Syrien- Jihadisten-Paradies Idlib versinkt im Chaos

Die Sicherheitslage in der an die Türkei grenzenden syrischen Stadt Idlib ist zum zerreißen angespannt. Der in den letzten Monaten stetig anwachsende Jihadisten-Pool in der Stadt zeigt seine Wirkung. Interne Machtkämpfe unter diversen Terroristen-Gruppierungen halten die Zivilgesellschaft im Würgegriff, und fordern inzwischen tägliche Opfer.

Bombenattentate, Mordanschläge und Entführungen von Terroristen-Kommandeuren und ihren Familienmitgliedern sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Tagesordnung. Die dominierende Terroristen-Fraktion in Idlib ist die Hayat Tahrir al-Sham, an derer Jihadisten-Thron derweil die Syrische Befreiungsfront (SLR, eine Fusion aus Ahrar al-Sham und Noureddin al-Zenki) der Islamische Staat und türkisch gestützte FSA-Formationen rütteln.

Ferner werden zweifelhaft neue Allianzen geschmiedet, um das zu klein gewordene Jihadisten-Paradies Idlib zu expandieren. Die Ankunft von zehntausenden expellierten militanten Extremisten verschiedener Terror-Vereinigungen, ist darauf hinausgelaufen worauf Beobachter und Experten zu genüge hinwiesen. Die Prognosen von Jihadisten-Kriegen, Materialismus und Korruption haben sich allesamt bewahrheitet. Die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) berichtete am 16.Juni das seit dem 26.April in Idlib und den angrenzenden Regionen von Aleppo und Hama, mindestens 154 Personen ihr Leben ließen. Darunter 102 Kämpfer syrischer Nationalität von diversen Fraktionen, 37 Zivilisten und 15 Kämpfer usbekischer, asiatischer und kaukasischer Nationalität, die angeblich anhand von Bombenexplosionen, Mordanschlägen und Schießereien getötet wurden, und deren sterbliche Überreste in abgelegenen Gebieten entsorgt worden seien, hieß es.

In der Region hat Ankara jüngst mehrere Beobachtungsposten, zu den schon seit geraumer Zeit bestehenden hinzugefügt. Nichtsdestotrotz hat sich die türkische AKP-Führung nie wirklich um die Al-Qaida Präsenz an ihrer Grenze geschert, und legte ausschließlich ihr Hauptaugenmerk auf kurdisch besetzte Regionen, die sich für einen Landraub anbieten. Ankara unterstützt offenkundig im Norden Syriens ansässige Jihadisten-Fraktionen, die in Koordination mit dem türkischen Militär unter dem Vorwand gegen kurdische Terror-Milizen vorzugehen, Landesteile besetzt halten.

Idlib ist ein grauenhafter Ort an dem sich Satan wie zu Hause fühlt. Die vorherrschende und repressive Ideologie die in der nordsyrischen Stadt waltet, steht der Schreckensherrschaft des Islamischen Staats in nichts nach. Dennoch berichten die westlichen korporativen Medien nicht im geringsten über Idlib, das gegenwärtig wahrscheinlich schlimmer dran ist als das vom IS-besetzte Raqqa es jemals war. Frauen sind aus dem Stadtbild verschwunden, und Scharia-Gerichte sind die Instanz für alle rechtlichen Belange der Bevölkerung. Wer sich dem nicht fügen will, gerät in Verdacht ein Befürworter der syrischen Regierung zu sein und wird öffentlich hingerichtet. Verwaltungsorgane sind fest in den Händen von der HTS, die in Idlib auch die Kontrolle über die Wasserversorgung innehat und 1500 syrische Pfund monatlich pro Familie für die Wasserzufuhr einnimmt.

Ankara steht in direktem Kontakt zur HTS, und unterbreitete der Terroristen-Gruppierung das Angebot sich aufzulösen und unter türkisches Kommando stellen zu lassen, oder von türkisch gestützten Terroristen attackiert zu werden. Dieser Schritt erfolgte da die Amerikaner nicht mehr darum herumkamen, die Hayat Tahrir al-Sham als Al-Qaida affiliierte Terror-Vereinigung einzustufen. Ergo schickt es sich nicht für einen NATO-Partner mit einer gebrandmarkten Terroristen-Gruppierung zu kooperieren, und es muss ein neuer Name her. Die Eingliederung von HTS-Terroristen in türkisch-gestützte Jihadisten-Fraktionen, ist eine Scharade um eine Russisch/syrische-Militäroperation im Norden abzuwenden. Die islamistischen Militanten lösen sich dadurch nicht in Luft auf, sondern tauchen unter einem anderen Teamnamen wieder auf. Für die Aufrechterhaltung seines völkerrechtswidrigen Einflusses in Syrien geht Ankara anscheinend über Leichen.

Wie dem Frieden gedient sein soll, indem man Terroristen-Fraktionen umbenennt und unter seine Fittiche nimmt um deren Ausrottung zu verhindern, erschließt sich nicht. Diese Aktionen der Türkei zeigen deutlich auf, das Syrien auf Dauer okkupiert werden soll. Dazu kommt die unilaterale Degradierung des benachbarten Idlibs, zu einem Nebenkriegsschauplatz für islamistische Terror-Fraktionen. Derweil befindet sich das Gros der Truppenkontingente der syrischen Armee im Süden des Landes, wo der israelisch-amerikanisch-jordanische Terrorherd zeitnah ausgemerzt werden soll. Nach erfüllter Mission werden sich die syrische Regierung, Russland und Iran höchstwahrscheinlich dem türkisch gestützten Terrorherd im Norden widmen.

Ankara ist bewusst das wenn es seine Zöglinge nicht in den Griff bekommt, die syrische Armee und russische Luftwaffe bis zur gemeinsamen Grenze mit der Türkei vorrücken wird, und der Traum von der Einverleibung Nord-Syriens wäre dahin. Der türkischen Führung schwebt das Modell der israelisch besetzten Golan-Höhen vor, die ebenfalls während eines Krieges schlichtweg konfisziert wurden. Eine Pufferzone nannte man dies euphemistisch. Ankaras Chaos schürendes Verhalten liegt im Ermessen der USA die bei alledem als Taktgeber fungieren.

Verf.R.R.

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