Idlib- Entmilitarisierte Zone kollabiert vor ihrer Entstehung- HTS &Co nehmen weiterhin Wohngebiete mit schweren Waffen unter Beschuss

Der Türkei kam die Khashoggi-Krise ganz gelegen um von den domestizierenden Problemen und der Lage in Syrien abzulenken. Der von Ankara bereits als erfolgreich propagierte Plan zur Umsetzung einer entmilitarisierten Zone in Idlib, ist in den turbulenten Kashoggi Tagen immer weiter in den Hintergrund gerückt.

Indes hat sich herausgestellt das die Konditionen des russisch-türkischen Abkommens von den oppositionellen Terroristen-Kollektiven durchwegs missachtet werden. Weder gedenken die Hayat Tahrir al-Sham (Al-Nusra, Al-Qaida, HTS) und ihre Klone von der Bildfläche der Zone zu verschwinden, noch wurden wie eigentlich vereinbart sämtliche schweren Waffen abgezogen.

Ferner steht die Konfliktvermeidungsvereinbarung auf der Kippe, weil laut diversen Medienberichten nicht genauer spezifizierte in der Zone eingenistete terroristische Elemente, regelmäßig Wohngebiete in Aleppo mit Mörsergranaten und Raketen unter Beschuss nehmen.

Als Putin und Erdogan Mitte September im russischen Sochi die Idlib-Übereinkunft trafen und einen darauf basierenden Zeitplan zur Umsetzung präsentierten, wurde dies von diversen Experten und Beobachtern mit Skepsis aufgefasst.

Zu oft haben die radikalen Elemente in Syrien unter Beweis gestellt, das sie außer für die Sprache der Gewalt kein Verständnis zeigen. Und somit trat erwartungsgemäß ein was kritische Stimmen befürchteten.

Die HTS und ihr Gefolge halten an dem Eskalationskurs fest, und weigern sich fortan die russisch-türkische Lösung anzuerkennen. Entmilitarisierung komme für die Dschihadisten nicht in Frage, da es einer Kapitulation gleichkomme und ein Verrat an dem Jihad wäre, ließ die HTS in einer diesbezüglichen Stellungnahme verlauten.

Zwar sollen türkisch gestützte Fraktionen samt ihren schweren Waffen die demilitarisierte Zone bereits verlassen haben, jedoch ist dies nur eine geringe Anzahl, wenn man Medienberichten Glauben schenken darf die wiedergaben das 70% der Zone von der Hayat Tahrir al-Sham, der Islamischen Turkestan Partei (TIP) und der Horas al-Din besetzt gehalten werden.

Ankara befindet sich inmitten eines Rückschlags der sich aus der kontinuierlichen und beabsichtigten Zersetzung Syriens ergibt. Das NATO-Projekt das anhand terroristischer Unterwanderung die syrische Regierung stürzen sollte, ist gescheitert.

Alte Weggefährte werden allmählich zu potenziellen Feinden. Die Türkei war jahrelang der Brückenkopf für Terroristen aus aller Herren Länder die nach Syrien gelangen wollten. Ankara scherte sich nicht darum mit wem es ins Bett stieg. Ob die ISIS, Al-Nusra oder die Freie Syrische Armee FSA. Welches Kollektiv die Mission letztlich erfüllen sollte, spielte keine Rolle. Der Zweck heiligte die Mittel.

Nun haben Moskau, Teheran und Damaskus in den vergangenen drei Jahren den Laden mächtig aufgeräumt, und alles was nach Dschihadist riecht in Idlib konzentriert. Ankara das seit eh und je vor Ort präsent ist, hätte mindestens seit 2015 vor Augen haben müssen worauf die Lage in Idlib hinauslaufen würde.

Die fortwährend neu eintreffenden aus anderen Landesteilen expellierten Terroristen, verstärkten die Ränge der Gruppierungen in Idlib und ließen das jetzt zu beseitigende Problem rapide anwachsen.

Da die türkische Regierung trotz des negativen Trends dennoch auf Eskalation setzte, und die HTS & Co in ihrem Treiben bis dato unterstützt befindet sie sich derweil in der Zwickmühle.

