Koalition eine klare Haltung einzunehmen und die Türkei davon abzuhalten in der Region Angriffe durchzuführen, und der Eindämmung der ISIS mehr Chancen einzuräumen und diesbezügliche Unterstützung zu liefern.”

Die Einstellung der Militäroperation gegen die ISIS liegt ganz im Ermessen der USA, die aufgrund der unterlassenen Hilfeleistung gegenüber der SDF allmählich in Erklärungsnot geraten sind.

Die US-gestützten Kräfte mussten in den vergangenen Tagen im Euphrat Tal, schwere Verluste gegen die ISIS hinnehmen. Unbehelligt erstürmte der IS die erst kürzlich von den SDF eroberten Städte in Deir-Ezzor, und tötete dabei dutzende kurdische Kämpfer. Weder warnte die US-Koalition seine Stellvertreter vor den anrollenden ISIS-Konvois noch griff sie ein als die Terroristen die SDF-Milizionäre abschlachteten.

Washington will mitnichten das der Islamische Staat seinem Ende entgegensieht. Demnach kommt das türkische Ablenkungsmanöver in Kobani ziemlich gelegen, das offensichtlich darin mündet das die letzte IS-Bastion erhalten bleibt. Die SDF führten in ihrer Stellungnahme auch die ISIS-Angriffe im Süden als Begründung für die Einstellung der Kampfhandlungen an.

Was womöglich den Amerikanern signalisieren soll, das es den SDF dämmert das die USA es nicht so ernst nehmen mit dem Kampf gegen die ISIS. Der Zugzwang soll wahrscheinlich auf die amerikanische Seite verlagert werden. Soll das US-Militär doch einmal vorführen wozu es doch angeblich in der Lage ist und die ISIS ausmerzen.

Die Karten im Syrien-Krieg werden abermals neu gemischt! Die ISIS und die Al-Qaida werden von der NATO verschont, während kurdische Terroristen von den USA im Stich gelassen und von der Türkei angegriffen werden. Wie war das nochmal mit dem Kampf gegen den Terror?

Verf.R.R.

 

 

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