Fall-Kashoggi: Türkei ersucht unwahrscheinliche Auslieferung der Verdächtigen- Audioaufnahmen immer noch Verschlusssache

Während einer Ansprache vor Parteimitgliedern am Freitag forderte der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdogan, das Königreich Saudi-Arabien auf zu erörtern, wer das 15 köpfige Mordkommando befehligte den Journalisten Jamal Kashoggi in Istanbul zu ermorden.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters diesbezüglich mitteilte, sollen türkische Staatsanwälte ein Auslieferungsersuchen für die 18 Verdächtigen in dem Mord an Kashoggi vorbereitet haben.

Erdogan stellte in seiner Rede explizit die Frage “Wer hat diesen Befehl gegeben?…Wer hat den 15 Personen den Befehl gegeben in die Türkei zu kommen?” Zusätzlich sagte Erdogan das die Türkei im Besitz von mehr Informationen sei als sie bisher preisgegeben habe.

Anders als in seiner am Dienstag gehaltenen Ansprache vor dem Parlament in Ankara, ließ es sich Erdogan diesmal nicht nehmen auf den “Mann der Stunde” Kronprinz von Saudi-Arabien Mohammed Bin-Salman (MBS) hinzuweisen.

Der türkische Präsident betonte das er mit MBS geredet habe:

“Überdies habe ich dem Kronprinzen mitgeteilt “Sie wissen wie sie Personen zum Reden bringen. Was sich auch immer zwischen diesen 18 Personen abgespielt haben mag, dieses zwielichtige Treiben ist unter ihnen. Sollten sie dazu entschlossen sein den Verdacht zu entkräften, dann ist der Kernpunkt unserer Kooperation diese 18 Personen.”

Indes hat Riad seine Version der Ereignisse abermals nachgebessert. Der Staatsanwalt Saudi-Arabiens äußerte am Donnerstag das die Tötung Kashoggis vorsätzlich gewesen sei. Zuvor beharrte man kurzweilig darauf, das der saudische Dissident bei einem “Faustkampf” im in Istanbul ansässigen Generalkonsulat getötet worden sei.

Die Überzeugung von der Unschuld Bin-Salmans scheint bei dem US-Präsidenten allmählich dahinzuschwinden. Zu Beginn der Woche äußerte Donald Trump gegenüber Reportern das der Mord an Kashoggi blauäugig geplant und durchgeführt worden sei, und es handele sich um die “schlimmste Vertuschung in der Geschichte”.

Ferner deutete er in einem Gespräch mit dem Wall-Street Journal an, das womöglich MBS hinter dem Mord stecke. Auf die Frage hin ob der Kronprinz möglicherweise involviert gewesen sei antwortete Trump: “Nun der Prinz bestimmt dort die Dinge insbesondere auf dieser Stufe. Er bestimmt die Dinge, also wenn es jemand sein sollte dann er!”

Nichtsdestotrotz werden Strafmaßnahmen gegen das Königreich allem Anschein nach eher glimpflich ausfallen. Die Sanktionierung der Verdächtigen in dem Kashoggi Mord, wird wohl kaum angemessene Tragweite beinhalten.

Ein diesbezüglich deklariertes Einreiseverbot in die USA ist irrelevant, da an den Sündenböcken ein Exempel statuiert wird, und es nur eine Frage der Zeit ist bis die des Hochverrats verdächtigten Delinquenten ihrem Scharfrichter vorgeführt werden.

In Saudi-Arabien wird man wegen viel geringfügiger Vergehen hingerichtet. Die schwere des Delikts lässt keinen Spielraum. Riad wird im wahrsten Sinne des Wortes Köpfe rollen lassen, um die in dem Mord involvierten Elemente auszulöschen und alle Beweise mit ihnen zu begraben. Von einem beschleunigten Verfahren ist auszugehen.

Demnach wird das von der Türkei angestrebte Auslieferungsersuchen wohl ein Schuss in den Ofen, und kaum Beachtung seitens der Saudis finden. Alle Personen von Interesse werden den Machtbereich Saudi-Arabiens nie wieder verlassen.

Der de facto König Mohammed Bin-Salman wird sich darum bemühen, das nach dem bereits angerichteten Debakel nichts weiteres enthüllt wird was seine Glaubwürdigkeit noch weiter untergraben würde.

Das mutmaßlich von ihm entsendete Kommando in die Obhut der Türkei oder sonstwem zu übergeben, würde bedeuten das die Verdächtigen vermutlich Details preisgeben könnten die MBS seiner ohnehin in den Seil hängenden Reputation den Gnadenstoß geben würden.

Das einzige was den berüchtigten saudischen Monarchen noch den Kopf kosten könnte, jedoch derweil Ankara noch von absieht, wäre die Offenbarung der angeblich vorhandenen Audioaufnahmen von dem gesamten Ablauf des Mordes an dem Journalisten.

Laut Reuters habe die CIA-Direktorin Gina Haspel während ihres letztwöchigen Besuchs in der Türkei die Aufnahmen gehört und anschließend US-Präsident Trump diesbezüglich unterrichtet. Die laut diversen türkischen Quellen schockierenden Aufzeichnungen sind offensichtlich das prägnanteste Druckmittel im Fall Kashoggi.

Das Ankara es bisher vermeidet Nägel mit Köpfen zu machen und nicht wie zuvor verkündet “die vorhandenen Beweise mit der Welt” teilt, gibt Aufschluss darüber welche Richtung die Investigation einschlagen wird.

Zwar wird gegenwärtig in Europa darüber debattiert Waffenverkäufe an das Königreich einzustellen. Nur wird das ein Tropfen auf den heißen Stein sein, sollte es denn wirklich soweit kommen.

Solange Groß-Brittanien (23%) und die Vereinigten Staaten (61%) das saudische Regime weiterhin bis an die Zähne bewaffnen, wäre der geringe prozentuelle Anteil der durch ein unwahrscheinliches europäisches Embargo wegfallen würde, für Saudi-Arabien ein Klacks.

Verf.R.R.

 

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