Mit dem Spagat zwischen Russland und den USA hat die Türkei vielleicht mehr abgebissen als sie schlucken kann. Der Tanz auf mehreren Hochzeiten sollte gekonnt sein. Zum einen das fragliche Astana-Format unter der trilateral (Russland, Iran, Türkei) der Frieden in Syrien herbeigeführt werden soll, zum anderen die Gebundenheit an die USA die endlose Kriege anvisieren und den Regime-Change oder eine Zergliederung Syriens anstreben.

Diese zweigliedrige Borderline-Agenda ist nicht miteinander zu vereinbaren. Was sich nun in aller Deutlichkeit in Idlib aufzeigt. Die Abwendung der Militäroperation zur Befreiung des letzten terroristischen Schandflecks war nach Gusto der Türkei.

Moskau willigte jedoch nur ein sich der Etablierung der entmilitarisierten Zone zu widmen, wenn Ankara Taten folgen lässt und seine dschihadistischen Zöglinge in den Griff bekommt, was offenbar nicht gelingen will.

Die iranische Nachrichtenagentur FARS-News berichtete unter Verweis auf die arabischsprachige Al-Watan Tageszeitung, das die türkisch gestützte Ahrar al-Sham es begrüßen würde wenn die syrische Armee (SAA) in die Offensive gegen die in der Zone ansässige HTS gehen würde.

Das Blatt zitierte Quellen die verlauten ließen das die türkisch gestützten Militanten akzeptieren würden, das die SAA die totale Kontrolle in der sogenannten “waffenfreien” Zone übernehmen würde, da die Hayat Tahrir al-Sham gegen das Abkommen verstoße und sich weigere die Blockaden von den Aleppo-Hama und Aleppo-Lattakia Bundesstraßen aufzuheben.

Zudem hieß es in dem Artikel das sich die türkisch-gestützten Extremisten an keinem Gefecht gegen die HTS und ihre Ableger beteiligen würden, weil die Türkei nicht gewillt sei sie zu bekämpfen in der Befürchtung man werfe seine Interessen in Idlib über den Haufen, und gerate in Gefahr seine von Extremisten besetzten südlichen Grenzen mit Syrien in Mitleidenschaft zu ziehen.

Die Geduld der syrischen Armee neigt sich langsam dem Ende zu. Die permanenten Verstöße gegen die Konfliktvermeidungsvereinbarung seitens der HTS&Co, bestätigen das die entmilitarisierte Zone in der jetzigen Form nicht zustande kommen wird. Indes rumorte es das sich die syrische Armee derweil für eine Militäroperation vorbereite um die ungefügigen Terroristen aus der festgelegten Zone zu befördern.

Diesbezüglich ließ der syrische Verteidigungsminister General ‘Ali ‘Abdullah Ayoub verlauten, das unabhängig von den Versuchen der USA und der Türkei das Gouvernement Idlib aus dem Kontrollbereich von Damaskus fernzuhalten, die Provinz wieder in das Hoheitsgebiet einverleibt würde.

Dem fügte er hinzu das sich die Terroristen-Kollektive in Idlib entweder mit Damaskus einigen, oder mit militärischer Gewalt rechnen müssen. Die angespannte Lage und vermehrten Zusammenstöße zwischen der SAA und den radikalen Gruppierungen, veranlasst die in der entmilitarisierten Zone ansässige Bevölkerung über den humanitären Korridor in Abu-Duhur zu fliehen, um sich in Gebiete zu begeben die von der syrischen Regierung kontrolliert werden.

Laut Medienberichten hat die Hayat Tahrir al-Sham in der Nacht zum Donnerstag 40 Raketenschläge gegen diverse Wohngebiete in der Provinz von Idlib durchgeführt, woraufhin die SAA mehrere Stellungen der HTS unter Beschuss nahm. Im Grunde genommen ist die Situation vor Ort identisch, wie vor dem Entschluss in Sochi.

Es ist nur eine Frage der Zeit bis Damaskus und seine Alliierten die darstellende Bedrohung ausmerzen werden. Wie in dem oben zitierten FARS-News erörtert wurde, scheint Ankara davon abzusehen die HTS mittels seiner Stellvertreter zu bekämpfen. Türkisch gestützte Jihadisten sollen sogar ein Eingreifen seitens der SAA herbeisehnen. Demnach ist es an der Zeit die Waffen sprechen zu lassen.

Verf.R.R.

 

Please follow and like us:

Kommentar verfassen