Kashoggi-Fall: Journalisten-Mord durch Saudi-Arabien hin oder her! USA halten an Waffenverkäufen fest

Man sollte meinen das das mysteriöse Verschwinden des saudischen Dissidenten, Jamal Khashoggi, die Beziehungen zwischen Riad und Washington auf die Probe stellt. Die vermeintliche Ermordung eines Journalisten durch saudische Agenten, sollte die “Fackel der Demokratie” eigentlich auf den Plan rufen um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Aber wenn es sich bei den Delinquenten um den größten Waffenabnehmer der Welt handelt und dieser zugleich eines der größten Erdölvorkommen vorzuweisen hat, kommt die berühmt berüchtigte US-Doppelmoral zum Vorschein.

Kashoggis wahrscheinliche Ermordung im in Istanbul ansässigen saudischen Konsulat, hat eine Welle an internationaler Kritik entfacht und diverse westliche Unternehmen und Medienhäuser forciert ihre Kooperation mit der feudalen Golfmonarchie zu überdenken und einzustellen.

Am 23.Oktober soll in Saudi-Arabien planmäßig eine Konferenz zum Anlass der Zukunft-Investment-Initiative stattfinden. Aufgrund der Kashoggi-Krise haben indes diverse Sprecher und Partner verlauten lassen das sie dem Event nicht beiwohnen werden. Die Financial Times, Bloomberg, CNN, die New York Times sowie Reporter von the Economist und CNBC haben ihre Teilnahme abgesagt.

Überdies werden der CEO von Uber, Dara Khosrowshahi, der Milliardär und Gründer der Virgin Group Richard Branson, und der CEO von dem US Medien Konglomerat Viacom und Milliardär ,Steve Case, nicht an der Konferenz teilnehmen. JP-Morgan und Ford kündigten ebenfalls an dem Event fern zu bleiben.

Washington versucht derweil wie üblich wenn es um einen strategischen mit Geld gestopften Allierten geht, die Sache herunterzuspielen. Zwar haben dich diverse US-Senatoren dazu aufgeschwungen zu verkünden das ein Zeichen gesetzt werden müsse, wenn sich bestätigt das Kashoggi im Auftrag Riads getötet worden sei. Hingegen gaben die US-Abgeordneten nicht preis wie sich eine Bestrafung Saudi-Arabiens gestalten soll.

US-Präsident Donald Trump hielt sich ähnlich vage und äußerte während eines Interviews mit “CBS 60 Minutes “das Saudi-Arabien mit einer “folgenschweren Bestrafung” rechnen muss, sollte die Ermordung des Journalisten erwiesen sein.

In Bezug auf die immensen US-Waffenverkäufe an das Königreich, ging der US-Oberbefehlshaber tiefer ins Detail und erörterte öffentlich das er nicht einsehe wegen der Ermordung Kashoggis den von ihm ausgehandelten Mega-Waffendeal mit Saudi-Arabien ($110-390 Milliarden) platzen zu lassen. Dies begründete er mit der Ausrede das Russland und China dieses Loch stopfen würden, und man nicht zulassen könne das die Widersacher davon profitieren.

Er werde den Kronprinzen und de facto König Saudi-Arabiens Mohammed Bin-Salman konsultieren um Näheres zu erfahren, teilte Trump mit.

Der Kashoggi Fall wirkt sich bereits negativ auf die saudischen Märkte aus. Der Tadawul die saudische Wertpapierbörse brach am Sonntag um 7 Prozentpunkte ein, was das schlechteste Ergebnis seit 2014 ist.

Riad reagierte zunächst gediegen auf die internationalen Vorwürfe. Indes hallte es aus den USA das man erwäge die Saudis zu sanktionieren. Daraufhin änderte sich der Ton des saudischen Regimes, das folgenschwere Konsequenzen androhte sollten US-Sanktionen in Kraft treten.

Der saudische Nachrichtensender Al-Arabiya TV veröffentlichte auf seinem online Portal einen von dem General-Manager des Senders, Turki Aldakhil, verfassten Artikel, in dem 30 Maßnahmen hervorgehoben wurden, die infolge von Sanktionen in Erwägung gezogen würden.

