Sergei Lawrow erinnert sein türkisches Pendant abermals daran, das die Al-Qaida in Idlib vernichtet werden muss

Die jeweiligen Außenminister der Türkei und Russland kommentierten während einer gemeinsamen Konferenz am Dienstag in Ankara, die aktuelle Lage in dem an die Türkei grenzenden syrischen Gouvernement Idlib.

Das libanesische Nachrichtenportal Al-Masdar-News (AMN) übersetzte die auf Idlib bezogenen Passagen der Pressekonferenz.

Der russische Außenminister erinnerte seinen türkischen Amtskollegen Mevlut Cavusoglu abermals daran, das die in der “Deeskalationszone” Idlib ansässige Al-Nusra (Al-Qaida, Hayat Tahrir al-Sham, HTS) nach Astana-Beschluss zu eliminieren sei, da Terroristen-Kollektive von allen Waffenruhen ausgeschlossen seien. Cavusoglu stimmte dem zu.

Sergei Lawrow russischer Außenminister:

“Objektiv verspüren wir natürlich das Verlangen des Westens, vor allem das der USA jedoch nicht nur der USA, nicht zuzulassen das der  “Astana-Prozess” konkrete Ergebnisse erreicht, und ihn als nicht wirklich erfolgreich zu präsentieren. Diese Bemühungen sind bereits zuvor unternommen worden und werden wahrscheinlich fortgesetzt. Doch der Fakt das die Türkei, Russland und Iran, trotz verschiedener Herangehensweisen an die syrische Krise, die nicht immer übereinstimmen, die Weisheit und den Willen gefunden haben konkrete Probleme zu lösen, denke ich hat insgesamt eine drastische Wende in der Lage Syriens herbeigeführt. Die ISIS ist nahezu geschlagen. Es existieren lediglich einige getrennte , gespaltene Kollektive. Wie wir bereits erwähnten ist die jetzige Hauptaufgabe die Jabbhat al-Nusra. Ich gehe nicht davon aus das die USA Sanktionen einführten um das Gleichgewicht der “Astana-Drei” zu stören. Jedoch im Großen und Ganzen ist die Haltung des Westens, sie erwähnten die Flüchtlinge, die Haltung des Westens zu den Flüchtlingen erzeugt reserviertes  Erstaunen”

Mevlut Cavusoglu türkischer Außenminister:

“Worum es hier geht ist sehr einfach, anhand einer resoluten Strategie müssen wir gemeinsam mit Russland, unserem Geheimdienst und mit militärischer Stärke die Terroristen identifizieren und neutralisieren. Idlib zu bombardieren, Schulen zu bombardieren und Zivilisten zu töten erzeugt ein Massaker, und löst eine ernsthafte Krise aus, sollte es einen Terroristen geben. Es wäre ein Desaster. Die katastrophalen Probleme setzen sich langwierig fort. Die Terroristen sind an gewissen Punkten gewiss, wir müssen sie identifizieren. Tatsächlich sind die Opposition und die Gemeinschaft ziemlich verärgert. Wir müssen sie alle gemeinsam bekämpfen. Ferner ist dies für unsere nationale Sicherheit erheblich.

Sergei Lawrow russischer Außenminister:

“Was Idlib betrifft , in Ergänzung zu dem was ich bereits in meiner Eröffnungsansprache erwähnte, werde ich die folgende Anmerkung machen. Die Idlib-Deeskalationszone, sowie alle anderen Deeskalationszonen sind unter gewissen Bedingungen geschaffen worden. Und eine dieser Bedingungen war das die Waffenruhe nicht die Terroristen umfasst, und diejenigen militanten Organisationen die nicht mit Terroristen assoziiert werden wollen, sich territorial von ihnen separieren sollten, damit die unerbittlichen Gruppierungen und vor allen Jabbhat al-Nusra vernichtet wird. Diese Vereinbarung gilt auch für Idlib. Die Situation vor Ort ist komplizierter als in anderen Gebieten und so war es von Beginn an. Eines der Gründe dafür war die Dominanz der Jabbhat al-Nusra.”

 

Der türkische Außenminister hat abermals untermauert, das Ankara seiner eigentlichen Aufgabe in Idlib noch nie nachgekommen ist. Trotz zweckloser 12 errichteter Beobachtungsposten in Idlib ist es laut Cavusoglu Ankara nicht gelungen, die Hayat Tahrir al-Sham ( Jabbhat al-Nusra, Al-Qaeda , HTS) zu identifizieren?

Wer soll ihm das abkaufen? Türkische Militärkonvois sind von der HTS zu ihren Destinationen in Idlib eskortiert worden. Überdies hielten im Oktober vergangenen Jahres türkische Kräfte und die HTS ein Meeting in der Provinz Aleppo ab, um sich regional zu koordinieren.

Die Türkei hatte ein großes Interesse daran in dem Gebiet an der Grenze zu Afrin eine Militärbasis zu errichten hieß es in den Medien. Überdies sollen türkische Beamte und HTS-Jihadisten gemeinsam die Grenze von Afrin inspiziert haben.

Kurz gesagt der türkische Außenminister lügt, wenn er behauptet man müsse die Terroristen zunächst identifizieren. Die Hayat Tahrir al-Sham ist die von Lawrow hervorgehobene Jabbhat al-Nusra! Also wen gibt es noch zu identifizieren?

Die Intention ist wie immer dieselbe, Zeit schinden um die legitime Übernahme Idlibs durch die syrische Regierung hinauszuzögern. Die Türkei hat zwei Jahre lang Zeit gehabt ihrer eigentlichen Mission nachzugehen.

