Die destruktive Rolle der Türkei im Syrien Konflikt- Souhtfront Dokumentation

Das alternative Nachrichtenportal Southfront hat eine aufschlussreiche Dokumentation veröffentlicht, die die destruktive Rolle der Türkei im Syrien-Konflikt thematisiert. Ankara hat sich seit dem Ausgang des Krieges als einer der Hauptunterstützer von diversen Terroristen-Fraktionen entpuppt, wie in der Doku ausführlich dargelegt wird.

Insbesondere die ausführlichen Erläuterungen in Bezug auf die Ausgangsjahre des Syrien-Konflikts, und die damit zusammenhängende Verstrickung der Türkei haben es in sich.

Das Portal schildert detailliert wie Ankara sein Grenzgebiet zum sicheren Hafen für Terroristen machte. Diverse Gruppierungen würden bis dato ausgebildet und medizinisch versorgt werden. Ferner diene das Territorium als Rückzugsgebiet für Dschihadisten, so Southfront.

Von 2014 -2016 seien Tausende von Militante über die Istanbul-Gaziantep Route nach Syrien gelangt. Die Route trug inoffiziell den Namen ” der Jihadi-Express” so das Portal.

Der Kilis-Azaz Grenzübergang sei ebenfalls für Jihadisten die nach Syrien wollten, ein logistischer Knotenpunkt gewesen. Zudem seien diverse Grenzsiedlungen de facto Basen gewesen, wo Terroristen versammelt und für die Überquerung der Grenze vorbereitet worden seien.

Das Portal weist diesbezüglich auf einen auf den 15.März 2013 datierten und von dem damaligen Innenminister der Türkei, Muammer Güler, signierten Brief hin, laut diesem die Provinz Hatay im Rahmen des Transfers von Militanten aus der Türkei nach Syrien, strategische Wichtigkeit erlangt habe, und daher eine Sonderbehandlung zustehen würde.

Die Ermöglichung von Bewegungen in dieser Region, die Ausbildung und die Bereitstellung von medizinischer Hilfe für verwundete Kämpfer und die Überquerung der Grenze nach Syrien, seien hauptsächlich mittels dieser Provinz durchgeführt worden, so das Portal.

Dem Brief zufolge würden der türkische Nachrichtendienst (MIT) und andere mit entsprechender Autorität versehene Organisationen, die Arbeit mit der politischen Führung in Hatay koordinieren.

Für den Transit von Terroristen durch Hatay über Land oder Luft und der Beteiligung diverser zivilistischer Entitäten, seien erhöhte Sicherheitsmaßnahmen vonnöten gewesen.

Der Brief hebt hervor das es vorteilhaft sei in Hatay auf Anweisung des türkischen Geheimdienstes,  Kämpfer in Regierungshotels und in Hostels unterzubringen die vom Ministerium für religiöse Angelegenheiten betrieben werden.

Ähnliche Briefe seien an die Provinzen Mardin, Urfa und Antepe verschickt worden. Hatay beherberge das Camp für SAA-Deserteure in Apaidin, was lediglich zwei Kilometer von der syrischen Grenze entfernt ist.

Laut Mehmet Ali Ediboglu einem Mitglied der Republikanischen Volkspartei (CHP) sei dieses Camp im September 2012 als FSA-Hauptquartier betrachtet worden. Zu dieser Zeit sollen sich in dem Camp 300 ehemalige syrische Soldaten und Polizisten, darunter 30 Generäle, befunden haben.

Desweiteren verweist Southfront auf einen im September 2013 erschienenen Deutsche-Welle Bericht in dem erwähnt wurde, das Hunderte Kämpfer von Al-Qaida affiliierten Organisationen in türkischen Ambulanzen von Syrien ins Ceylinpinar-Krankenhaus eingeliefert worden seien.

Schwerverwundete seien ins Balikdigol-Hospital in der Provinz Sanliurfa eingeliefert worden, hieß es.

Ferner berichtet das Portal unter Verweis auf einen sich mit der türkischen Grenzstadt Reyhanli befassenden Daily-Mail Artikel, das die Stadt ein Teil der Pipeline gewesen sei, von wo aus Militante nach Syrien gelangten und türkische Grenzwächter das Geschehen ignoriert haben sollen.

ISIS Militante hätten inmitten der Stadt gerastet bevor sie die Grenze überquerten. Militäruniformen und möglicherweise Waffen seien auf den Strassen verkauft worden, wie das Portal mitteilt.

