Ist mit den USA am Tisch, überhaupt ein Frieden auf der koreanischen Halbinsel möglich?

Am 27.April wurde die Welt Zeuge des langersehnten historischen Gipfeltreffens der jeweiligen Staatsoberhäupter der beiden Koreas, die in der entmilitarisierten Zone zusammentrafen um symbolträchtig das Kriegsbeil zwischen den beiden Ländern zu begraben. Die Bilder von dem nordkoreanischen Staatsführer, Kim Jong Un, und seinem Pendant dem Präsidenten Süd-Koreas, Moon Jae Inn, vermittelten ehrliche Glückseligkeit und Erlösung, die nach einem Jahr extremer Anspannungen auf der koreanischen Halbinsel, den beiden Männern ins Gesicht geschrieben stand. Die gesamte Zeremonie wurde von gegenseitiger Wertschätzung getragen. Hand in Hand übersprang man in kurzen Abständen die Grenze von Süd nach Nord und zurück. Dabei wurde dem Zuschauer das Gefühl vermittelt, das sich die zwei an Entgegenkommen überbieten wollten.

 

Man sagte sich bei dem Anblick wenn es doch immer so einfach wäre? Dann kehrte die Realität im Gehirn ein und es drängte sich die Frage auf, wird es überhaupt so einfach sein? Kann es einen zeitnahen Frieden für gesamt Korea geben? Kim Jong Un und Moon Jae-Inn unterzeichneten einen geschichtsträchtigen Friedensvertrag, der eine nuklear-freie koreanische Halbinsel vorsieht. Demnach auch Süd-Korea gewisse Vorkehrungen zu treffen habe hinsichtlich einer Entspannung der Lage, bedeute das auch der Süden sein von den USA gelagertes Nuklear-Arsenal aufgeben müsse.

Der nordkoreanische Staatsführer legte seinem Gegenstück während des Gipfels nahe ihn nicht mehr mitten in der Nacht aus den Bett holen zu wollen, womit er auf die Einstellung von ballistischen Raketentests anspielte. Was im Vorfeld der Signierung des koreanischen Friedensvertrags, nach dem geheimen Besuch des US-Außenministers, Mike Pompeo, in Pjöngjang,  bereits von Kim angekündigt wurde. Die Gesten des Guten Willens und Zugeständnisse an die USA die im Anschluss des Frieden-Gipfels seitens Nord-Koreas erfolgten, überschlugen sich regelrecht, so dass manches mit Argwohn betrachtet werden musste.

Die Beibehaltung der US-Militärübungen und Truppenpräsenz auf der koreanischen Halbinsel tangiere Pjöngjang nicht mehr, hieß es in den Medien. Ferner sei der nordkoreanische Machthaber zu einer Denuklearisierung bereit, und eine Zulassung für US-Inspektionen in Atomanlagen, solle auch in Aussicht gestellt worden sein. Ob und inwieweit diese Intentionen erfüllt werden wird sich zeigen. Doch wenn uns die Geschichte eins gelehrt hat ist das Vasallen-Staaten die Abkommen zur Abrüstung von Massenvernichtungswaffen treffen, von den Vereinigten Staaten mit dem Regime Change abgestraft werden. Nach einem Atomtest im Januar 2016 verteidigte das Staatsoberhaupt den Test und argumentierte diesbezüglich, das die aktuelle internationale Weltlage einem “Gesetz des Dschungels” gleichen würde “wo lediglich der Stärkste überlebt.

“Das Saddam Hussein Regime im Irak und das Gadaffi-Regime in Libyen konnten dem Schicksal der Vernichtung nicht entrinnen, nachdem nach ihren eigenen Zugeständnissen ihnen die Grundvoraussetzungen für die Nuklearentwicklung aberkannt wurden und sie ihre Nuklearprogramme aufgaben,” so die Stellungnahme die von der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA damals veröffentlicht wurde.