Von einer Annäherung an den Iran und Russland war die Rede.Wenn es darauf ankomme wolle man dem Letzteren eine Militärbasis im saudischen Tabuk übergeben, hieß es. Das Erdöl sei ein weiteres Druckmittel um vergeltende Maßnahmen schmerzhaft zu gestalten, so Al-Arabiya. Aldakhil brachte ebenfalls zum Ausdruck das Saudi-Arabien der größte Waffenabnehmer der USA sei und es nicht außergewöhnlich wäre wenn sich Riad nach Alternativen umschauen würde.

Das es im Gebälk zwischen Riad und Washington knistert, zeichnete sich vor einigen Wochen bereits ab und liegt nicht nur an Kashoggis Verschwinden. Der US-Präsident Donald Trump untermauerte abermals, das in seinen Augen Saudi-Arabien ein Klientelstaat ist und kein Alliierter. Während einer seiner Kundgebungen vor Trumpschen Publikum äußerte er das er König Salman von Saudi-Arabien mitgeteilt habe, das das Königreich ohne den Schutz der Vereinigten Staaten nicht einmal zwei Wochen überleben würde, und es an der Zeit wäre das dafür gezahlt werde.

Der Kronprinz des saudischen Regimes Mohammed Bin Salman (MBS) erwiderte auf Trumps beleidigendes Auftreten das das Königreich vielleicht in 2000 Jahren mit einigen Gefahren rechnen müsse. Ferner argumentierte MBS das Saudi-Arabien für seine Sicherheit nicht aufkommen würde. Dem fügte er hinzu das er der Auffassung sei das alle Waffenlieferungen an Riad beglichen seien.

Dem in Verruf geratenen Bin-Salman stehen stürmische Tage bevor. Das auf seiner Intervention gewachsene humanitäre Desaster im Jemen gepaart mit dem vermutlichen Mord an Jamal Kashoggi hat seine Public-Relations-Kampagne kurzerhand zunichte gemacht. Da der saudische Journalist für die Washington Post tätig war, wird sich der mediale Druck im Mainstream nicht vermindern.

Außer Dementi hat Riad bisher nichts aufzuweisen, das die erhobenen Vorwürfe und Indizien widerlegen würde. Die gegenwärtige Attitüde Saudi-Arabiens in Bezug auf Kashoggi und kohärente mögliche Sanktionen wird durch den saudischen Analysten Ahmed Ali Brahim vergegenwärtigt, der gegenüber RT erörterte das das Königreich bereit sei auf möglichen monetären Druck zu reagieren.

Ob MBS der primäre Anwärter auf den saudischen Thron bleiben wird, oder aufgrund seiner offensichtlichen Fehltritte letztlich abdanken muss, hängt einzig und alleine von der Reaktion der Vereinigten Staaten ab. Nach wie vor will der US-Präsident die feudale Golfmonarchie mit Waffen im Wert von fast einer halben Milliarde Dollar überschütten.

Um vor den US-Zwischenwahlen sein Gesicht zu wahren und nicht in Gefahr zu geraten das Repräsentantenhaus an die Demokraten zu verlieren, muss Donald Trump nun einen Weg finden Saudi-Arabien zur Rechenschaft zu ziehen ohne dabei den Mega-Waffendeal zu torpedieren und seinen.

Von daher wird es allem Anschein nach auf eine Personalsache hinauslaufen! Sprich das Königreich wird vermutlich dazu angehalten werden, MBS seine Zukunft als König neu zu überdenken. Washington wird mit Sicherheit von Sanktionen absehen, da Riad durchaus einige Trümpfe in der Hand hält um dem entgegenzuwirken.

Vor allem der Erdölpreis bereitet den USA schlaflose Nächte. Seit dem Verschwinden Kashoggis versinnbildlicht sich deutlich die gegenseitige Abhängigkeit der USA und Saudi-Arabien.

Verf.R.R.

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