Zu Beginn des Märzes 2015 sollen “Syrische Rebellen”  auf einer Basis in der zentral liegenden türkischen Stadt Kirsehir von türkischen und US-Soldaten bei ihrer Ausbildung unterstützt worden sein.

Die USA verkündeten das die besagten “Rebellen”gegen den Islamischen Staat antreten würden. Hingegen seien Repräsentanten der türkischen Opposition der Auffassung gewesen, das die ausgebildeten Kämpfer hauptsächlich die Assad-Regierung bekämpfen sollten.

Die türkischen Behörden bestätigten im März 2015, das ein ISIS-Kämpfer türkischer Nationalität im Krankenhaus in der Stadt Denizli behandelt worden sei.

Laut der Dokumentation sei in der Stadt Hatay seit 2016 ein Ausbildungscamp für FSA-Mitglieder eingerichtet worden, die sich an der türkischen “Schild des Euphrats (Euphrates Shield) Militäroperation beteiligten.

Zudem berichteten die Medien mehr als einmal über die Präsenz von einem Trainingscamp in der Provinz von Adana , das nur in 8 km Entfernung von dem Luftstützpunkt Incirlik liege. Beamte der türkischen Luftwaffe kommentierten diese Berichte nicht, und Journalisten hatten keinen Zutritt zu der Basis. Die offizielle Rechtfertigung für diese Verfahrensweise war, das sich Flüchtlinge und oppositionelle Kämpfer entlang der Grenze frei bewegen sollten.

Southfront zufolge hätten die Jabhat al-Nusra (HTS, Hayat Tahrir al-Sham, Al-Qaida) und die ISIS aus der Lage Kapital geschlagen, und sollen Rekruten, Geld, und Waffen durch das türkische Territorium erhalten haben. Ferner würden Ankaras Verbindungen zu diesen Gruppierungen nicht nur auf dem Kampf gegen Assad basieren, sondern auch wirtschaftliche Beziehungen beinhalten. Und weder türkische Soldaten noch nachrichtendienstliche Fachkräfte würden Illusionen bezüglich der Situation haben, so das Portal.

Überdies habe die Türkei seit dem Ausgang des Konflikts die Wasserentnahme vom Euphrat drastisch erhöht, was dazu geführt habe das viele syrische Städte und Dörfer unter ernsthaftem Wassermangel gelitten hätten. Als letztlich die SDF die Kontrolle über Nordost-Syrien an sich riss, habe die Entnahme den höchsten Grad erreicht. Hingegen als die ISIS dieses Gebiet kontrolliert habe, gewährleistete die Türkei die Wasser und Stromzufuhr, wie Southfront mitteilt.

Ein weiteres Indiz für die türkische Kollaboration mit dem IS war die Angelegenheit hinsichtlich der Sicherheit des Grabmals von Suleyman Shah, was zu Unstimmigkeiten unter Hardliner-Islamisten innerhalb der ISIS geführt habe, da in ihrer Interpretation des Islams die Verehrung des Todes ein Zeichen von Mangel am Glauben und Polytheismus sei.

Nichtsdestotrotz sei aus irgendeinem Grund die Grabstätte gemeinsam von türkischen Soldaten und ISIS-Kämpfern bewacht worden, hieß es. Nach Southfront könne man mit absoluter Sicherheit sagen, das es eine Abmachung gegeben habe, die der ISIS die Rolle des Bewachers zugeschrieben habe. Im Gegenzug habe man die Bewegungsfreiheit für Terroristen, von der Türkei nach Syrien und zurück gewährleistet.

Weitere Beweise für die Konnektivität zwischen dem IS und Ankara seien durch Verhöre von SDF ergriffenen ISIS-Kämpfern ans Tageslicht gekommen. Einer dieser Inhaftierten soll ein Libyer namens Osman gewesen sein. Er sei vorerst für eine 22 tägige kurzweilige Einführungsschulung nach Bani Valid in Libyen geschickt worden, Daraufhin sei er mit weiteren ISIS-Rekruten für 25 Tage im libyschen Misrata ausgebildet worden. Tage vor der Graduation sei Osman von einem “Waffenkameraden” mit einem PKM-Maschinengewehr angeschossen worden, was dazu geführt habe das er weitere 22 Tage in einem Krankenhaus in Misrata gelegen habe. Während dieser Periode sei ihm ein falscher libyscher Reisepass übergeben worden, und er soll zur Behandlung ins Medicana International, einem türkischen Krankenhaus im Melik Duzu Viertel von Istanbul, entsendet worden sein. Osman bestätigte angeblich die Existenz eines für ISIS-Militante aus Afrika, Tunesien und weiteren Maghreb-Staaten eingerichteten Luftkorridor, der von Libyen in die Türkei geführt habe. Verwundete Kämpfer sollen in einem Privatflugzeug von Libyen in die Türkei gebracht worden sein. “Uns wurde beim einsteigen geholfen, “ so Osman “Dann realisierte ich das alle anderen an Bord ebenfalls schwer verwundet waren, einige sogar paralysiert.”