Daran erinnerte der russische Außenminister seinen türkischen Amtskollegen, indem er Ankara nochmals die Bedingungen für die eigens beschlossenen Deesklalationszonen vorhalten musste.

Diese besagten das Terroristen in diesen Zonen von jeglichen Feuerpausen ausgeschlossen sind, und diese zu bekämpfen seien. Was gab es für Ankara daran nicht zu verstehen?

Getrost kann man sagen das die türkische Regierung die ganze Zeit über ein doppeltes Spiel verfolgte. Der Spagat zwischen Regime-Change mittels Jihadisten, und gemeinsamer Terrorismus-Bekämpfung mit Russland und Iran, scheint allmählich die Beine zu brechen.

Und man sollte meinen das dies endlich von Ankara realisiert wird. Hingegen traf der türkische Außenminister wahnhafte Aussagen bezüglich der Bombardierung von Schulen und Zivilisten und der Notwendigkeit behutsam vorzugehen, die einem erneut aufzeigen das das Jihadi-Paradise aus Sicht von Ankara so bestehen bleiben soll.

Cavusoglu hatte vergessen zu erwähnen das Schulen und Krankenhäuser in Terrorismus-Inkubatoren wie Idlib, zu Kommandozentralen, Waffen und Munitionsdepots und Hauptquartiere für Jihadisten umfunktioniert werden. Die Äußerungen Cavusoglus glichen einer typischen Mainstream Schlagzeile “russische Bomben, Massaker an Zivilisten, Schulen, Krankenhäuser” etc. Dies hatten wir alles schon mal.

Ein weiterer Fakt ist das der türkische Außenminister vorgibt, an einer nicht existenten “moderaten” Opposition festzuhalten. Es gibt keine moderaten Terroristen in Syrien!

Einer der Warlords die in Verbindung mit türkischen Kräften in Idlib steht, ist der berüchtigte saudische Kleriker Abdullah al-Muhaysini. Dieser erklärte in einer seiner Fatwas. das die Freie Syrische Armee (FSA), der Stellvertreter der Türkei in Syrien, nur ein Mythos ist, und diese als eigentliche Fraktion nicht bestehen würde.

Die FSA sei viel mehr ein Dachverband von Terroristen-Fraktionen, unter dem alle in Syrien aktiven Jihadisten-Formationen operieren. Wahre Worte aus einem Schandmaul!

Der russische Außenminister wies in seiner Anmerkung darauf hin das die Lage in Idlib kompliziert sei, und dies mit der Dominanz der HTS zusammenhängen würde.

Dies war ein weiterer Schlag in die Magengrube seines türkischen Pendants. Mit anderen Worten. Daher das man die HTS solange gewähren ließ, ist sie zu einem immer größeren Problem angewachsen.

Der von der Türkei begünstigte Kuschelkurs mit Terroristen, wird alsbald sein Ende finden. Cavusoglus Intentionen für Idlib decken sich nicht mit der allgemeinen Vorgehensweise türkischer Truppen in Syrien. Für die eigenen Belange geht man über Leichen.

Als Stimmen die luftgestützte und von Artilleriefeuer begleitete türkische Offensive auf Afrin anprangerten, wies Ankara jede Kritik von sich mit der Begründung kurdische Terroristen zu bekämpfen.

Idlib scheint diesen Kriterien nicht zu unterstehen. Dazu sei gesagt das Ankara ohne Genehmigung der syrischen Regierung militärisch in Syrien interveniert. Also was unterscheidet die Al-Qaida in Idlib, von der kurdischen YPG in Afrin?

Beide Entitäten sind designierte Terroristen-Verbände! Also weshalb sollte die syrische Armee in ihrem eigenen Land nicht mit derselben angemessenen Härte gegen Jihadisten vorgehen dürfen, wie invasorische türkische Kräfte gegen Terroristen auf fremdem Boden.

Und die humanitäre Variable zieht nicht, da Afrin seit der türkischen Besatzung zu einem untermenschlichen Ort verkommen ist, der von stellvertretenden FSA-Kämpfern ausgeplündert wurde. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International veröffentlichte einen Bericht, in dem sie die humanitäre Lage in Afrin thematisierte und zu erschreckenden Ergebnissen gekommen ist.

Die offensichtliche Diskrepanz bezüglich der Einstufung von Terroristen wird sicherlich einer der Schwerpunkte der Gespräche gewesen sein, die hinter verschlossenen Türen zwischen den jeweiligen Delegationen in Ankara stattfanden.

Wenn das türkische Militär es für richtig befindet Afrin aus der Luft zu bombardieren, und mit allen militärischen Mitteln die YPG vor Ort zu bekämpfen, weshalb dieser Aufschrei in Bezug auf die anstehende Bombardierung terroristischer Ziele in Idlib?

Sind Zivilisten aus Afrin nicht genauso verwundbar wie Einwohner in Idlib? Viel Lärm um nichts, wie man so schön sagt! Die Türkei befürchtet nur eines, nämlich den zeitnahen Verlust des besetzten Territoriums, was offensichtlich nicht mehr zu vermeiden ist.

Während sich Lawrow und Cavusoglu in der Türkei trafen, bombardierte die syrische Armee in Idlib und Peripherie weitere Stellungen von der Hayat Tahrir al-Sham (HTS, Al-Nusra, Al-Qaeda) und ihrer Ableger. Die iranische Nachrichtenagentur FARS-News teilte unter Verweis auf Sputnik Arabic mit, das russische und syrische Kräfte derweil die Großoffensive auf Idlib präparieren würden und diesbezüglich sämtliche Vorkehrungen träfen. Laut einer Quelle von Sputnik rücke die “Stunde Null immer näher”.

Verf.R.R.

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