Ost-Syrien-Ist das Rojava-Projekt Geschichte? US-gestützte SDF nehmen Verhandlungen mit Damaskus auf

Im Osten Syriens ist der von den USA geplante demographische Wandel zu Gunsten der Kurden auf hohe Hürden gestoßen. Im Gegensatz zum Irak wo sich nach dem Sturz Saddam Husseins ein kurdisches Autonomiegebiet mit Unterstützung Washingtons etablieren konnte, sträubt sich der arabische Bevölkerungsteil Syriens den von Amerika verleiteten kurdischen Stellvertretern einen Sonderstatus in der Gesellschaft einzuräumen.

Syrer definieren sich nicht über ihre konfessionelle Zugehörigkeit oder ihre Abstammung, sondern über Säkularismus. Die gegenseitige Toleranz diverser Glaubensrichtungen und Stämme sind ein Aushängeschild der syrischen Sozietät. Circa 90% der syrischen Bevölkerung leben in Gebieten, die unter Kontrolle der Regierung stehen. Der restliche Anteil sind Geiseln von Besatzungskräften, und stellvertretenden Terroristen. Daher wird die imperialistische US-Agenda zur Spaltung des Landes von maßgeblichen Problemen begleitet.

Seit der Annihilation Raqqas und der Einnistung der US-gestützten Syrisch Demokratischen Kräfte (SDF) in der Region, kommt es regelmäßig zu Protesten gegen die kurdische Okkupation. Die Einwohner Raqqas sitzen im Stich gelassen auf ihren Ruinen, und müssen die aufgebürdeten Repressalien der SDF-Kräfte über sich ergehen lassen. Von forcierten Eingliederungen in die Ränge der SDF und Enteignung fremden Eigentums ist die Rede. Ferner akzeptieren die Bewohner die US-gestützten Kräfte nicht als selbsternannte Exekutivorgane. Die Besatzung Raqqas auf unbestimmte Zeit ist ein amerikanisches Projekt, das die kurdische Aspiration nach einem eigenen Staat für sich zu nutzen macht um die angestrebte Zergliederung voranzutreiben.

Washington schwebt in Syrien ein Einflussbereich wie im benachbartem Irak vor, wo mittels der stellvertretenden Kurden Saddam Husseins Herrschaft beendet wurde. Die Chaos-Jahre des Iraks nach der Übernahme der USA führten zu einer allmählichen Abkanzelung des nord-irakischen Gebiets. Als die ISIS 2014 im Irak einfiel nutzte die Kurdische Demokratiepartei (KDP) unter dem Vorsitz Massud Barsanis die Terror-Herrschaft des Islamischen Staats in Mosul zu ihrem Vorteil, und besetzte Ölfelder im Norden des Landes nachdem das irakische Militär Kontingente aus der Region abzog, um den Kampf gegen den IS aufzunehmen. Die Warnungen aus Bagdad den darauffolgenden illegitimen Öl-Handel einzustellen und angehäufte Schulden zu begleichen, wurden allesamt von der kurdischen Führung ignoriert. Die Hybris der KDP führte daraufhin im vergangenen Sommer zu dem Unabhängigkeits-Fiasko. Irakisch-Kurdistan meinte inmitten des Befreiungskampfs Bagdads seine Unabhängigkeit anzustreben, und propagierte die Abspaltung vom Irak. Daraufhin sah sich die irakische Regierung dazu gezwungen diesem Vorhaben mit militärischer Gewalt ein Ende zu setzen. Die Türkei und der Iran die jeweils in ihren eigenen Grenzen mit einem kurdischen Widerstand zu kämpfen haben, wurden durch das illegitime Unabhängigkeitsreferendum im Nord-Irak alarmiert, und ergriffen zur Unterstützung Bagdads Vergeltungsmaßnahmen wie die Streichung sämtlicher Flüge nach Erbil und die Sperrung des Luftraumes in der Region.

Die KDP war bis zum letzten Augenblick davon ausgegangen das die USA sich gegen seinen Alliierten stellen würden, doch bemerkten unmittelbar nach der Abstimmung das die geopolitische Komponente des ölreichen Iraks gewichtiger ist, als die überstürzten unilateralen Vorstöße der Kurden. Letztlich übernahm die irakische Regierung sämtliche von den Kurden verfassungswidrig einverleibten Gebiete und drängten die KDP und die Peshmerga hinter die Grenzen zurück, die vor der US-Invasion 2003 bestanden.