Scheinbar hat sich Pjöngjang dazu gezwungen gesehen, diese Vorbehalte aufgrund der Druckausübung der US-Administration vorerst neu zu überdenken, und sich gewissen Forderungen zu beugen, oder die DPRK verspricht sich von dem anberaumten bilateralen Gipfel zwischen Trump und Kim Jong-Un bisher ausgebliebene Entgegenkommen, seitens der Amerikaner. Nach bisherigem Kenntnisstand haben sich die USA in keinster Form erkenntlich gezeigt, und lediglich ihre Vorstellungen von einer Entwaffnung Nord-Koreas preisgegeben. Der frisch zum nationalen Sicherheitsberater gekürte altgediente Neocon-Falke John Bolton ließ während eines Gesprächs mit dem Mainstream-Nachrichtensender CBS verlauten, das das libysche Modell einer Denuklearisierung Nord-Koreas der US-Administration vorschwebe.

Der Regime Change-Zar Washingtons ist offenbar der Auffassung, das das Schicksal des ehemaligen Machthaber Libyens Muammar Gaddafi, auch Kim Jong-Un vorbehalten sein soll. Nachdem der libysche Machthaber sich 2003 bereitwillig dazu erklärte das anbahnende Atomprogramm des Landes aufzugeben, um sich dem Westen anzunähern, demonstrierten Washington & Co. ihre Geringschätzung, indem sie 2011 in das einst wohlhabendste Land des schwarzen Kontinents eine Herde blutrünstiger vom Westen angeheuerte jihadistische Söldner einfallen ließen, und in einen Ort transformierten an dem Sklavenhandel zur Tagesordnung gehören.

Auf Geheiß der NATO-Koalition betrieben die Al-Qaida angehörigen Militanten Lynchjustiz in der Wüste Libyens, und ermordeten Muammar Gaddafi, nachdem sie ihn sodomisierten.

Die darauffolgende Publizierung des schrecklichen Schauspiels der Hinrichtung, veranlasste die damalige US-Außenministerin, Hillary Clinton, von Glückshormonen beflügelt das Ereignis zu kommentieren.

Sieht so das libysche Modell aus, das der Strippenzieher Bolton für Nord-Korea in Erwägung zieht? Pjönjang sollte wachsam sein, denn handfeste Sicherheiten sind das einzige Gut, die unter dem Gesetz des Dschungels das Überleben garantieren. Verbale Zugeständnisse und fadenscheinige Abkommen mit den USA beinhalten zumeist ein fatales Ende. Ferner ist die graue Eminenz der US-Außenpolitik nicht angetan vom möglichen Frieden auf der koreanischen Halbinsel. Unmittelbar nach Ausstrahlung des koreanischen Gipfels büßten die führenden Rüstungskonzerne des militärischen industriellen Komplexes, über $10 Milliarden an Börsenwerten ein. Was eindeutig demonstriert welch immense Abhängigkeit von Kriegen und Spannungen in der US-Wirtschaft vorherrschen.

Frieden ist demnach nicht jedermanns Sache und bewegt vor allem Waffenlobbyisten in Regierungskreisen dazu US-Abgeordnete nahezulegen eine inszenierte Krise nach der anderen rauszuhämmern. Nichtsdestotrotz schlugen einige Stimmen den US-Präsidenten, Donald Trump, als Anwärter für den Friedensnobelpreis vor. Von welcher Form kognitiver Dissonanz diejenigen geritten waren, bleibt schleierhaft, rührt jedoch wahrscheinlich von der Meinung der Trump-Administration her, die das Zustandekommen des koreanischen Friedensvertrag ausschließlich für sich verbuchte.

Vor diesem Hintergrund warnte Pjöngjang die USA die positiven Errungenschaften nicht anhand von Provokationen zu untergraben, indem Drohgebärden hinsichtlich Verschärfungen von Sanktionen bei nicht Denuklearisierung, aufrechterhalten werden. Bereits im Vorfeld des bilateralen Gipfels zwischen Trump und Kim-Jong-Un ließen die Vereinigten Staaten die bedingungslosen Konditionen für eine Reanimation der Beziehungen durchdringen, die alles abverlangen aber nichts entgegenbringen. Ergo wird eine US-Präsenz auf der koreanischen Halbinsel das größte Hindernis für die Friedensfindung sein.

Verf.R.R.

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