Auf dem Atatürk Flughafen in Istanbul hätten Ambulanzen bereit gestanden um ISIS Kämpfer abzutransportieren. Letztlich seien alle verwundeten Terroristen in türkischen Krankenhäusern untergekommen.

“Wir wurden einzeln oder paarweise eingeladen, danach fand ich mich im Medicana International wieder.” Osman sagte das alle ISIS-Bewegungen unter der Bewachung vom türkischen Geheimdienst stehen würden. Ferner seien sie um die Sicherheit von verwundeten Militanten besorgt gewesen.

“Einmal sollte ich von einem Neurologen untersucht werden, wofür ich in ein anderes Krankenhaus transportiert werden musste. Auf dem Weg ins Krankenhaus begleiteten mich zwei bewaffnete Geheimdienstoffiziere.”

Nach der vier Monate langen Behandlung, sei er in ein Hotel in der Nähe des Krankenhaus einquartiert worden. Daraufhin in ein Haus auf der europäischen Seite Istanbuls. Drei Tage später sei er von einem Militanten namens Abu Masab al-Iraqi kontaktiert worden, woraufhin ein Treffen im Ibrahim Khalil Viertel in Istanbul stattgefunden habe. Dort sei ihm neben anderen Söldnern mitgeteilt worden wo er Tickets für einen Flug nach Urfa erhalten würde.

Zu diesem Zeitpunkt hätten sich bereits viele ISIS-Kämpfer samt ihren Familien dort angesammelt. Osman deutete auf die Wichtigkeit zweier Städte hin, die für Lieferungen an die ISIS unabdinglich gewesen seien. Tel-Abyad und Jarablus. Über diesen Korridor sei der größte Zustrom an Söldnern unter der Aufsicht vom türkischen Nachrichtendienst und der Armee, aus der Türkei nach Syrien gelangt. Zudem sei der besagte Korridor für die Lieferung von Waffen, Munition und Uniformen genutzt worden.

Ein weiterer ISIS Kämpfer gab laut Southfront folgendes zu Protokoll: “Mein sudanesischer Freund namens Khaled Sali, der zur ISIS gehörte und in Azaz lebte schlug mir vor mich der ISIS anzuschließen. Ich willigte ein da mir zu diesem Zeitpunkt keine anderen Formationen bekannt waren. Daraufhin begleitete er mich zum Flughafen in Khartoum, von wo ich aus nach Istanbul flog. Dort traf ich auf lokale ISIS-Koordinatoren, und sie brachten mich in einem Hotel unter, an dessen Namen ich mich nicht erinnere. Anschließend wurde ich von einer inländischen Fluglinie nach Gaziantep geflogen und dann nach Kilis an der Grenze zu Syrien. Mein Koordinator wartete bereits auf mich in Azaz. Die Grenze zu überqueren war einfacher als einfach. Keine Soldaten, keine Polizei, keine türkischen Behörden. Und wenn sie da gewesen sein sollten, dann haben wir direkt vor ihren Nasen die Grenze überquert.”

Israels militärischer Geheimdienstchef, Major-General Aviv Kochavi, ließ im Januar 2014 verlauten, das die türkischen Städte Karaman, Osmaniye und Sanliurfa diverse Al-Qaida Camps beherbergen würden, die zudem als Kontrollstellen genutzt würden.

Laut Southfront sei nach Beginn der russischen Militäroperation in Syrien, und nach multiplen öffentlichen Enthüllungen über türkische Verbindungen zu Terroristen- wie die Beteiligung am ISIS Ölgeschäft-die Bewegungsfreiheit von diesen Terroristen entlang der Grenze eingestellt worden. Ansonsten würde die Erdogan-Regierung als öffentlicher Sponsor des Terrorismus gebrandmarkt, was inakzeptabel für Erdogans Image gewesen wäre. Hingegen seien die Hauptgründe für die Absperrung der Grenzübergänge, die Reihe an Niederlagen die der IS und Jabbhat al-Nusra erlitten hätten, Ankaras Neubewertung des Syrien-Konflikts unter russischem Druck ,und die Reduktion des Flüchtlingsstroms.

Verf.R.R.

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