In Syrien spielte sich das identische Szenario wie im Irak ab. Während die syrische Armee an zig Fronten gebunden war und kurz davor stand von den importierten Terroristen geschlagen zu werden, verleibten die US-gestützten SDF im Kriegsverlauf mehrere Gebiete im Osten des Landes ein und deklarierten sogar die besetzte Region als föderalistisches Rojava. Das Pendant zum irakischen Norden. Die USA gewährten ihren Stellvertretern bis zur Grenze des Nato-Alliierten Türkei vorzustoßen, um den Letzteren unter dem Deckmantel der Bekämpfung kurdischer Terroristen in Syrien einzuschleusen.

Das von den YPG- dem Kern der SDF- besetzte Afrin wurde innerhalb weniger Wochen zu Beginn des Jahres, von türkisch-gestützten Jihadisten und Soldaten eingenommen. Die kurdische Miliz zog den demütigen Untergang einer Übergabe an die syrische Armee vor. Sprich sie begrüßten es das Invasoren die Stadt besetzen, anstatt die Kontrolle an Damaskus zu übergeben.

Kläglich geschlagen mussten die kurdischen Fraktionen sich in benachbarte Gebiete zurückziehen. Das theatralische Zerwürfnis zwischen den USA und der Türkei bezüglich der Unterstützung der kurdischen Milizen in Syrien resultierte darin, das die NATO-Allianz wieder offiziell Hand in Hand durch die Minenfelder Syriens schreitet.

Das von US-Kräften und der YPG besetzte Manbij im Norden des Landes, mussten die kurdischen Milizen ebenso verlassen, und zur Kenntnis nehmen das Washington wie im Irak dem geopolitischen Schwergewicht, in diesem Falle die Türkei, mehr Stellenwert in seiner imperialistischen Agenda beimisst. In Manbij patrouillieren derweil die jeweiligen Truppen der USA und der Türkei. Den Kurden in Syrien sollte es langsam dämmern, das ihr föderalistisches Projekt auf wackeligen Beinen steht. Allem Anschein nach wird dies dem politischen Arm der SDF (PYD) allmählich bewusst.

Laut Medienberichten erwägen die US-gestützten Syrisch Demokratischen Kräfte (SDF) die Stadt Raqqa an die syrische Regierung zu übergeben. Es soll sogar bereits eine von Damaskus entsandte Delegation in Raqqa bezüglich Verhandlungen eingetroffen sein, wie das libanesische Nachrichtenportal Al-Masdar-News (AMN) mitteilte. Damaskus habe den YPG/SDF  ein Angebot unterbreitet das auf gemeinsame Kooperation hinauslaufen soll, wenn gewisse Bedingungen vorab erfüllt werden. Der Vorschlag beinhaltete angeblich folgende Punkte.

  • Gemeinsame Kontrollpunkte in der Peripherie von dem Gouvernement Raqqa
  • Übernahme der Sicherheit durch die syrische Armee in der Stadt Raqqa
  • Die Zeit die kurdische Kämpfer der YPG dienten wird als Wehrdienst für die syrische Armee angerechnet
  • Die syrische Armee wird im Gouvernement Raqqa wieder Rekrutierungsbüros eröffnen.
  • Die syrische Armee und die YPG/SDF schließen sich zusammen.

Laut AMN sei bisher kein Abkommen zustande gekommen. Dennoch seien die jeweiligen Parteien positiv gestimmt. Ferner sollen Delegierte der syrischen Regierung in den Ortschaften Hasakah und Qamishli mit den kurdischen Kräften in Verhandlung getreten sein, hieß es.

Die geopolitischen Realitäten zeigen den syrischen Kurden auf das ihr angestrebter Separatismus von dem Wohlwollen der Amerikaner abhängig ist. Die Rolle der Bauernopfer stellt sich mit jeder US-Entscheidung zum Nachteil der Kurden deutlich heraus. Spätestens nach der Expellierung ihrer Kräfte aus Manbij, sollten sie realisiert haben das der gemeinsame Pfad mit den USA von Ungewissheit begleitet wird. Die Signale zur Verhandlungsbereitschaft der SDF/PYD/YPG rühren von der Schmach in Manbij her. Unmittelbar nach der Verbannung ihrer Kräfte aus der nordsyrischen Stadt ersuchte die kurdische Führung das Gespräch mit Damaskus. Darauf lässt sich schließen das sich die US-gestützten Kräfte übergangen fühlen und Vergeltungsmaßnahmen anstreben. Die Übergabe der Stadt Raqqa wäre definitiv ein herber Rückschlag für die US-Agenda die vorsieht den gesamten ölreichen Osten Syriens mittels der SDF besetzt zu halten.

Verf.R.R.

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